Alphabet Google stürzt Apple vom Börsenthron

Der Zweikampf um die Nummer eins an der Börse wird bald entschieden sein: Alphabet, Mutterkonzern von Google, dürfte längerfristig an die Spitze aufsteigen. Doch zwei andere US-Börsenstars sind schon in Lauerstellung.
Update: 13.05.2016 - 15:45 Uhr Kommentieren
Der Suchbegriff Alphabet auf einem Monitor mit der Suchmaschinen-Webseite von Google: Die Google-Mutter Alphabet wird wieder Apple als teuerstes Börsen-Unternehmen überholen. Quelle: dpa
Alphabet

Der Suchbegriff Alphabet auf einem Monitor mit der Suchmaschinen-Webseite von Google: Die Google-Mutter Alphabet wird wieder Apple als teuerstes Börsen-Unternehmen überholen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie schlechten Quartalszahlen von Apple von Ende April 2016 zeigen neben dem dramatischen Absturz der Aktie eine weitere Nebenwirkung: Der Titel als wertvollster Konzern weltweit ist dahin - und das vermutlich auch langfristig.

Innerhalb von zwei Wochen ist die Marktkapitalisierung von Apple um mehr als 100 Milliarden Dollar gesunken und liegt kurz nach dem Start der US-Börse bei 485,3 Milliarden Dollar. Und damit geringer als die 495 Milliarden Dollar von Alphabet, Mutterkonzern der Internetsuchmaschine Google.

Und die Aussichten für Apple, wieder an die Spitze zu kommen, sind nicht gerade rosig: Nur noch rund 51 Millionen iPhones, zehn Millionen weniger als im Vorjahresquartal, gingen zwischen Januar und Ende März über die Ladentheken, und üblicherweise wird sich am Trend im Jahresverlauf nicht viel ändern: Viele warten bereits auf das iPhone 7, den neuen Hoffnungsträger des Konzerns.

Doch dazu gibt es neue Hiobsbotschaften: Laut der Zeitung Nikkei Asian Review, haben Apples Zulieferer in Asien auch für das zweite Halbjahr deutlich geringere Komponentenbestellungen erhalten. Demnach weiten sich die Probleme bereits jetzt schon auf den Launch des neuen iPhone 7 aus.

Als Reaktion auf die schlechten Nachrichten fiel im gestrigen Handel die Apple-Aktie erstmals seit Mai 2014 zweitweise wieder unter die Marke von 90 Dollar und notiert heute kurz nach Börseneröffnung bei 91,27 Dollar. Noch im Mai des vergangenen Jahres notierte das Papier bei über 130 Euro. Ganz anders der Verlauf des Alphabet-Titels, der in den vergangenen zwölf Monaten 30 Prozent zulegen konnte.

Dieser Zweikampf um den Platz eins in Sachen wertvollstes Unternehmen ist spätestens seit dem 2. Februar 2016 voll entbrannt zwischen dem Internetkonzern und der Firma Unternehmen mit dem Apfel-Logo. Damals stürzte Alphabet zum Handelsauftakt in den USA mit einen Marktkapitalisierung von umgerechnet 491 Milliarden Euro Apple vom Thron, das damals nur auf einen ungefähr 485 Milliarden Euro kam. Erstmals war ein Konzern der teuerste der Welt, der keine haptischen Produkte herstellt. Doch Alphabet saß nur wenige Tage auf dem Börsenthron und wurde wieder von Apple abgelöst.

Ende des vergangenen Jahres war die Führungsrolle von Apple als Nummer eins weltweit noch unbestritten: Damals betrug die Marktkapitalisierung umgerechnet noch 549 Milliarden Euro – großer als die Wirtschaftskraft von Norwegen oder Schweden. Alphabet folgte Ende 2015 mit 474 Milliarden Euro auf Rang zwei, gefolgt von Microsoft mit 407 Milliarden. Das Trio war zusammen mit 1,4 Billionen Euro gut 300 Milliarden Euro mehr wert als die 30 größten Konzerne Deutschlands im Leitindex Dax.

Doch sollte Alphabet wieder zur Nummer eins aufsteigen, eine Garantie für eine mehrjährige Amtszeit auf dem Börsenthron gibt es nicht. Dafür gibt es zu viele Herausforderer. Der neue Star an der US-Börsen heißt Amazon, mit einer Marktkapitalisierung von rund 298 Milliarden Euro bereits auf Nummer acht der Rangliste. Die Aktie konnte in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 65 Prozent zulegen – deutlich mehr als die Alphabet-Titel mit einem Plus von etwas mehr als 30 Prozent.

Sollte die Entwicklung in ähnlichem Tempo weitergehen, wird auch Amazon bald in der Riege der Konzerne gehandelt, die 500 Milliarden Dollar oder mehr wert sind. Ein Analyst hat bereits ein Kursziel von 1.000 Dollar ausgerufen. Derzeit notiert das Papier bei etwas mehr als 700 Dollar. Das einzige Problem: Weil das Unternehmen von US-Milliardär Jeff Bezos bislang noch kaum Gewinne erwirtschaftet, ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit derzeit 528 extrem hoch.

