Analysten sehen steigende Kurse
Die Bären sind auf dem Rückzug

Weltweit stellen sich die Investoren mehr und mehr auf die Zeit nach der Finanzkrise ein und schichten ihre bisher vor allem auf Sicherheit ausgerichteten Portfolios in Richtung von mehr Risiko um. Jüngstes Beispiel: Der Deutsche Aktienindex (Dax), der im ersten Quartal um bis zu 20 Prozent an Wert verloren hat, ist am Freitag wieder über die psychologisch wichtige Marke von 7 000 Punkten gestiegen.

FRANKFURT. Bestes Beispiel für den neuen Optimismus ist die „Bull-Bear-Ratio“, die die Zuversicht bei Investoren misst. Zeigte das zwischen Habgier und großer Furcht angesiedelte Barometer Anfang April noch extrem verunsicherte Anleger, hat es sich in den letzten beiden Wochen gewendet und bewegt sich in der Mitte zwischen den Extremen. Zugleich ist der in der Hochphase der Krise stark gestiegene Goldpreis wieder spürbar gesunken.

„Die Anleger scheinen sich an Hiobsbotschaften aus dem Finanzbereich inzwischen gewöhnt zu haben, was aus psychologischer Sicht ein ermutigendes Zeichen ist“, kommentiert die DZ Bank. Dieser „Gewöhnungseffekt“ auf der einen Seite und der Blick der Investoren, der spätestens im Juni schon in Richtung 2009 gehen wird, haben zu einer neutraleren Einschätzung der aktuellen Situation geführt. Aktienstrategen wie Ian Scott von Lehman Brothers gehen deshalb davon aus, dass die Phase der stetig steigenden Kurse noch einige Zeit anhalten wird. Dieses Szenario nutzten nach Ansicht von Marktexperten die internationalen Notenbanken aus: Mit ihren Liquiditätsspritzen verstärken sie den Trendwechsel nach oben und untermauern ihn damit.

Mit Beginn des zweiten Quartals hat ein Wechsel der dominierenden Themen stattgefunden. Standen bis dahin die Finanzkrise und die Konsequenzen für die Realwirtschaft im Mittelpunkt, so traten seither verstärkt die Zahlen für das erste Quartal sowie der Ausblick an deren Stelle. Wobei es über die Interpretation durchaus unterschiedliche Einschätzungen gibt. 37 Prozent der Unternehmen aus dem breiten US-Index S & P 500 haben bisher ihre Ergebnisse vorgelegt. 58 Prozent davon haben die Erwartungen der Analysten übertroffen, haben die Experten von BNP Paribas errechnet. Was die eine Seite als „nur 58 Prozent“ auslegt, sehen die anderen als Zeichen dafür, dass vieles an den Märkten nicht ganz so schlimm ist, wie es lange Zeit interpretiert wurde. „Die Unternehmensgewinne liegen weiter über den Analystenerwartungen“, sagt Ian Scott und wertet die Zahlen als positiv.

Gleichzeitig richten viele Börsianer ihre Blicke bereits ins kommende Jahr. Zwar gehen auch hier die Prognosen weit auseinander. „Die Ertragsentwicklung dürfte im ersten Halbjahr 2009 ihren tiefsten Stand erreichen“, zeichnen etwa die Strategen der niederländischen ING ein düsteres Bild. Gehen sie doch davon aus, dass die Märkte erst im zweiten Halbjahr 2008 beginnen werden, diese Entwicklung einzupreisen. Weit zuversichtlicher gibt man sich dagegen beim weltgrößten börsennotierten Vermögensverwalter Blackrock. „Unseren Prognosen zufolge dauern die Gewinnrückgänge vier Quartale an. Beginnend mit dem dritten Quartal 2007 und, wenn unsere Analysen zutreffen, endend mit dem zweiten Quartal 2008“, sagt Bob Doll, der dort die Anlagestrategie verantwortet.

Für Anleger bedeutet dies vor allem eines: Die Märkte befinden sich derzeit in einer heftigen Umbruchphase, deren Konsequenzen im Moment niemand abschätzen kann. Das bedeutet wohl noch nicht, dass die Bankenkrise vorbei ist. Stattdessen suchen viele Investoren jetzt die Chancen, die sich aus der Krise ergeben könnten.

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