Analysten erwarten schwache Zahlen von Nordex und Repower
Windkraft-Aktien stehen vor harter Zeit

Die Zeichen in der Windkraftindustrie stehen auf Sturm. Die Auftragslage der Unternehmen ist mäßig, die Ergebnisse sind schlecht. Das werden die Quartalsberichte von Nordex und Repower aller Voraussicht nach unterstreichen. Und jetzt droht der Branche auch noch Ungemach aus der Politik.

DÜSSELDORF. Ausgerechnet in der rot-grünen Bundesregierung, die sich die Förderung alternativer Energien auf die Fahnen geschrieben hat, wird die Windkraft zum Zankapfel: Während der grüne Umweltminister Jürgen Trittin einen weiteren Ausbau der staatlichen Förderung der Windkraft fordert, machte sich sein Kollege im Wirtschaftsressort, Wolfgang Clement, zuletzt öffentlich Gedanken über die Effizienz der Förderung: „Wir bauen mittlerweile dort, wo es gar keinen Wind gibt“, sagte Clement.

Die Windkraftbranche, die stark von der öffentlichen Förderungen abhängt, würde ein Umdenken in der Politik hart treffen. Schon jetzt leiden die Unternehmen darunter, dass sich der Boom der letzten Jahre in Deutschland, ins Gegenteil zu verkehren droht. „Der deutsche Markt zeigt deutliche Bremsspuren“, sagt Patrick Hummel, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Im ersten Halbjahr sei die Zahl der neu installierten Turbinen im Vergleich zum Vorjahr um 23 % gesunken und auch die Jahre 2004 und 2005 dürften seiner Ansicht nach schwach bleiben.

Der große Hoffnungsträger der Branche sind Offshore-Windparks 30 Kilometer vor den Küsten. Diese dürfte aber erst langfristig für steigende Erträge sorgen – wenn überhaupt: „Ob Offshore wirklich der erhoffte Wachstumstreiber sein wird, bleibt abzuwarten. Inzwischen werden die Chancen doch etwas verhaltener gesehen“, sagt Frank Laser, Analyst bei der Berenberg Bank. Immerhin enthalte der aktuelle Entwurf zur Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) positive Impulse für Windkraft aus dem Meer, da er bis 2010 eine hohe Anlaufvergütung garantiere, gibt sich LBBW- Analyst Hummel etwas optimistischer. Vor 2005 sei aber nicht mit ersten Projekten zu rechnen. Und das Massengeschäft im Offshore-Bereich werde frühestens in fünf Jahren anlaufen, erwartet er.

Anleger, die auf Windkraftaktien gesetzt haben, müssen also bis auf weiteres eine Fortsetzung der Flaute befürchten. Dass das Interesse der Investoren ohnehin stark rückläufig ist, zeigt der Kurs des Turbinenherstellers Nordex. Binnen eines Jahres stürzte die Aktie von 4,55 Euro bis unter einen Euro. Auch die Zahlen für das dritte Quartal dürften dem Kurs kaum Auftrieb geben, da das Unternehmen bereits vor zwei Wochen seine Umsatz- und Ergebnisprognosen für das Gesamtjahr zum wiederholten Male nach unten revidiert hat und deutliche Verluste erwartet. Zudem verschob das Unternehmen gestern Abend die Bekanntgabe der Quartalszahlen kurzfristig auf den 5. September. „Die Zahlen werden erneut schwach sein“, sagt Berenberg-Analyst Laser, der Nordex mit „Verkaufen“ bewertet. Das Unternehmen leide unter der Schwäche des deutschen Marktes und einer verfehlten Politik des alten Vorstandes. Dieser sei zwar inzwischen abgelöst worden, bis der neue Vorstand aber das Vertrauen der Anleger zurück gewonnen habe, werde noch einige Zeit vergehen, so Laser: „Das kommende Jahr wird für Nordex der Wendepunkt sein, an dem sich entscheidet, wo es mit dem Unternehmen hingeht.“

Etwas besser geht es der Hamburger Repower Systems AG, die heute Quartalszahlen vorlegt. Immerhin ist das Unternehmen, das erst im März 2002 an die Börse ging, nach dem Ausschluss von Nordex und Plambeck als einziger Windkraft- Anbieter noch im TecDax vertreten. „Repower wird sich von der schwachen Tendenz am deutschen Markt aber nicht abkoppeln können“, schätzt Patrick Hummel, der die Aktie mit „Halten“ bewertet. Dass der Vorstand an der prognostizierten Gesamtleistung von 330 Mill. Euro im Jahr 2003 festhalten wird, gilt im Markt als unwahrscheinlich. Auch der Verlust dürfte im ersten Halbjahr gestiegen sein.

Noch härter als für die Turbinenhersteller dürften die kommenden Jahre für Windpark-Projektierer wie Plambeck oder Energiekontor werden, erwartet Hummel. „Die Unternehmen sind allesamt sehr abhängig vom deutschen Markt. Die Dichte an Windparks ist hier allerdings schon sehr hoch und der Platz für neue Parks begrenzt.“ Vor diesem Hintergrund seien die Aktien der Windpark-Entwickler kaum empfehlenswert.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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