Analysten sind vorsichtig
Börsen-Aktie fehlt Phantasie

Kommt die große Börsenfusion in Europa oder kommt sie nicht? Für Aktionäre der Deutschen Börse und solche, die es werden wollen, ist diese Frage aktueller denn je. Für die Mehrzahl der Analysten steht fest:

FRANKFURT. Nur, wer an eine Fusion der Deutschen Börse mit dem Konkurrenten Euronext glaubt, sollte die Aktie der Deutschen Börse jetzt noch kaufen. Andernfalls habe das Papier kein Kurspotenzial mehr.

Seit Mai 2005, als Hedge-Fonds wie TCI den Rauswurf von Börsenchef Werner Seifert erzwangen, hat sich der Aktienkurs des Unternehmens fast verdoppelt. Ein Grund hierfür ist der Stimmungsumschwung an den Aktienmärkten, der der Börse deutliche Umsatz- und Ertragssteigerungen einbringt. Ein großer Teil der Kursgewinne gründet aber auch auf der Hoffnung auf eine Fusion der beiden größten kontinentaleuropäischen Handelsplätze, Deutsche Börse und Euronext.

Vor allem Hedge-Fonds setzen die Vorstände beider Börsen öffentlichen unter Druck, über ein Zusammengehen zu verhandeln. Experten halten eine Einigung durchaus für möglich: „Ich glaube, dass es in diesem Jahr zu einer Fusionsankündigung der beiden Börsen kommen könnte“, sagt Lucio di Geronimo, Analyst der Hypo-Vereinsbank. Allerdings dürfte das Ganze dann seiner Meinung nach am Einspruch der Wettbewerbsbehörden scheitern. Zu schwerwiegend dürften deren Auflagen sein, so dass sich das Projekt für beide Seiten kaum mehr rechnen werde.

Einige Analysten bezweifeln mittlerweile gar, dass die Hedge-Fonds überhaupt noch eine Fusion anstreben. Schließlich haben einige der Befürworter wie TCI und Harris Associates ihre Anteile an der Euronext bereits reduziert. Das schürt am Markt die Angst vor einem massiven Exodus der aggressiven Investoren samt kräftigem Kurssturz: „Wir haben unsere Bestände fast ganz abgebaut, das ist uns zu gefährlich“, sagt der Vertreter einer großen Fondsgesellschaft.

Und auch die Analysten sind vorsichtig. Zwei Drittel von ihnen stufen die Aktie derzeit mit „halten“ oder „verkaufen“ ein. Die Minderheit der Optimisten hofft darauf, dass die Wettbewerbsbehörden bei der Beurteilung einer Fusion über den europäischen Tellerrand hinwegschauen. „Wenn man sieht, dass die New Yorker Börse nach Europa drängt, dann kann man das nicht ignorieren“, sagt ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden will. Eine fusionierte Börse in Europa als Gegenpol zur Übermacht aus den USA könnte aus politischer Sicht wünschenswert sein. Er rechnet im Falle einer Fusion mit Kosteneinsparungen von bis zu zehn Prozent, etwa durch die Konzentration des Aktienhandels auf nur eine Computerplattform. „Das macht noch einmal zwölf bis 13 Euro je Aktie aus“, sagt er. Außerdem solle man nicht außer acht lassen, dass die Frankfurter Börse mit ihren Konkurrenten, etwa dem langjährigen Schweizer Partner SWX, engere Kooperationen eingehen könne. Dies würde der Aktien wieder Auftrieb geben.

Wenig Kursphantasie entfacht dagegen der Geschäftsverlauf der Deutschen Börse, auch wenn das positive Börsenklima einen Boom entfacht hat. So stieg die Zahl der Wertpapierorders auf Xetra und an den Parkettbörsen 2005 um 28 Prozent, im Januar betrug der Sprung gegenüber dem Vorjahr fast 58 Prozent. „Selbst wenn die nächsten Quartale so gut bleiben, ist das im Kurs drin“, urteilt Johannes Thormann, Analyst bei der WestLB. Daher sehe er derzeit keinen Grund, die Aktie zu kaufen.

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