Aktuelle Sentix-Umfrage unter Investoren
Anleger ignorieren das Zinsrisiko

Die Anleger sind derzeit zwar nicht euphorisch, machen sich bis jetzt aber auch keine allzu großen Sorgen. Ob Aktien, Zinsen, Devisen, Öl oder Gold: Die Investoren erwarten für alle Anlageklassen bis zum Jahresende fast keine Kursschwankungen.

DÜSSELDORF. Das zeigt die Umfrage des Frankfurter Researchinstituts Sentix unter knapp 800 privaten und 200 professionellen Anlegern. Experten stimmt dabei vor allem die Einschätzung der Zinsentwicklung skeptisch. „Wie schon zu Jahresbeginn rechnen Anleger wieder nicht mit steigenden Zinsen. Legen sie aber weiter zu, dann droht Gefahr, weil Anleger diese Belastung nicht sehen und damit einplanen“, sagt Sentix-Experte Patrick Hussy.

Die meisten Befragten erwarten, dass sich die Renditen für Staatsanleihen nicht verändern und die amerikanische Notenbank das Zinsniveau unverändert lässt. Schon zum Jahreswechsel waren Anleger davon ausgegangen, dass sich die Renditen für die maßgebliche zehnjährige Staatsanleihe kaum bewegen. Tatsächlich stiegen sie in der Euro-Zone um rund 20 Prozent auf nunmehr 4,5 Prozent.

Hält der Trend an, droht den Aktienmärkten über kurz oder lang Gefahr. Denn höhere Zinsen und Renditen machen alternative Anlagen wie Anleihen attraktiver. Zugleich müssen Verbraucher und Unternehmen mehr Geld für Kredite aufwenden. Das schmälert künftige Firmengewinne und macht die Anteilsscheine der Unternehmen, also Aktien, teurer. Je weniger Anleger dieses Szenario einplanen, desto größer dürfte die Überraschung sein, wenn die Konzerngewinne plötzlich sinken.

Studien belegen, dass sich steigende Zinsen negativ auf die Aktienmärkte auswirken. Untersuchungen der BayernLB zeigen, dass bereits um einen Prozentpunkt höhere Zinsen deutlich fallende Aktienkurse zur Folge hatten: durchschnittlich 8,8 Prozent nach einem Jahr und 12,7 Prozent nach zwei Jahren. Auch Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud kam nach Auswertung der Zinserhöhungsphasen seit Anfang der 70er-Jahre zu dem Ergebnis, dass es nur in den ersten Monaten nach dem ersten Zinsschritt gute Chancen für höhere Aktienkurse gibt: „Je weiter der Zinszyklus fortschreitet, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit von Kursverlusten.“

Dieser Statistik entsprechend steigt die Skepsis unter Aktienanlegern. Für den deutschen Markt rechnen die Investoren bis Jahresende nur noch mit stagnierenden Kursen. Die Privatanleger sehen den Dax durchschnittlich sogar nur bei 7 937 Zählern. Gemessen am gestrigen Niveau wäre das ein Minus von 1,5 Prozent. Schon zum Jahreswechsel hatten die Sentix-Initiatoren von einer „Rally der Angst“ gesprochen, weil die Befragten dem Dax auf Jahressicht nur ein Potenzial von knapp vier Prozent zubilligten. Tatsächlich legte der Dax bis gestern 22 Prozent zu.

„Von der wachsenden Euphorie bei den Bankhäusern ist bei den Anlegern bis jetzt nichts zu erkennen“,sagt Sentix-Experte Hussy. Die meisten großen Finanzhäuser haben gerade ihre Prognosen drastisch angehoben und rechnen jetzt mit einem Dax-Niveau von über 8 000 Punkten bis zum Jahresende.

Springt der Funke auf die Anleger über, wäre die übliche Zins-Aktien-Regel erst einmal außer Kraft gesetzt. Aktienkurse würden weiter zulegen, weil niemand den Börsenzug verpassen möchte. „Diese Phase wird noch kommen, beinhaltet aber auch das Ende der langen Hausse“, erwartet Hussy. Damit wäre bald eine Phase echter Euphorie erreicht. Die Folge: Mehr Bares fließt in die Aktienmärkte.

Aber, so gibt ein Frankfurter Händler zu bedenken: „Am Ende ständen wir wieder da, wo wir auch im Frühjahr 2000 waren. Das Geld für weitere Käufe fehlt, und die Kurse fallen.“

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