Analysten erwarten Preise von mehr als 400 Dollar je Unze – Allerdings gibt es bereits erste Überhitzungsanzeichen
Anleger spekulieren auf Gold-Hausse

Die Goldanleger haben gestern neue Kaufargumente bekommen. Das renommierte Londoner Analysehaus Gold Fields Mineral Services (GFMS) prognostizierte in seiner Halbjahresanalyse einen Preisanstieg auf über 400 Dollar je Feinunze (31,1035 Gramm).

DÜSSELDORF/LONDON. Gestern notierte Gold bei knapp 375 Dollar. Allerdings setzten derzeit viele Investoren über Terminkontrakte auf eine Gold-Hausse. Dies könnte bei einem Drehen des Marktes zu einem Preisrutsch führen, weil diese Kontrakte dann rasch aufgelöst werden dürften. „Die Aussichten dafür, dass der Preis noch vor Jahresschluss die 400-Dollar-Marke erreicht und kurz überschreitet“, sind nach Einschätzung von GFMS-Chef Philip Klapwijk gut. Das Vertrauen in die Aktienmärkte sei weiterhin eher gering, der Dollar strebe wohl weiter abwärts, und für eine Beruhigung der politischen Lage lägen keinerlei Anzeichen vor.

Das Edelmetall ist bereits seit einigen Wochen wieder verstärkt im Blickfeld der Anleger. Hauptgründe für die höheren Goldnotierungen in diesem Jahr waren vor allem die Zweifel an der Wertbeständigkeit des Dollars, die wachsende Sorge über die weltpolitische Lage und die Enttäuschung vieler Anleger an den Aktienbörsen. In der Spitze stieg der Goldpreis – trotz anziehender Aktienkurse – auf deutlich über 380 Dollar je Unze. Er entfernte sich damit weiter vom 22-Jahrestief bei 250 Dollar im ersten Quartal 2001.

GFMS zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass die Goldnachfrage durch Investments noch zunehmen wird. Um Preise von 390 Dollar oder mehr zu erreichen, muss laut Klapwijk das „bestehende Potenzial ausgeschöpft werden“. Insgesamt sagt GFMS im „Gold Survey 2003 Update 1“ für das zweite Halbjahr 2003 gegenüber dem Vorjahr eine 40-prozentige Zunahme der Goldanlage auf 280 Tonnen (t) voraus. Dies seien sogar 60 t mehr, als die Goldproduzenten durch die vorzeitige Auflösung von Terminkontrakten (Dehedging), sprich durch den Rückkauf von Gold, nachfragen würden.

Sorgen bereitet indes die hohe Zahl an Terminkontrakten an der New Yorker Metallhandelsbörse Comex, mit der Investoren auf eine Gold-Hausse setzen. Die Zahl hat vor kurzem den höchsten Stand seit 20 Jahren erreicht. Michael Jalonen von Merrill Lynch hält den Markt derzeit für überhitzt. Immerhin entspreche das Volumen der auf Hausse setzenden Kontrakte an der Comex per Saldo etwa 365 t Gold. Dies seien fast 10 % des Weltbedarfs. Auch Markus Mezger, Gold-Experte der BW Bank, wertet die hohe Kontraktzahl als „sehr negatives Vorzeichen“. Seiner Ansicht nach stecken hinter den jüngsten Preissteigerungen vor allem „kurzfristige, spekulative Interessen“. Er rät daher Anlegern, „in den nächsten Wochen und Monaten eher vorsichtig bei Gold zu sein“.

Und selbst der insgesamt optimistische Klapwijk mahnt die Haussiers an der Comex zur Vorsicht. Bevor die 400-Dollar-Marke erreicht werde, sollten sich die Anleger auf einen vorübergehenden Preisrückgang einstellen, wenn ein Teil der Long-Kontrakte liquidiert werde.

Mezger begründet seine Vorsicht zudem mit dem Dehedging der Produzenten, das vor allem im ersten Halbjahr die Nachfrageseite gestärkt hatte. „Das Tempo geht aus dieser Bewegung heraus“, sagt Mezger. Schon in der zweiten Jahreshälfte werde dadurch ein Teil der Nachfrage wegfallen. Und noch sei unklar, wie diese Lücke geschlossen werden könne. In den nächsten Monaten sieht der BW-Experte daher einen Rückgang des Goldpreises auf 330 bis 340 Dollar. Auf längere Sicht ist er aber ebenfalls optimistisch für das Edelmetall, sobald das Motiv für den Kauf heiße: Gold als Inflationsschutz. Bisher sprächen aber die Inflationsraten eben noch nicht dafür.

Merrill-Spezialist Jalonen hat überdies eine saisonale Regelmäßigkeit beim Goldpreis festgestellt: Praktisch seit 1989 sei der Preis ab Mitte Juli regelmäßig um etwa 9 % bis 10 % gestiegen und in der Regel spät im November wieder um knapp 7 % gesunken. „Die Geschichte wird sich auch in diesem Jahr wiederholen“, sagt Jalonen. Er prognostiziert einen Preisrückgang auf 350 bis 360 Dollar.

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