Analysten sehen Eon als Top-Favoriten unter den Energiaktien
Anleger erwärmen sich für Versorgertitel

So sprechen Manager, wenn sie einen wichtigen Sieg errungen haben, ihre Freude darüber aber nach außen verbergen wollen: „Der Kompromiss ist eine sachgerechte Lösung“, kommentierte RWE-Chef Harry Roels die deutsche Einigung über den Handel mit Kohlendioxid-Emissionsrechten. Die Fachleute sind sich einig, dass die deutschen Stromgiganten RWE und Eon zu den Gewinnern der Einigung von vergangener Woche zählen. Auch an der Börse herrscht diese Ansicht vor. Die Kurse von RWE und Eon steigen und notieren inzwischen wieder im Bereich der Jahreshöchststände.

DÜSSELDORF. Nach Meinung von Branchenexperten haben die Versorger ihr Kurspotenzial damit aber noch nicht ausgereizt. Grégoire Majoros von der ING BHF-Bank etwa empfiehlt RWE und Eon zum Kauf. Auch Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim erwartet eine überdurchschnittliche Entwicklung und beziffert das Kursziel für Eon auf 65,90 (aktueller Kurs: 55,50) Euro und für RWE auf 41,10 (39,10) Euro. Seinen Optimismus begründet er mit gestiegenen Strompreisen sowie dem unsicheren Kapitalmarktumfeld, das Aktien mit Defensivcharakter zurzeit begünstige. Ähnlich argumentieren die Analysten von Goldman Sachs.

Auf der anderen Seite dürfte der Emissionshandel die Kurse, Experten zufolge, kaum belasten. Der Handel soll den Schadstoffausstoß der Industrie ab 2005 auf einen fixen Zielwert beschränken (s. Kasten). Dabei erhält jedes Unternehmen eine feste Zahl an Emissionszertifikaten. Reichen diese nicht aus, muss es Emissionsrechte hinzukaufen; umgekehrt kann es nicht verbrauchte Zertifikate verkaufen.

„Die Ängste der Investoren haben sich als unbegründet herausgestellt. Die finanziellen Auswirkungen des Emissionshandels werden für die deutschen Versorger minimal sein“, sagt Analyst Heck. RWE drohe bis 2012 schlimmstenfalls eine Belastung in Höhe von 1,5 % des operativen Ergebnisses, bei Eon werde der Effekt noch geringer ausfallen. „Wenn die Unternehmen den Emissionsausstoß ihrer Kraftwerke verringern und einen Teil der Kosten aus dem Emissionshandel durch höhere Preise auf ihre Kunden überwälzen, sinkt die Belastung sogar noch“, erklärt Heck.

Etwas skeptischer ist Ralf Hallmann von der Bankgesellschaft Berlin. Auch wenn der Regierungsvorschlag verglichen mit früheren Entwürfen des Umweltministeriums positiv sei, blieben eine Reihe von Unsicherheiten bestehen. Die Verteilung der Zertifikate auf die einzelnen Unternehmen sei ebenso unklar wie die Frage, wie viele Rechte für neue Kraftwerksbauten in Folge des Atomausstiegs vorgehalten würden. „Ein verlässliches Umfeld für Investitionen ergibt sich daraus noch nicht“, bemängelt Hallmann. Zudem drohten den deutschen Versorgern Wettbewerbsnachteile, falls andere EU-Staaten den Klimaschutz weiter halbherzig angingen und den heimischen Konzernen nur geringe Emissionsziele auferlegten.

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