Analysten warnen vor deutlichen Unterschieden
Aktien der Discounter rutschen in den USA ab

Wenn das verfügbare Einkommen sinkt, greifen die Kunden verstärkt nach Billigprodukten – diese Annahme sorgte in den vergangenen Jahren für steigende Aktienkurse der so genannten Dollar-Läden. US-Einzelhändler wie Dollar Tree, Dollar General und Family Dollar Stores bieten den Kunden nahezu unschlagbare Tiefstpreise; bei den meisten kostet kein Artikel mehr als einen Dollar.

HOUSTON. Doch nach den Wirbelstürmen „Rita“ und „Katrina“ ist auch das kein Garant mehr für wirtschaftlichen Erfolg: „Die hohen Benzin- und Energiepreise schröpfen insbesondere die Verbraucher in den unteren Einkommensschichten“, sagt Edgar Roesch von der Bank of America. Und diese gehören zu den treuesten Kunden der Dollar-Läden. „Unseren Kunden geht das Geld aus“, sagt Howard Levine, Chef der zweitgrößten US-Dollarkette, Family Dollar Stores. „Sie gehen seltener pro Monat einkaufen, aber wenn sie kommen, geben sie mehr Geld aus, um ihre Vorräte wieder aufzufüllen.“

Die Discounter bekamen die Auswirkungen an der Börse zu spüren: Mehrere Aktien fielen Ende September auf neue Jahrestiefstände; Family Dollar Stores lagen fast auf Fünfjahrestief. Bei den zwei größten US-Dollar-Läden, Dollar General und Family Dollar, sieht eine Reihe von Daten auf den ersten Blick ähnlich aus. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse liegen mit 16 und 18 fast gleichauf, und beide Firmen kündigten Rückkaufprogramme an, von bis zu zehn Millionen eigenen Aktien. Doch die Wall Street hat einen Favoriten: Elf von 18 Analysten raten zum Kauf von Dollar General; bei Family Dollar sind es nur fünf von 19. „Dollar General ist der am besten aufgestellte Laden der Branche“, sagt Ralph Jean von Wachovia Securities.

Ein Grund für das bessere Abschneiden von Dollar General ist das Sortiment, sagen die Experten. Angesichts knapper Kassen kauften viele Kunden inzwischen verstärkt Lebensmittel und Tierfutter bei Discountern. Dem kommt das Umbauprogramm bei Dollar General entgegen: Die Filialen erhielten Kühlregale und bieten Frischprodukte wie Milch und Tiefgefrorenes an. Auch Family Dollar will in den nächsten Quartalen diesen Service ausbauen.

„Dieses Investment ergibt in Zeiten schwächerer Konjunktur durchaus Sinn“, lobt Michael Baker von Deutsche Bank. Ralph Jean schätzt, dass der Schritt schon vom nächsten Quartal an für größere Gewinnmargen bei Dollar General sorgen wird. Erst vor ein paar Wochen überraschte das Unternehmen aus Tennessee den Markt mit Quartalsergebnissen über den Erwartungen, obwohl wegen der Hurrikane fast 700 Filialen zumindest vorübergehend schließen mussten.

Family Dollar dagegen meldete einen Profitrückgang von 30 Prozent im dritten Quartal und musste für 2005 eine Gewinnwarnung ausgeben. „Und die Prognose für das kommende Jahr erscheint uns noch immer zu aggressiv“, warnt Analyst Mitchell Kaiser von Piper Jaffray. Er kürzte sein Kursziel von 25 auf 20 Dollar. Ursprünglich wollte Family Dollar in Stadtgebieten mehr Präsenz zeigen. Doch nach einigen Problemen liegt die Idee zurzeit zu Recht auf Eis, sagt Kevin Boler von Merrill Lynch: „Obwohl die Initiative vom Konzept her interessant ist, hat sie es bisher nicht geschafft, das Ergebnis zu verbessern. Es ist enttäuschend, dass die Geschäftsleitung bei der Ausführung keine bessere Arbeit geleistet hat.“

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