American Express Fonds zieht massiv Kapital an
Anleger parken ihr Geld in Schwellenländern

Die besten Euro-Geldmarktfonds können für die vergangenen zwölf Monate gerade mal halb so viel Ertrag vorweisen. Mit einem Geldmarkt nahen Fonds spezieller Art hat Fondsmanager Charles Cassel diese Spitzenrendite von 6,7 % erzielt. Seine Strategie im Global Emerging Market Liquidity Fund: Er kauft Emerging-Market-Anleihen in US- Dollar mit extrem kurzer Restlaufzeit von durchschnittlich höchstens einem Jahr, was den Fonds in die Kategorie geldmarktnah eingruppiert. Das US-Dollar-Währungsrisiko sichert Cassel voll gegen Euro ab.

FRANKFURT/M. Bis zu einem Viertel des Fondsvermögens von aktuell 337 Mill. € kann Cassel in Firmenbonds anlegen, den Rest muss er in Staatsanleihen und in Bankzinspapiere investieren. Regional betrachtet steckt über die Hälfte des Fondskapitals in Mittel- und Lateinamerika. Die größten Positionen sind derzeit Brasilien-Bonds mit rund 16 % des Vermögens, Russland- Anleihen mit 13 % und Mexiko mit 12 %. Die durchschnittliche Bonität der Anleihen ist mit „B1“ bzw. „B+“ sehr spekulativ.

„Den Renditeaufschlag gibt es nicht umsonst“, urteilt denn auch Wolfgang Kaiser, Analyst bei Fondsconsult. Investoren müssten wissen, dass sie hier keine harten Emittenten ins Depot bekämen. „Anleger gehen das Risiko ein, über Nacht Geld verlieren zu können“, bestätigt Dietmar Herbach, Direktor Fondsanalyse beim Researchhaus Feri Trust. Er hält für den Fonds ein Verlustrisiko von rund 3 % für jederzeit möglich.

Im „Vermeiden von Explosionen“ sieht Fondsmanager Cassel denn auch den Schlüssel zum Erfolg. Dafür hält er sich fern von Indizes, deren Gewichtung nach Marktkapitalisierung zunimmt. Cassel versucht, Firmen und Bonitäten gut zu analysieren. Bisher zeigt sich der Amerikaner aus Miami mit seiner Arbeit zufrieden: Sein Renditeziel auf Basis des britischen Geldmarktsatzes Libor plus 1,2 bis 2,5 % habe er seit Auflegung des Fonds im April 2002 mit durchschnittlichen Libor plus 3 % übererfüllt.

Wegen der Schwellenländer-Ausrichtung liegt die Volatilität des Fonds von 1,3 % allerdings deutlich über der von Euro-Geldmarktfonds zwischen 0,1 und 0,4 %. Diese Ausrichtung macht den Fonds in Deutschland auch konkurrenzlos. Die Gefahr, dass sich im Fonds Klumpenrisiken bilden, hält Cassel jedoch für gering. Denn die Abhängigkeit der Schwellenländer-Märkte voneinander habe seit Ende der 90er Jahre stark abgenommen. „Inzwischen erleben wir einzelne Länder-Stories“, meint Cassel. Daher reiche eine Streuung über gut 15 Länder aus. „An den Finanzmärkten weiß man inzwischen zu unterscheiden“, bestätigt Kaiser und verweist auf die Argentinien- Krise 2001/2002, von der die Nachbarländer weitestgehend verschont blieben. Im übrigen seien die Fondsmanager von Standard Asset Management „bekannt für ihre Expertise in den Emerging Market“, meint Kaiser. American Express hat das Fondsmanagement an die Tochter der südafrikanischen Standard Bank ausgelagert. „Wenn es jemand kann, dann die“, sagt Kaiser. Gleichwohl müsse der junge Fonds noch beweisen, dass er langfristig gute Renditen bringe.

Für wen ist diese Art Geld zu parken geeignet? Erstens als Beimischung für erfahrene Privatanleger, die sich über die Risiken des Fonds bewusst sind und die geringe Verbundenheit mit den Anleihe- und Aktienmärkten zur Diversifizierung nutzen wollen. Zweitens für professionelle Anleger wie Dachfondsmanager, die sich dieses Nischenprodukt zur aktiven kurzfristigen Steuerung kaufen. „Der Fonds ist interessant in Phasen steigender Zinsen“, sagt Feri-Mann Herbach. Seit der Zinswende Mitte Juni haben professionelle wie private Investoren denn auch beachtliche 160 Mill. € in den Fonds gesteckt.

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