Alternative Geldanlage
Spekulieren mit schönen Dingen

Wein, Kunst und antike Bücher, auf der Jagd nach Rendite gehen Anleger immer neue Wege. Diese schönen Dinge als reine Spekulationsgüter zu sehen, wäre aber ein Fehler. Worauf Anleger beim Investment achten müssen.
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DüsseldorfAktien für die mutigen Anleger, die gerne eine ansprechende Rendite erzielen wollen. Derivate für die Spekulanten. Und das Sparkonto für Anleger mit schwachen Nerven, denen eine kleinere Rendite reicht. In der Vergangenheit gab es für jede Risikoneigung ein passendes Produkt – das zugleich noch eine akzeptable Rendite abwarf. Die Zentralbanken haben die Situation mit ihrem Anleihekaufprogrammen und den niedrigen Leitzinsen jedoch für deutliche Verwerfungen gesorgt.

„Sichere“ Anlageformen wie Festgeld und Staatsanleihen sind wegen der niedrigen Verzinsung nicht mehr rentabel und führen teils sogar zu einem Realverlust. Die Anleger müssen sich andere Möglichkeiten suchen ihr Geld zu investieren und das ist meist mit einem erhöhten Risiko verbunden. Aktien und Immobilien scheinen naheliegend, doch das billige Geld der Zentralbanken flutet auch eher ungewöhnliche Märkte. Der unbändige Drang nach Rendite lässt Anleger mit den schönen Dingen des Lebens – Kunst, Wein und alte Bücher – spekulieren. Bekommt die Geldanlage eine romantische Seite?

Die weltweit größten Auktionshäuser Sotheby's und Christie's erfreuten sich 2014 an neuen Rekordverkäufen bei Kunstauktionen. Christie's, der größte Kunsthändler weltweit, konnte seine Verkäufe im Vergleich zu 2013 um zwölf Prozent steigern. Das Auktionshaus verkaufte im vergangenen Jahr Kunst im Wert von 7,7 Milliarden Dollar. Die großen Versteigerer melden zudem 30 Prozent Neukunden bei Kunstauktionen. Der Markt erlebt aktuell einen Boom.

Der Kunstinformationsdienst Artprice vermeldete außerdem ein Rekordhoch für den gesamten Kunstmarkt. Der Umsatz lag 2014 bei 15,2 Milliarden Dollar und stieg damit im Vergleich zu 2013 um 26 Prozent, wie aus dem Jahresbericht von Artprice hervorgeht.

Auch Robert Ketterer, Geschäftsführer des Auktionshauses Ketterer in München, sieht einen Zuwachs bei den Käufern. „Es gibt mehr Interessenten, die wegen der günstigen Finanzierung auch bereit sind, einen viel höheren Betrag für ein Kunstwerk auszugeben als sie das vielleicht bei höheren Zinsen wären“, sagt er. Die niedrigen Zinsen und die Suche der Anleger nach Alternativen befeuert diesen neuen Zulauf. „Man merkt, dass das Geld flüssig ist“, erklärt Ketterer gegenüber Handelsblatt Online.

Die Käufer geben besonders viel Geld für Gemälde aus der Nachkriegszeit und Moderne aus. Für einige Künstler bezahlen die Teilnehmer auf Auktionen mehrere Millionen Euro. Der Experte rät jedoch davon ab, bei Gemälden auf einen gewaltigen Wertzuwachs zu spekulieren. Kunst als reines Spekulationsobjekt zu begreifen, hält er für falsch. „Das würde ich niemandem empfehlen. Wer spekulieren will, soll an die Börse gehen“, meint Ketterer.

Am Kunstmarkt sei es „extrem schwierig, gute Margen zu erzielen.“ Beim Börsenhandel ist gerade „das Verkaufen viel leichter“, erklärt der Experte. Anlegern, die in Kunst investieren wollen, rät er, „sich sachkundige Berater an die Seite zu holen.“ Die Risiken bei einer Kunstinvestition lägen insbesondere in der „Echtheit“ der Gemälde. Auch in seinem Auktionshaus würden die Stücke im Vorhinein „gründlich geprüft.“

Eine hundertprozentige Sicherheit, dass man keine Fälschung ersteigert hat, gibt es nicht. Dank gründlicher Prüfungen kann Ketterer die Zahl der jährlichen „Rückabwicklungen“ nach eigener Aussage „leicht an einer Hand abzählen“. Trotz des neuen Hypes am Markt bleibt Ketterer bei der Überzeugung: „Kunst muss gefallen, die Leidenschaft des Käufers ist entscheidend, sollte dabei noch eine positive Wertentwicklung herausspringen, ist das ein positiver Nebeneffekt“, sagt er.

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