Allianz-Investmentchef Gruber
Wie ein Verwalter von 630 Milliarden Euro das Börsenbeben sieht

Als Chefinvestor beim Versicherungskonzern Allianz verantwortet Andreas Gruber ein riesiges Portfolio. Im Handelsblatt-Interview erklärt er, wie er auf die aus Asien herübergeschwappten Kursturbulenzen reagiert.
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Keine Krisensitzung, keine Krisenstimmung: Andreas Gruber, Chief Investment Officer der Allianz, lassen die Kapriolen an den Aktienmärkten kalt. Dabei hätte so manch anderer an seiner Stelle schlaflose Nächte. Gruber verwaltet rund 630 Milliarden Euro.

Seit vergangener Woche befinden sich die Märkte im Ausnahmezustand. Warum?

China war definitiv der Auslöser der heftigen Kursbewegung, auch wenn verschiedene Faktoren zusammenkamen. Dennoch sehe keine Parallele zu der globalen Finanzkrise vor einigen Jahren. Damals handelte es sich um eine Vertrauenskrise, eine Liquiditätskrise. Das ist heute anders. Vielmehr handelt es sich um eine gesunde Korrektur.
Wie meinen Sie das?
Nachdem die Kurse an den Aktienmärkten in den vergangenen drei Jahren stetig gestiegen sind, musste es zu einer Bereinigung kommen. Wir haben das erwartet. An den Börsen spielt der Herdentrieb eine wichtige Rolle. Durch ihn werden Kursbewegungen verzerrt, nach oben wie unten. Irgendwann verlieren die Märkte aber dadurch den fundamentalen Wert aus den Augen. Das war in China der Fall. In China haben sich die Kurse innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt, bei einem Wirtschaftswachstum von sieben Prozent. Warum sollen sich die Kurse verdoppeln? Das ist zu viel. Nun hat sich das normalisiert, das ist gesund.

Also war der Kurseinbruch nichts, was Sie erschreckt?
Ein derartiger Kurssturz kommt etwa alle fünf bis zehn Jahre vor. Das erschreckt mich keineswegs.
Wie geht es Ihrer Meinung nach weiter?
Wir werden in den kommenden Wochen weiter volatile Kurse sehen, wobei ich keinen weiteren Absturz erwarte. Der Fed-Termin im September könnte die Märkte noch einmal verunsichern, aber mit der aktuellen Bewegung wurde viel vorweggenommen. Dann dürften sich die Börsen wieder auf einem Niveau eingependelt haben, von dem es langfristig wieder aufwärts geht. Und das ist das Einzige, was für uns langfristig orientierte Investoren zählt: Der langfristige Trend.

Also haben Sie keine Konsequenzen aus den Entwicklungen an den Börsen gezogen?
Wir haben unsere Kapitalanlagen breit diversifiziert und langfristig angelegt. Deswegen müssen wir nun auch keine Konsequenzen aus dem ziehen, was derzeit an den Börsen passiert. Wir sind nicht gezwungen gewesen, hier Notverkäufe vorzunehmen – eher schauen wir nun nach Einstiegsmöglichkeiten. Uns sind derart kurze Schwankungen, so heftig sie auch sein mögen, relativ gleichgültig. Auch für unsere Kunden ergeben sich hieraus keine Auswirkungen. Da darf man sich nicht verrückt machen lassen. Einen solch langfristigen Horizont sollten im Übrigen auch Privatanleger haben.

Korrespondentin des Handelsblatts.
Kerstin Leitel
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Allianz-Investmentchef Gruber: Wie ein Verwalter von 630 Milliarden Euro das Börsenbeben sieht"

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  • Oder ne Million- bis Jahresende!!!!

  • Die Rohstoffpreise zeigen dass der Boom erst noch kommt.

    DAX Hundert Dausend :-)

  • 10000 sind noch iel zu hoch. Bisher war eine stabie immer weiter nach oben laufende Weltwirtschaft die Begündung für den Börsenboom. Schon da wurde gesagt 12000 seien deutlich zu hoch. Dann wird das korrigiert, dafür trübt sich die Weltwirtschaft richtig ein und 10000 sollen ein Boden für steigende Kurse sein? Klingt so als ob man sich alles so hindreht, wie man hofft, dass es sich entwickelt. Eine wirkliche Analyse sieht anders aus.

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