Allerdings gibt es auch Manager, die kaufen
Manager misstrauen den Kursen

Die Führungskräfte deutscher Aktiengesellschaften verkaufen verstärkt Anteile der eigenen Unternehmen und senden damit ein Warnsignal an die Märkte.

DÜSSELDORF. Die Aktienverkäufe führender Manager bei Daimler-Chrysler mögen zwar besonders spektakulär gewesen sein, aber sie waren kein Einzelfall. Statistiken belegen, dass Top-Manager in den Monaten Juli und August hier zu Lande und in den USA verstärkt Aktien verkauft haben. Marktstrategen werten dies als Zeichen, dass die Märkte in den nächsten Monaten eher stagnieren oder gar fallen. Denn den Führungskräften wird zugetraut, dass sie den echten Wert ihrer Firmenaktien besser kennen als Außenstehende. Entsprechend gelingt es ihnen in der Regel, mit dem richtigen Timing, der allgemeinen Marktentwicklung zuvorzukommen.

Nach von der Fondsverwaltung VHC ausgewerteten Daten der Finanzaufsicht BaFin kamen in Deutschland im August auf sieben Aktienkäufe von Managern zehn Verkäufe. Dem Volumen nach gerechnet, ist der Verkaufüberhang noch größer: Auf hundert durch Verkäufe erlöste Euro wurden nur zehn Euro für Käufe ausgegeben. Im Juni sah das noch ganz anders aus. Da hatten Unternehmensführer in Deutschland zweimal mehr für Käufe ausgegeben, als sie mit Verkäufen eingenommen hatten. Deutlich aussagekräftigere Daten aus den USA bestätigen den Trend. Auf Grund der weit verbreiteten Aktienoptionsprogramme als Teil des Gehalts ist es dort schon viel, wenn auf 100 durch Verkäufe erzielte Dollar mehr als fünf Dollar für Käufe kommen. Im April stand das Verhältnis noch bei sechs zu 100, im August wurden je 100 erlöste Dollar nur noch drei für Käufe ausgegeben.

Die Käufe und Verkäufe eigener Aktien durch Manager (Directors’ Dealings) sind für Fachleute ein wichtiges Indiz für die künftige Kursentwicklung einer Aktie, vielleicht sogar des gesamten Marktes. „Bei uns findet das durchaus Beachtung“, sagt Vermögensverwalter Michael Schneider von HSBC Trinkaus. Fondsverwalter Patrick Hable von 2iQ Research in Frankfurt sagt: „Manager sind nicht unbedingt die klügeren Investoren, aber sie haben firmenspezifische Informationen.“ Studien haben ergeben, dass Manager mit ihren Transaktionen eine um mehrere Prozentpunkte bessere Rendite erzielen als der Markt.

Zu den relevanten Transaktionen in Deutschland zählt Fondsmanager Volker Dietrich von der VHC-Gruppe auf jeden Fall die massiven Verkäufe bei Daimler-Chrysler. Sie deuteten darauf hin, dass die Aktie kaum noch Kurspotenzial habe. Bei Schwarz Pharma haben Mitglieder der Familie Schwarz Aktien im Wert von knapp 34 Millionen Euro verkauft. „Dort sind viele Forschungsprojekte in ihren klinischen Testphasen, es besteht die Gefahr von Rückschlägen“, sagt Dietrich. Auch beim Zulieferer Pfleiderer wurde kräftig verkauft. „Die Aktie ist in letzter Zeit sehr gut gelaufen, jetzt ist die Luft raus“, meint der Fondsmanager.

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