Analyse
Schuldenkrise lastet auf Europas Aktien

Während Dax und Dow Jones sich seit der Finanzkrise fast verdoppelt haben, kommt der Euro Stoxx nicht in Fahrt - obwohl die meisten Unternehmen niedrig bewertet sind. Welche Branchen Experten zum Kauf empfehlen.
  • 0

DüsseldorfDer kräftige Wirtschaftsaufschwung, explodierende Firmengewinne und die größere Risikolust der Anleger bescheren der Börse seit ihrem Tief im Frühjahr 2009 einen Boom. Deutschlands Leitindex Dax und Amerikas Pendant Dow Jones haben sich glatt verdoppelt. Demgegenüber schafften Europas 50 wichtigste Unternehmen im Euro Stoxx gerade mal 60 Prozent. Die Schuldenkrise schreckt viele Anleger ab, obwohl die Firmengewinne in Gesamteuropa ebenfalls boomen.

Ergebnis ist, dass die Aktien im Euro Stoxx 50 extrem billig erscheinen: Durchschnittlich bezahlen Anleger die Anteilsscheine der Firmen nur mit dem 9,5-Fachen des für 2011 erwarteten Jahresgewinns. Der langfristige Durchschnitt liegt bei einem Faktor von 13. Die 30 Dax-Unternehmen kosten immerhin den elffachen Jahresgewinn.

Viele Anleger rechnen damit, dass die Staaten die Steuern erhöhen

Einzelne Firmen und Banken kosten noch weit weniger. Für den französischen Ölmulti Total bezahlen Investoren derzeit 38 Euro pro Aktie. Damit ist das Unternehmen 90 Milliarden Euro an der Börse wert. So viel verdient die Gesellschaft in 6,8 Jahren – wenn man den diesjährigen Nettogewinn als Maßstab nimmt. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt demnach bei 6,8.

Spaniens Telefónica, weltweit eine der profitabelsten Telekomgesellschaften, gibt es derzeit mit einem KGV von neun ebenfalls preisgünstig. Am niedrigsten sind Bankaktien bewertet. Für sie zahlen Anleger nur knapp den achtfachen Jahresgewinn.

Europas niedrige Bewertung spiegelt ein tiefes Misstrauen der Investoren gegenüber der Euro-Zone, ihren Banken und Unternehmen wider. Noch günstiger gab es die Firmen nur auf dem Höhepunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise zur Jahreswende 2008/09 zu kaufen. Damals stießen Kleinanleger und milliardenschwere Fonds Aktien ab, weil sie dringend Liquidität brauchten und den Zusammenbruch des Finanzsystems fürchteten.

Auslöser für die erneute Skepsis sind neben der drohenden Staatspleite in Griechenland wachsende Konjunkturzweifel. Viele Staaten dürften angesichts ihrer enormen Schulden die Steuern erhöhen und weniger investieren – das belastet die Unternehmen. Viele Banken müssen als Folge der Finanzkrise ihr Eigenkapital erhöhen. Obendrein drohen Abschreibungen aus Griechenland-Anleihen.

Bislang kommen diese Krisensymptome bei den Konzernen nicht an. Sie steigern ihre Gewinne kräftig. Aber: Analysten hegen Zweifel an einer Fortsetzung dieser Erfolgsstory. Angesichts sich eintrübender Konjunkturerwartungen haben die Experten seit Jahresbeginn ihre Gewinnprognosen für 2011 im Durchschnitt um 0,3 Prozent gesenkt.

Kommentare zu " Analyse: Schuldenkrise lastet auf Europas Aktien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%