Aktienstrategie
Defensiv oder zyklisch – Was ist jetzt besser?

Die Hoffnung auf ein Ende der Krise wächst. Unternehmen melden hohe Gewinne, Aktienkurse legen kräftig zu. Doch Experten streiten darüber, ob die postiven Erwartungen gerechtfertigt sind. Steigen die Kurse weiter? Oder ist eine Korrektur zu erwarten? Die wichtigsten Positionen und Eckdaten im Überblick.

FRANKFURT. Die Krise geht, die Hoffnung kehrt zurück. Wenn es gut läuft, so meinen Experten, dann ist das Schlimmste schon bald überstanden. Die Unternehmen melden in diesen Tagen wieder überraschend hohe Gewinne. Nach Daten von Bloomberg kann mehr als die Hälfte der Unternehmen in Europa die Erwartungen übertreffen. Auch an der Börse setzt man auf den Aufschwung - die Aktienkurse legen kräftig zu, Indizes notieren so hoch wie noch nie in diesem Jahr.

Seit dem Tief im März stieg etwa der Eurostoxx 50, der die wichtigsten europäischen Unternehmen zusammenfasst, um rund 44 Prozent. Vor allem konjunkturabhängige Firmen und Banken gehören zu den Gewinnern. Wer die Rally verpasst hat, fragt sich, ob er jetzt noch einsteigen sollte - und wenn ja, welche Papiere die meisten Gewinne versprechen.

Aktienstratege Markus Wallner von der Commerzbank geht davon aus, dass die Kurse weiter steigen. Interessant seien vor allem Industrieaktien; viele von ihnen seien historisch betrachtet noch immer günstig bewertet.

Die Kollegen von der DZ Bank sind da allerdings anderer Meinung. Sie sagen, dass die Erholung schon weitgehend eingepreist sei und demnächst Rückschläge drohten. Eine antizyklisches Strategie sei jetzt die bessere. Im Klartext: Den Einbruch abwarten und dann erst die Chance ergreifen und investieren.

Auch Christian Heger von HSBC Trinkaus glaubt, dass die Kurse zu rasant gestiegen sind. Er spricht von "vorausgeeiltem Optimismus". In den kommenden Wochen stünden "empfindliche Dämpfer" bevor. Zyklische Werte seien erst wieder nach einer deutlichen Korrektur attraktiv. Heger setzt stattdessen auf die sogenannten defensiven Titel, also Aktien, denen die Konjunkturzyklen weniger anhaben können. Dazu zählen für ihn Papiere aus den Branchen Pharma, Telekom und Versorger.

Setzt man die Aktienkurse in Relation zu den erwarteten Gewinnen der Unternehmen, schneiden diese Branchen am besten ab. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) erscheinen Versorger (9,4), Telekomfirmen (9,4) sowie die Pharma- und Healthcare-Unternehmen (9,5) günstig. Als Faustregel gilt: Je niedriger das KGV, desto attraktiver ist die Bewertung einer Aktie. Anleger sollten sich jedoch nicht allein auf diese Kennzahl verlassen. Für die Bewertung einer Aktie spielen auch andere Faktoren wie Buchwert, stabile Mittelzuflüsse (Cash-Flows) oder Dividendenrendite eine wichtige Rolle.

Ginge es nur nach dem KGV, wären Tech-Werte im Vergleich zu anderen Branchen viel zu teuer. Bei Analysten steht der Technologiesektor hingegen hoch im Kurs - weil diese im Aufschwung erfahrungsgemäß stark wachsen. In einem Kommentar von ING Investment Management heißt es, Technologieaktien seien "auch nach der starken Performance in diesem Jahr noch vergleichsweise preiswert".

Jörg Hackhausen
Jörg Hackhausen
Handelsblatt Online / Reporter
Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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