Analysten rechnen mit hohen Ausgabepreisen
Biokraftstoffe ziehen Anleger magisch an

Das Nachfrage der Investoren ist groß, auch wenn vor vornherein klar ist, dass die Aktien keine Schnäppchen werden: Mit Crop Energies, Verbio und der österreichischen BDI Biodiesel drängen in den nächsten Wochen gleich drei Unternehmen aus dem Bereich Biokraftstoffe ins Premium-Segment der Deutschen Börse, den Prime Standard.

FRANKFURT. „Die Branche bietet mehr Potenzial als der Solarbereich. Das schlägt sich sicher in den Preisen für die Aktien nieder“, sagt Stefan Gratzer, der bei Lehman Brothers für das Geschäft mit Börsengängen verantwortlich ist.

Die Angebotsspanne ist bisher nur für die Aktie von BDI Biodiesel bekannt. Zu Preisen zwischen 53 und 62 Euro können Anleger diese noch bis Freitag zeichnen. Erstnotiz ist am kommenden Montag. Bei maximal 89 Mill. Euro liegt damit der Emissionserlös, knapp 50 Mill. Euro davon könnten dem Unternehmen direkt zufließen. Im vorbörslichen Handel wurden die Papiere gestern beim Wertpapierhändler Schnigge bereits zwischen 60 und 64 Euro gehandelt.

Dass die Emission, die vom Bankhaus Sal. Oppenheim angeführt wird, ein Erfolg wird, bezweifelt niemand. Von den drei nun anstehenden Börsenkandidaten ist BDI der einzige Anlagenbauer. Crop Energies und Verbio stellen vor allem Kraftstoffe her. „Die BDI-Aktie schwimmt im Sog von Schmack Biogas“, hieß es gestern in Finanzkreisen. Der Biogas-Anlagenbauer aus der Oberpfalz hatte in Frühjahr trotz eines relativ hohen Ausgabepreises einen sehr guten Börsenstart erwischt. Die im Mai zu 31 Euro ausgegebene Aktie notierte gestern bei 37,50 Euro.

Auf die Preisspannen von Crop Energies und Verbio werden die Anleger noch ein bisschen warten müssen. Die Südzucker-Tochter Crop gab gestern lediglich bekannt, dass dem Unternehmen aus dem Börsengang mindestens 200 Mill. Euro zufließen sollen. Die Analysten der Konsortialbank Citigroup hatten jedoch bereits in ihrer Studie zum Börsengang geschrieben, dass sie einen Erlös von 250 Mill. Euro für das Unternehmen erwarten.

Der Emissionserlös soll direkt in den Ausbau der Kapazitäten gesteckt werden. Von aktuell 260 000 Kubikmeter soll der Ausstoß an Bioethanol bis zum Geschäftsjahr 2008/2009 auf über 750 000 Kubikmeter gesteigert werden. Dass die Aktie ebenfalls alles andere als günstig werden wird, zeigen die Bewertungen in Analystenstudien. Die Citigroup-Experten sehen den Unternehmenswert von Crop Energies bei 758 Mill. Euro. Die Analysten von Konsortialführer Deutsche Bank halten sogar eine Bewertung von fast 1,2 Mrd. Euro für angebracht, sofern der Erlös aus dem Börsengang einbezogen wird.

Dem gegenüber stehen die Planzahlen für das laufende Jahr. Hier rechnen die Analystinnen Iris Schäfer und Silke Stegemann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) mit einem Umsatz von 135 Mill. Euro und einen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von zehn Mill. Euro. Drei Jahre später, im Geschäftsjahr 2009/2010, soll der Umsatz bei 586 Mill. Euro und das Ebit bei 122 Mill. Euro liegen.

Mit Wachstumsraten in ähnlicher Höhe rechnen Finanzinvestoren ebenfalls bei Verbio, auch wenn es noch keine Analystenstudien gibt. Das Unternehmen hat neben Bioethanol auch hohe Produktionskapazitäten bei Biodiesel. Viele Investoren räumen diesem Bereich größere Chancen ein als dem Ethanol-Geschäft. Der Grund: Deutschland erlebte in den vergangenen Jahren einen Diesel-Boom. Bei Benzin, dem künftig von gesetzlicher Seite Bioethanol beigemischt werden muss, gibt es jedoch nach wie vor Überkapazitäten.

Neuer Trend

Ausgangslage: Durch den weltweit immensen Energiebedarf sind die Preise von Öl und Gas in den letzten Jahren stark gestiegen. Viele Verbraucher registrieren gerade, dass „Öl wohl nie wieder billig sein wird“.

Neuorientierung: Wegen der hohen Energiepreise hat die Suche nach alternativen Energien einen zusätzlichen Schub bekommen. Die Verbraucher suchen nach günstigeren Energiequellen. Zudem werden Projekte gesetzlich gefördert; so sind etwa 5,75 Prozent Biokraftstoff bis zum Jahr 2010 dem herkömmlichen Sprit beizumischen.

Börsenphantasie: Viele Unternehmen der Branche gelten inzwischen als börsenreif und versprechen Kursgewinne.

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