Analysten sagen für 2005 Kurseinbußen an der Tokioter Börse voraus – Langfristige Perspektiven sind aber gut
Die Zeit des schnellen Yens geht zu Ende

Nach den Oberhauswahlen in Japan haben die Börsianer in Tokio gestern erst einmal aufgeatmet. Der Nikkei-Index der 225 wichtigsten Werte stieg um 1,4 Prozent auf 11 582 Punkte. Investoren zeigten sich erleichtert, dass die Partei von Ministerpräsident Junichiro Koizumi weniger einbüßte als befürchtet und die Reformen vorantreiben will. „Ein kurzfristiger politischer Schock ist jetzt nicht mehr zu befürchten“, sagt Aktienstratege Juichi Wako von Nomura Securities. Und doch brauen sich an der Tokioter Börse die ersten Wolken zusammen.

TOKIO. Nach einer beeindruckenden Aufholjagd in den vergangenen 15 Monaten mit einem Kursgewinn des Nikkei-Index von rund 50 Prozent scheint die Zeit so großer Sprünge erst einmal vorbei. „Ich sehe kein großes Aufwärtspotenzial mehr in diesem Jahr“, meint Stratege Wako. Er rechnet mit einem Nikkei-Stand von 12 000 Yen zum Jahresende. Der Aktienmarkt erreiche langsam seinen Höhepunkt für den derzeitigen Wirtschaftszyklus. „Im kommenden Jahr werden wir wahrscheinlich erst einmal einen Einbruch der Kurse sehen.“ Auch andere Analysten halten Einbußen im kommenden Jahr für wahrscheinlich, sehen bis dahin aber noch teils deutliche Kurssteigerungen.

Die ersten Warnrufe scheinen zu unpassender Zeit zu kommen, zeigen doch Wirtschaftsdaten wie die Industrieproduktion oder die Tankan-Umfrage unter den Unternehmen, dass es Japans Wirtschaft so gut wie noch nie in den vergangenen 13 Jahren geht. Doch in den Kursen ist das Erholungsszenario Japans weitgehend eingepreist. „Die Aufmerksamkeit könnte sich bald auf das langsamere Wachstum in 2005 verlagern“, schreibt auch Stratege Naoki Kamiyama von Morgan Stanley in einer Studie. Während Ökonomen für dieses Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von gut vier Prozent erwarten, veranschlagen sie es für 2005 im Schnitt auf weniger als die Hälfte. „Der Schub aus den USA dürfte wegfallen“, sagt Takashi Ono von Okasan Securities in Tokio, der dem Nikkei in diesem Jahr noch einen Anstieg bis auf 13 000 Punkte, also um rund 13 Prozent, zutraut, bevor die Kurskorrektur einsetzt. Er empfiehlt, sich bei Investitionen an die 30 größten Aktienwerte wie Toyota oder NTT Docomo zu halten.

Aktienstratege Kenichi Azuma von Cosmo Securities rechnet für Oktober noch einmal mit einem Kursschub – unter anderem weil die Firmengewinne weiter zweistellig zulegten. Azuma, der zu den Optimisten für dieses Jahr gehört, hält deshalb zum Jahresende noch einmal einen Nikkei-Stand von 14 000 Yen für möglich. Das wäre ein Anstieg um satte 20 Prozent. Auch Goldman Sachs geht von einer Kurssteigerung von gut 20 Prozent aus und wertet Japan und das übrige Asien deshalb weiter als die bevorzugten Anlagemärkte.

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