Ein weiterer Herausforderer dürfte Facebook sein, mit einem Börsenwert von 303 Euro bereits auf Rang sieben der Liste. Die Aktie des stieg in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 50 Prozent, innerhalb von vier Jahren von 20 auf 100 Euro. Sollten diese Kurssteigerungen anhalten, ist das nur ein Frage der Zeit wann Facebook die Nummer eins ist.

Keine Chance auf einen Platz in höheren Sphären haben die deutschen Konzerne. Nur auf Rang 79 notiert SAP, mit 84,5 Milliarden Euro derzeit das größte deutsche Unternehmen nach Börsenwert. Knapp gefolgt von Siemens, 79,3 Milliarden Euro schwer. Unter den Top 100 sind nur noch zwei weitere deutsche Unternehmen zu finden: Bayer auf Rang 82 (79 Mrd. Euro) und Deutsche Telekom (72,4 Mrd. Euro).

Die 7 wertvollsten Unternehmen der letzten 20 Jahre
General Electric
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Mit der Glühlampe feierte General Electric in den 1880er Jahren seinen ersten großen Erfolg – rund 100 Jahre später war der Mischkonzern das wertvollste Unternehmen der Welt. 1996 besaß GE eine Marktkapitalisierung von rund 137 Milliarden US-Dollar. Im Jahr darauf waren es schon 223 Milliarden. Abgelöst wurde GE 1998 ebenfalls von einem Technologiekonzern.

Microsoft
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Mit einer Marktkapitalisierung von rund 272 Milliarden US-Dollar stieß Microsoft den damaligen Primus GE 1998 vom Thron. Mit dem Erfolg der Betriebssysteme Windows 95 und Windows 98 verbreitete sich die Software des Konzerns aus Redmond wie ein Lauffeuer: Office-Suiten, Webbrowser, Grafiksoftware auf Computern in aller Welt kamen in den 90er Jahren wie selbstverständlich aus dem Hause Microsoft. In den Jahren 2000 bis 2002 sowie ab 2003 übernahm GE zwar wieder die Spitze an der Liste der wertvollsten Konzerne der Welt – doch bis heute bleibt Microsoft unter den Top Ten.

Exxon Mobil
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Mit Öl und Gas schwang sich Exxon Mobil 2005 zum wertvollsten Konzern der Welt auf – bei einer Marktkapitalisierung von rund 372 Milliarden US-Dollar. Viele Jahre blieb Exxon an der Spitze, nur zeitweise unterbrochen von ...

PetroChina
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... dem chinesischen Konkurrenten PetroChina. Im vierten Quartal 2007 sowie vom zweiten Quartal 2009 bis zum zweiten Quartal 2010 lief der größte Ölkonzern Chinas Exxon den Rang ab (Marktkapitalisierung 2007: 724 Milliarden US-Dollar; 2009: 367 Milliarden US-Dollar). Auch diese Serie wurde zeitweise unterbrochen – für genau einen Tag. Denn am 28. Oktober 2008 ...

Volkswagen
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... schoss die Aktie von Volkswagen für eine kurze Zeit dramatisch in die Höhe. Damals steckten zahlreiche Spekulanten, insbesondere Hedgefonds, in einem sogenannten Short Squeeze: Sie hatten mit Leerverkäufen auf fallende Kurse der VW-Aktie gesetzt, bevor der Porsche-Vorstand bekanntgab, zusätzlich zu seiner Beteiligung an VW in Höhe von 42,6 Prozent weitere Anteile in Höhe von 31,5 Prozent über Optionen gesichert zu haben. Weil das Land Niedersachsen allerdings weitere 20 Prozent hielt, blieben weniger als 6 Prozent der VW-Aktie frei handelbar. Das Problem: Die Spekulanten hatten sich für ihre Leerverkäufe zwölf Prozent der Aktien geliehen – durch den Nachfrageüberhang war VW einen Tag lang der teuerste Konzern der Welt, mit zeitweisen Kursen von 1005 Euro pro Aktie.

Exxon Mobil
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Ab dem zweiten Quartal 2010 übernahm Exxon erneut die Spitze des Rankings von PetroChina. Bis Mitte 2011 blieb der Rohstoffkonzern (Marktkapitalisierung Q2/2011: 401 Milliarden US-Dollar) ungeschlagen – als im dritten Quartal erneut ein Technologie-Konzern zum wertvollsten Unternehmen der Welt wurde.

Apple
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Mit iPhones, iPads und iMacs überrollte der Apple-Gründer Steve Jobs die Technik-Welt und schuf nicht nur den wertvollsten Konzern, sondern auch die wertvollste Marke der Welt. Rund 354 Milliarden US-Dollar legten Investoren im dritten Quartal 2011 in Apple-Aktien an. Zwei Quartale (Q4/2011 und Q2/2013) gingen seither zwar noch an Exxon, insgesamt blieb Apple aber viele Jahre an der Spitze. Seinen Höchstwert erreichte das Unternehmen im ersten Quartal 2015 mit einer Marktkapitalisierung von 724,8 Milliarden Euro.

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