Analysten loben Umbau der Catering-Tochter
Lufthansa schneidet bei Experten gut ab

„Die Krise in der globalen Luftfahrtindustrie ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel“. Giovanni Bisignani, Generaldirektor und Chief Executive Officer (CEO) der International Air Transport Association (Iata), des Interessenverbands von über 270 Fluggesellschaften aus 140 Ländern, lässt keinen Zweifel an seiner skeptischen Haltung.

HB DÜSSELDORF. Der bibelfeste Flugmanager spricht von den vier apokalyptischen Reitern, die nach dem 11. September 2001 über die globale Luftfahrt hinwegfegten: die Wirtschaftskrise aufgrund andauernder Terrorangst, der Ausbruch der Lungenkrankheit Sars in Asien, der Irak-Krieg und die steil gestiegenen Kerosinpreise aufgrund der Ölkrise.

Entsprechend zurückhaltend sind die Experten mit Empfehlungen. Dabei schneidet die Lufthansa noch relativ günstig ab. Sie wird von 21 Analysten mit „Kaufen“ eingestuft. Christian Götz, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, hat das Papier mit folgender Begründung auf seine Empfehlungsliste gesetzt: „Die Restrukturierung der Catering-Tochter sollte 2005 positiv auf die Zahlen durchschlagen“.

Ansonsten spricht allenfalls die günstige Bewertung für die Flugaktien. „Langfristig sollte sich eine Investition auszahlen“, sagt Pia Hellbach, Fondsmanagerin bei Union Investment, zumal die meisten Rohstoff-Experten erwarteten, dass der Ölpreis kaum weiter steigen wird. Doch bislang ist das noch Zukunftsmusik. Anleger, die auf Papiere von Fluggesellschaften setzten, hatten kaum Grund zur Freude. Die Titel fast aller großen europäischen Luftfahrtkonzerne verbuchten in den vergangenen Monaten kräftige Kursverluste. In der vergangenen Woche traf es die Aktie von Austrian Airlines. Dabei zählte die Gesellschaft dank der Konzentration auf Osteuropa lange Zeit zu den Favoriten der Analysten. Das Unternehmen reduzierte die Gewinnerwartung für 2004 von 50 auf zehn Millionen Euro. Folge: Die Aktie verlor binnen weniger Stunden fast zehn Prozent an Wert.

Gründe für die Misere gibt es reichlich. Seit Jahren kämpfen die „traditionellen“ Fluggesellschaften mit Überkapazitäten. Das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell des permanenten Wachstums funktioniert nicht mehr. Zudem können die außergewöhnlich hohen Fixkosten – teure Flugzeuge, teure Infrastruktur, teure Spezialisten – nur bedingt und schon gar nicht schnell abgebaut werden. Der Siegeszug der preisaggressiven Billigflieger verschärft die langfristige Strukturkrise der Luftverkehrsmärkte zusätzlich. Zwar haben sich in diesem Jahr die internationalen Luftverkehrsmärkte dynamisch erholt. Doch schwebt über der Branche weiter die Gefahr des permanenten Preisdrucks. Denn aus Sorge, Marktanteile zu verlieren, lassen die etablierten Fluglinien keine größere Disziplin in ihrer Kapazitätspolitik erkennen. Nicht zuletzt bleibt auch deshalb die Marktbereinigung aus, weil viele Regierungen ihre Fluggesellschaften, Ikonen des Nationalstolzes, vor der Pleite schützen.

Optimistische Experten wie Fondsmanagerin Hellbach empfehlen vor allem Fluglinien mit einem starken interkontinentalen Netz. „Die leiden nicht so stark unter dem Preiskampf in Europa“, urteilt Hellbach. Sie sieht vor allem in der Aktie der British Airways noch Luft. Die Briten zeichneten sich durch ihre starke Position im Nordamerika-Verkehr und durch eine gute Kostenkontrolle aus. Laut Bloomberg empfehlen elf von 19 Experten den Titel zum Kauf.

Mittlerweile wird auch die ausstehende Konsolidierung der Branche gelassener gesehen. Zwar bereitet eine mögliche Übernahme der Swiss durch die Lufthansa den Experten weiterhin Sorgen. Doch nachdem die Air France-KLM Group, Europas größte Fluggesellschaft, in der vergangenen Woche das erste konsolidierte positive (Halbjahres)Ergebnis vorgelegt hat, schwindet zumindest bei einigen Analysten der Argwohn, mit dem sie bislang die Fusion betrachtet haben. Vor allem die realisierten Kosteneinsparungen hätten positiv überrascht, erklärt Emmanuel Soupre, Fondsmanager bei Neuflize Gestion in Paris. Sogar bei Billigfliegern, deren Kurse nach den Gewinnwarnungen im Frühjahr besonders stark einbrachen, sehen die Experten wieder Potenzial. „Die Lage hat sich beruhigt“, glaubt Hellbach, auch wenn die ersten Billifliger aufgegeben haben.

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