Alan Greenspan: Der Maestro, der die Welt regierte

Alan Greenspan
Der Maestro, der die Welt regierte

Alan Greenspan wird 90 Jahre alt. Das wirtschaftliche Erbe des legendären Ex-Chefs der US-Notenbank Fed ist umstritten – und hat bis heute Konsequenzen.

New YorkAlan Greenspan sieht nicht nur so aus wie Woody Allen. Er spielt – ebenso wie der berühmte Filmregisseur – auch ein Instrument. Greenspan hat zeitweise an der Juilliard School Saxofon studiert und zusammen mit Stan Getz musiziert, der als einer der bedeutendsten Saxofonisten der Welt galt. Später wurde Greenspan eher mit einem Dirigenten als einem Instrumentalisten verglichen: „Maestro“ hieß er zu seinen besten Zeiten wegen des großen Einflusses als Chef der US-Notenbank Fed.

Greenspan und Allen kommen beide aus jüdischen Familien, die aus Osteuropa in die USA eingewandert sind. Beide sind in New York geboren, und beide haben einen gewissen Hang zur Komik und Selbstironie. Greenspan etwa hat nach eigenem Bekunden seine kreativsten Stunden in der Badewanne. Damit sind die Ähnlichkeiten beinahe erschöpft. Abgesehen von einem Punkt: Von beiden Persönlichkeiten geht eine starke Magie aus. Doch während Allen allenfalls durch beißenden Spott Schaden anrichten kann, hat Greenspan mit seiner Magie die amerikanische Geschichte, ja sogar die Weltgeschichte, mitbestimmt. Bis heute ist umstritten, wie viel schwarze Magie dabei war.

Greenspan war wie Goethes Zauberlehrling: Er konnte die Entwicklungen, die er auslöste, nicht mehr kontrollieren. Der Mann, der am 6. März vor 90 Jahren geboren wurde, hat die Welt nach den Attacken vom 11. September 2001 vor dem wirtschaftlichen Kollaps gerettet, indem er sie mit Geld überschwemmte. Und er hat sie, wenn man seinen Kritikern glaubt, mit seiner leichtsinnigen Geldpolitik in den Jahren danach in den Abgrund der Finanzkrise gestürzt, die 2008 ihren Höhepunkt erreichte und bis heute wirtschaftliche und politische Folgen hat.

Anders als viele andere Verantwortliche räumte er auf dem Höhepunkt der Krise Fehler ein. „Diejenigen von uns, die auf das Eigeninteresse von Kreditgebern, ihre Aktionäre zu schützen, gesetzt haben, einschließlich meiner selbst, befinden sich in einem Zustand schockierten Unglaubens“, sagte er bei einer Anhörung vor dem Kongress. Gemessen an sonstigen Aussagen Greenspans war dieser gewundene Satz Klartext. Er, der ein Leben lang freie Märkte mit unregulierten Märkten verwechselt hatte, gestand seinen Irrtum ein.

Beim Blick zurück, auch von Greenspans Nachfolger Ben Bernanke, zeigt sich: Einigkeit herrscht darüber, dass die Fed die aufziehende Finanzkrise zu spät erkannt hat, und dass Mängel in der Aufsicht über die Banken eine verhängnisvolle Rolle gespielt haben. Umstritten ist dagegen, welche Rolle der Geldpolitik dabei zukommt. Nicht nur Greenspan, auch Bernanke streitet ab, dass sie wesentlich zur Entstehung der Krise beitrug. Kritiker der Fed, und die gibt es in der amerikanischen Politik reichlich, sehen in Greenspan dagegen heute den Übeltäter, der mit seiner Magie wunderbare Blasen erzeugt hat, die dann geplatzt sind – vor allem am Immobilienmarkt.

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