Analysten: Tabakhersteller reichen höhere Belastungen geschickt an die Raucher weiter
Geschäft mit Nikotin lässt Anlegerdepots gesunden

Tabakaktien gelten trotz staatlicher Auflagen für die Branche als profitable Anlageform. Fachleute setzen auf steigende Kurse, obwohl Rauchen in Europa stärker besteuert wird und dies bei einem Wahlsieg des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry in den USA ebenfalls erwartet wird.

DÜSSELDORF. Auch neue Vorschriften in den USA, die Wohnungsbrände durch glimmende Zigaretten vermeiden sollen, dämpfen den Optimismus der Analysten nicht. Denn das Geschäft mit dem Nikotin erweist sich als krisenfest.

In den USA haben sich die Demokraten bislang eher als Gegner der Zigarettenindustrie einen Namen gemacht. So hatten Richter während der Amtszeit von Präsident Bill Clinton zahlreiche Sammelklagen zu Lasten der Tabakkonzerne entschieden. Zudem stiegen die Tabaksteuern unter Clinton um mehr als die Hälfte an. Analysten der Investmentbank Merrill Lynch wären insofern „nicht überrascht“, wenn mit einem Regierungswechsel in den USA erneut die Steuern stiegen. Sie rechnen jedoch damit, dass Zigarettenhersteller ihre Gewinnmargen über höhere Preise sichern können.

Bereits jetzt haben Produzenten wie British American Tobacco (BAT) ihre Preise in Frankreich und Deutschland um mehr als 12 % angehoben, um Steuererhöhungen an die Raucher weiter zu reichen. Eine ähnliche Strategie könnten die Konzerne anwenden, um höhere Produktionskosten – wie sie nun im Bundesstaat New York drohen – zu kompensieren. Dort schreibt ein bislang einzigartiges Gesetz ab Juli den Verkauf „feuersicherer“ Zigaretten vor. Diese sollen erlöschen, wenn der Raucher nicht mehr daran zieht. Damit sollen Wohnungsbrände vermieden werden. Sollten die Spezial-Glimmstängel auch anderswo zur Pflicht werden, müssten Hersteller ihre Produktionsanlagen kostspielig umrüsten.

Nach Analystenmeinung reagieren Tabakaktien aber immer seltener auf solche Auflagen. Die Industrie habe gelernt, die weitgehend starre Nachfrage der Nikotinabhängigen zu nutzen. „Die Firmen geben höhere Kosten an den Kunden weiter, ohne dass der es merkt“, sagt Martin Schneider, Fondsmanager bei der DWS. Auch Jonathan Fell, Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley, hält die Branche momentan für relativ krisenfest: „Ich erwarte wegen eines Regierungswechsels, neuer Gesetze oder höherer Steuern keine fundamentalen Kursschwankungen.“

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