Albert Edwards
„Der Kurssturz wird verheerend sein“

Albert Edwards, Anlagestratege der Société Générale, ist für seine provokanten Thesen bekannt. Seine Prognose für 2011: Ein Depressionsszenario, das nicht nur die US-Aktien abstürzen lässt. Handelsblatt-Redakteur Ingo Narat sprach mit ihm über den Ausblick für die Märkte.
  • 17

Herr Edwards, wie beurteilen Sie die Reaktionen auf die jüngsten überraschend guten US-Daten?

Die Aktienkurse sprangen nach oben, die Anleihekurse sackten durch - richtig. Aber das war mehr technisch bedingt. Der US-Anleihemarkt war so stark überhitzt wie nie zuvor, wenn man die Panik im Jahr 2008 einmal außen vor lässt. Jede auch nur halbwegs gute Nachricht hätte die Aktienkurse nach oben und die Anleihekurse nach unten gebracht.

Und Ihre Perspektive?

Große "Bären" an den Märkten sagen: Ja, es kommt wie in Japan, Deflation ist das Thema. Ich sage: Es kommt in den USA noch schlimmer. Andere Länder werden sich vom wirtschaftlichen Sturzflug nicht abkoppeln können.

Was heißt das für die Märkte?

Es sind meine Prognosen für das nächste Jahr, die viele schockieren: US-Aktien fallen um 60 Prozent, ein S&P 500 auf 450 Punkte - derzeit liegt er bei 1 100. Einem Dax beispielsweise blüht das Gleiche, weil andere Märkte kein Eigenleben führen können. Meine Prognose wären hier 3 600 Zähler. Der wirtschaftliche Rückfall stützt natürlich die Anleihen auf ihrem Höhenflug. Die Rendite der zehnjährigen Treasuries rutscht dann im Extrem noch auf eineinhalb Prozent, die der deutschen Bundesanleihen sogar darunter.

Woher nehmen Sie diese Horror-Prognosen?

Die Anleihemärkte stellen sich ja schon auf mein Depressionsszenario ein. Sie reagieren meist recht schnell. Nur die Aktienmärkte sind noch blind auf beiden Augen.

Seite 1:

„Der Kurssturz wird verheerend sein“

Seite 2:

Kommentare zu " Albert Edwards: „Der Kurssturz wird verheerend sein“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist doch immer so, dass es 2 Seiten der Medaille gibt. Es ist immer einfacher über etwas positives zu sprechen alsüber etwas negatives. Andererseits muss sich doch jeder seleber im klaren sein ob er seine Aktien hält, kauft oder verkauft. Die Analysten, die positiv wie die negativ eingestellten, müssen ja auch ihre Daseinsberechtigung erbringen. Zumeist lagen sie dch sowieso immer falsch,egal was war. Ausserdem haben uns die banken mit ihren investmentbankern und auch die Analysten dazudie Wirtschaftskrise eingebrockt und uns davor auch nicht gewarnt.....!ich vertraue schon lange nicht mehr irgendwelchen "Orakeln", aber leider haben manche eben noch einen sehr grossen Enfluss, die dann auch Märkte zum schwanken bringen können. Es kommt wie es eben kommt und da kann es der Wirtschaft auch noch so gut gehen,äussere Einflüsse wie Krieg und Terroranschläge mit globaler Auswirkung lassen sich auch nicht vorhersagen, haben aber auch Auswirkungen auf die Kurse. >desweiteren leben wir in einer Zeit in der Veränderungen schneller passieren als noch vr 30 JAhren. Dann haben wir eben 2 Krisen in 10 Jahren, so what ?? Somit wird auch Edwards irgendwann mal Recht behalten, aber auch die Positiven - Das ist wie im normalen Leben auch, es gibt eben doch immer 2 Seiten bei einer Medaille bzw. dieWurst hat auch 2 Enden......;-)

