Analysten stellen Kandidatenlisten vor – Warnung vor überzogenen Kursen
Neue Fusionswelle weckt Jagdinstinkte

Der Winterschlaf im Silicon Valley ist vorbei. Mit dem feindlichen Angebot des Software-Herstellers Oracle, den Konkurrenten Peoplesoft für mehr als 6 Mrd. $ zu kaufen und der Übernahme des Wettbewerbers J.D. Edwards durch Peoplesoft ist eine Übernahmeschlacht entbrannt, wie es sie in der kalifornischen High-Tech-Region lange nicht mehr gegeben hat.

Peoplesoft war das Signal: Der Markt der Fusionen und Übernahmen (M&A) ist wieder in Bewegung gekommen – auch in Deutschland: Die Norisbank geht an die DZ-Bank, Wella wird von Procter & Gamble gekauft, und Buderus wandert von Bilfinger und Berger an Bosch.

Das Ratespiel, wer als nächster gekauft wird, ist längst in vollem Gange. Wer als Aktienanleger auf die richtigen Kandidaten setzt, dem winken nämlich satte Kursgewinne. Schon kursieren entsprechende Listen. Typische Übernahmekandidaten seien in Deutschland eher im M-Dax zu finden, sagt Klaus Schlote von der Research- Firma Solventis in Frankfurt. Häufig gebe es einen Großaktionär, der sich von seinem Paket trennen wolle und ein Pflichtangebot an alle Aktionäre machen müsse. Potenzielle Kandidaten hätten außerdem eine starke Markt- oder Markenstellung. „Es dominiert die industrielle Logik; der Bieter kauft jetzt, was eine gute Ergänzung für sein Unternehmen darstellt“, sagt Schlote. Auch Florian von Alten von der Beratungsfirma M&A International in London beobachtet den Trend, sich wieder auf das Kerngeschäft zu konzentrieren: „Unternehmen verkaufen sowohl profitable als auch nicht profitable Tochtergesellschaften“. Analyst Schlote warnt allerdings davor, Mondpreise für Übernahmekandidaten zu bezahlen.

Doch was sind Mondpreise? MarktstrategeVadim Zlotnikov von Sanford C. Bernstein in New York blickt vor allem auf die Finanzkraft potenzieller Kandidaten. „Wie viel Geld spült der Kapitaleinsatz dem Käufer in die Kasse?“, fragt er. Zlotnikovs Faustregel: Die frei verfügbaren Mittel (Free Cash Flow) müssen mindestens 10 % des gesamten Börsenwerts von Aktien und Anleihen betragen. Mit steigenden Aktienkursen fallen nach dieser Formel immer mehr Kandidaten von der Liste, weil sie zu teuer geworden sind. Als attraktiv bewertet Zlotnikov nach wie vor die Papiere von Federated Department Stores, Automatic Data Processing und Honeywell. Wer günstig kaufe, riskiere auch keinen Reinfall, falls ein Kandidat nicht übernommen werden sollte.

Noch hat die neue Übernahmewelle nicht auf die Statistiken durchgeschlagen. Die Londoner Researchfirma Mergermarket.com zählte für Europa im ersten Halbjahr 2003 insgesamt 1489 Übernahmen, gerade mal 6 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Dem Volumen nach ging das Geschäft sogar zurück: die Transaktionen hatten nur noch einen Gesamtwert von 291 Mrd Euro, 19 % weniger als im ersten Halbjahr 2002. Doch viele Deals sind noch nicht abgeschlossen, oftmals waren in jüngster Zeit auch nicht börsennotierte Unternehmen beteiligt, erläutert Fondsmanager Paolo Vicinelli, Ko-Manager zweier auf M&A spezialisierte Fonds von Gabelli. Für ihn sei ohnehin die Zahl der Transaktionen wichtiger: „Ich habe lieber zehn Deals die jeweils 5 Mrd. wert sind als einen einzigen 50- oder 60- Mrd. $-Deal.“ Vicinelli kauft weltweit nur Werte, für die eine Übernahme bereits angekündigt ist – zu Kursen unter dem späteren Übernahmepreis; der Fachbegriff lautet: Merger-Arbitrage. Für Privatanleger sei dies allerdings nicht geeignet. Vermehrte Fusionstätigkeit bemerkt Vicinelli vor allem im Finanzbereich sowie in der Pharma- und in der Softwarebranche.

Vor allem die gestiegenen Aktienkurse hätten zur neuen Fusionswelle geführt, sagt Vicinelli: „Jetzt fühlen sich sowohl Käufer als auch Verkäufer bei den Geschäften wohl.“ Ist dann mit den nächsten Kurseinbrüchen alles wieder vorbei? Vicinelli sagt: „Nein“. Dynamische Unternehmen könnten in einer Flaute nur durch Übernahmen weiter wachsen. Weiteres Argument: „Die Zinsen sind niedrig, damit ist die Finanzierung von Übernahmen günstig wie nie.“

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