Analysten stufen den Titel herab
Skepsis überwiegt bei Heidel-Druck-Aktie

Nun haben sich auch die letzten Analysten von ihren positiven Einschätzungen für die Heidelberger Druckmaschinen AG verabschiedet: Selbst die Experten der UBS, die bisher zu den Optimisten gehört hatten, änderten jetzt ihre Anlageempfehlung von „kaufen“ auf „halten“.

DÜSSELDORF. Man müsse realistisch sein, begründet Michael Hagmann von der Schweizer Bank diesen Schritt. Obwohl das Potenzial des Unternehmens nicht schlecht sei, werde es auch in den nächsten Monaten mit rückläufiger Nachfrage und dem hohen Euro zu kämpfen haben, prognostiziert der Analyst.

Der weltgrößte Druckmaschinenhersteller, der gut die Hälfte seines Umsatzes in Dollar macht, hatte auf seiner Bilanzpressekonferenz am Donnerstag zum ersten Mal in seiner 150-jährigen Geschichte rote Zahlen gemeldet. Schlimmer noch: Auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind verhalten. Zwar hatte das Unternehmen 2002 operativ einen Gewinn von rund 100 Mill. Euro erwirtschaftet. Der wurde allerdings durch Kosten von 210 Mill. Euro für Restrukturierungsmaßnahmen aufgezehrt. Auf eine Dividende sollen die Anleger deshalb verzichten. Entsprechend negativ reagierte die Aktie. Am Donnerstag verlor sie 5 % an Wert. Inzwischen steigt sie jedoch wieder.

Dennoch sind die Prognosen der Analysten für das laufende Geschäftsjahr düster. In den ersten zwei Monaten dieses Jahres fiel der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 21 % auf 426 Mill. Euro. Der Auftragseingang rutschte um rund 37 % auf 486 Mill. Euro ab. Analysten nennen deshalb mehrheitlich 19 bis 20 Euro als Kursziel für die nächsten sechs Monate. Am Freitag kostete die Aktie über 22 Euro. „Das Unternehmen steht derzeit zwei Problemen gegenüber“, sagt Kristian Gevert von Credit Suisse First Boston (CSFB): Erstens der Flaute der Druckindustrie und zweitens der Branchenmesse Drupa im Mai 2004, bis zu der Kunden Bestellungen zurückhalten werden, um auf Neuerungen reagieren zu können.

"Heilberger Druck ging es jahrelang zu gut"

Frank Laser von der Hamburger Berenberg Bank glaubt sogar, dass das Unternehmen langfristig Probleme haben wird. „Nur wenn die Weltwirtschaft anspringt, werden die Impulse der Drupa nicht verpuffen“, sagt er. Die Heidelberger Druck leide unter einem Branchen- und Konjunkturproblem: „Printmedien und Werbebranche haben Überkapazitäten und investieren nicht“, sagt Laser. Er sieht den Kurs für die nächsten sechs bis 12 Monaten bei 12 Euro und rät zum Verkauf.

Sein Kollege von der UBS formuliert es ähnlich drastisch. „Der Heidelberger Druck ging es Jahre lang zu gut“, sagt Hagmann. Als Weltmarktführer im Bereich Bogen- und Rollenoffset (Anteil 50 %) sei der Konzern über das Massengeschäft schnell reich geworden. Einige Unternehmenskäufe hätten hingegen besser durchdacht werden sollen, urteilt der Analyst.

Dennoch sieht Hagmann bei der Aktie Potenzial, denn sie notiere derzeit unter ihrem Buchwert von 22 Euro. „Unternehmen, die ihre Kapitalkosten langfristig decken – und das kann die Heidelberger Druck bisher –, sollten eigentlich mit einer Prämie zum Buchwert notieren“, sagt er. Außerdem stiegen die Kurse von Druckaktien traditionell vor der Drupa. „Da waren in der Vergangenheit sogar Verdopplungen drin“, erinnert sich Hagmann.

Langfristig sei die Aktionärsstruktur interessant, heißt es unter Analysten. RWE, der 50 % der Anteile gehören, will diese abstoßen. Falls das über den Kapitalmarkt geschehe, gerate der Kurs zwar unter Druck. Langfristig mache ein größerer Streubesitz – aktuell befinden sich 22 % der Anteile im Freefloat – den Wert jedoch interessanter.

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