  • TObiAS MOERSCHEN im Handelsblatt vom 08.08.2001

    DÜSSELDORF. bis vergangenen Freitag kannte kaum jemand außerhalb der Top-Finanzszene den briten Albert Edwards. Das änderte sich aber schlagartig durch einen einzigen Zeitungsbericht. Darin hieß es, der Chefstratege der investment- bank Dresdner Kleinwort Wasserstein prophezeie einen Kurssturz an den US-börsen um 20 Prozent für den gestrigen Dienstag.
    Fernsehsender und andere Zeitungen griffen die Meldung auf. Die Pressereferenten der Dresdner bank in London und Frankfurt schoben Überstunden, um die Gerüchte um ihren eigenwilligen Experten auch nur halbwegs zu entkräften. Denn nicht jeder Journalist machte sich die Mühe, die "Crash-Prognose" im Original zu lesen.
    Nun blieb der Kurssturz gestern aus. War also alles nur blinder Alarm? Mitnichten, meint der Untergangsprophet wider Willen. "ich habe gar keinen Crash für einen bestimmten Tag prophezeit, schon gar nicht mit Prozentangabe", betont Edwards. "Wir sagen, dass die Märkte sich in einer äußerst riskanten Phase befinden." Tatsächlich stehen in der viel zitierten Studie weder ein Datum noch die Höhe eines möglichen Kurssturzes.
    Stattdessen erläutert der 40-jährige Volkswirt kurz und knapp, warum er das hochgelobte Produktivitätswunder der USA für einen statistischen Fehler hält - und US-Aktien für hoffnungslos überbewertet. Kein Zweifel, Edwards mag klare Worte. "ich habe seit zehn Jahren keine Studie geschrieben, in der ,einerseits - andererseits stand", sagt der Leiter des globalen Anlage- und Aktienteams der investmenttochter der Dresdner bank nicht ohne Stolz.
    Auch stilistisch kontrastieren seine Analysen scharf mit der staubtrockenen Sprache anderer banker. So illustrierte der zweifache Familienvater Ende 1999 das groteske börsenfieber am beispiel seines Sohnes: Der Zehnjährige schnappe ihm morgens die Zeitung weg, um vor der Schule den Kursteil zu studieren, erzählte der Aktienguru.
    Edwards kam vor zwölf Jahren zur damals noch selbstständigen investment-bank Kleinwort benson. Zuvor hatte er bei der britischen Zentralbank und später im Londoner Fondsmanagement der bank of America gearbeitet. Obwohl erst die Dresdner bank und kürzlich die Allianz seine neuen Arbeitgeber wurden, änderte sich für Edwards wenig: Er teilt heute noch mit den gleichen Kollegen sein büro. Eine solche beständigkeit ist in der Londoner City sehr selten.
    Unter Edwards erlebte das globale Strategieteam der investment-bank große Erfolge, lag aber zuweilen auch kräftig daneben. So zählten die Experten zwar zu den wenigen, die vor dem Ende des High-Tech-booms warnten. Doch der Kassandraruf kam zu früh: Schon 1998 glaubte Edwards, die börsen würden dauerhaft einbrechen. Danach ging die New-Economy-Hausse aber erst richtig los. Ähnlich ging es dem Nostradamus der Aktienmärkte Mitte der 90er-Jahre mit der Asienkrise.
    "Unser Timing ist nicht immer glücklich, aber wir schlagen zumindest Alarm", rechtfertigt er seine Vorhersagen. Seine Studien stoßen oft auf Kritik. Einmal musste sein Arbeitgeber sogar eine Edwards-Analyse zurückziehen, weil sie die Regierung Malaysias verärgert hatte.
    bei seiner jüngsten börsenwarnung denkt der Stratege aber nicht an Rückzug. "Wir greifen niemanden persönlich an", betont Edwards, "und dass manche mit unserer klaren Sprache Probleme haben, damit kann ich leben." Viele Kunden schätzten seinen unkonventionellen Stil, auch wenn sie anderer Meinung seien. Edwards fährt zu Terminen in London gerne mit dem Motorrad. Oft nimmt er seinen Chef ian Hartwood mit, der die Volkswirtschafts- und Research-Abteilung leitet.
    Edwards jüngster Unkenruf ist Teil eines Gesamtkonzepts, das er "Eiszeit" (ice Age) nennt. im Kern warnt er, den Weltbörsen drohe nach dem heißen Jahrhundert-boom eine längere Kältephase mit sehr mageren Erträgen. Eine Ursache dafür sieht er im weltweiten Rückgang der inflation. "Dieser Trend war bislang positiv für die börsen", analysiert Edwards. "Aber künftig werden die negativen Aspekte der niedrigen inflationsrate durchschlagen."
    Solche Thesen halten viele branchenkollegen für abwegig, wenngleich einige Strategen bei Morgan Stanley und JP Morgan Chase zuletzt ähnlich argumentierten.
    Aber selbst wenn sie wollten, könnten sich nur wenige banker so klare Worte wie Edwards leisten. "Man muss schon sehr etabliert sein und bei einer bank arbeiten, die einem diesen Freiraum gibt", weiß der Chefstratege. Sonst sei der psychologische Druck zu groß, dem Gruppentrend zu folgen - und der sei nun einmal meist positiv.
    Damit ist alles gesagt!

  • Geduld, @vorredner, es kann nicht alles jetzt gleich passieren. Die aktienmärkte werden mit allen mitteln-in USA auch Manipulation durch den Staat - hochgepusht. im moment klammert sich die Wallstreet an einige weniger schlechte Nachrichten. bleiben die aus, und geht es in eine zweite rezession, kann die börse abwärtsgehen wie ein Stein, und die Prognosen werden sich erfüllen. Durch die ganze staatliche Manipuliererei hat sich das eben hingezogen.Aufgeschoben ist aber nun einmal nicht aufgehoben, wie schon das Sprichwort sagt. ich finde diese analyse zutreffend.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%