Analysteneinschätzung
Anglogold gerät unter Druck

Eigentlich müssten bei Anglogold Ashanti die Sektkorken knallen. Mit über 600 Dollar je Unze hat der Goldpreis ein 25-Jahreshoch erreicht. Dies dürfte der Nummer drei am Goldmarkt schon im zweiten Quartal deutlich höhere Gewinne bescheren. Und die Experten von Gold Fields Mineral Services (GFMS) in London halten es gar für möglich, dass Gold bis 2008 das historische Hoch von 850 Dollar aus dem Jahr 1980 erreicht.

HB KAPSTADT. Doch in der Johannesburger Firmenzentrale von Anglogold will keine Feierstimmung aufkommen. Der Grund dafür liegt in der Entscheidung von Anglo American, gerade jetzt den Anteil an der Goldtochter kräftig zu reduzieren. Fast genau 90 Jahre nach der Gründung will Anglo American sein Portfolio weiter straffen und sich zunächst aus der Goldförderung zurückziehen. Vergangene Woche platzierten Anglo American und Anglogold zeitgleich größere Aktienpakete am Markt, wodurch sich der Anteil der Mutter von bislang 51 auf wenig mehr als 40 Prozent verringert. Während die Mutter 16 Millionen Aktien seiner Goldtochter verkaufte, legte Anglogold zur gleichen Zeit fast 10 Millionen neue Titel im Gesamtwert von 500 Mill. Dollar auf. Den Erlös will der Goldförderer vor allem in den Ausbau seiner Minen in Südafrika, Brasilien und Australien stecken.

Aber auch in die Suche neuer Vorkommen will Anglogold investieren. Ende Dezember lagen Anglogolds Vorräte mit 63 Millionen Unzen fast ein Fünftel unter dem Stand des Vorjahrs. Bei Analysten, die den Reserven bei ihrer Bewertung viel Gewicht beimessen, kam das nicht gut an.

Durch den Rückzug der Mutter wird Anglogold verwundbar und als Übernahmeobjekt interessant. Gleichzeitig erhält der Goldriese aber auch größere Freiheiten, weil er seine Vorhaben nun ohne Zustimmung der Mutter umsetzen kann. Vorrangiges Ziel des Konzerns ist es, seine traditionell starke Abhängigkeit von Südafrika zu mindern. Die Minen am Kap sind inzwischen bis zu 5 000 Meter tief, der Goldabbau ist entsprechend teuer, zumal nach der enormen Aufwertung der lokalen Randwährung gegenüber dem Dollar in den vergangenen vier Jahren.

Immerhin besitzt Anglogold am Kap die kostengünstigsten Goldminen - und hat die starke Lokalwährung dadurch besser als die meisten Rivalen auffangen können. Vor dem Hintergrund des stark gestiegenen Goldpreises ist der Aktienkurs in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 50 Prozent auf nun 325 Rand geschnellt. Und obwohl das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit 26,8 auf Basis der erwarteten Gewinne für 2006 inzwischen sehr hoch ist, empfehlen laut Bloomberg noch immer vier von zehn südafrikanischen Analysten das Unternehmen zum Kauf; die sechs anderen raten zum „halten“.

Für Unsicherheit sorgt aber das weitere Vorgehen von Anglo American. Auch den völligen Ausstieg schließen einige Experten nicht mehr aus. Steve Shepherd von JP Morgan hält einen graduellen Rückzug der Mutter indes für unwahrscheinlich, weil dies negative Folgen für den Aktienkurs haben könnte. Auch an einen Einstieg der großen nordamerikanischen Goldkonzerne mit einem Minderheitsanteil glaubt Shepherd nicht.

„Wahrscheinlicher als die eigene Übernahme ist, dass Anglogold einen anderen Goldförderer erwirbt. Ich erwarte jedenfalls einen aggressiven Kurs der Konzernspitze“ sagt auch Graham Birch, Leiter des Gold- und Bergbauteams von Merrill Lynch. Damit rückt eine mögliche Fusion von Anglogold Ashanti und Gold Fields, der südafrikanischen Nummer zwei erneut ins Blickfeld. Mit über zehn Millionen Unzen würde ein solcher Zusammenschluss den weltgrößten Goldförderer kreieren – und an der Börse Kursfantasien schüren.

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