Analystenplattform soll kleinen Börsenwerten helfen, wieder die Aufmerksamkeit von Investoren zu erlangen
Aus den Augen, aus dem Geschäft

„Gute Investor Relations (IR) sind für börsennotierte Unternehmen das Wichtigste überhaupt“, sagt James Ritchie, Chefanalyst der Commerzbank in London. Gerade kleine und mittlere Betriebe dürften das Risiko, bei schlechter IR von der Bildfläche der Investoren zu verschwinden und darunter auch im operativen Geschäft zu leiden, nicht unterschätzen. Unter guter IR verstehen Analysten, von den Unternehmen zuverlässig auf dem Laufenden gehalten zu werden.

FRANKFURT/M. Was aber machen Unternehmen, wenn sich gar kein Analyst oder Investor für ihre Informationen interessiert? „Während im Börsenboom jede kleine Bude von einem Research-Haus gecovert wurde, bewerten Analysten jetzt nur die großen Werte“, beschreibt Andrew Lockhart, Researchleiter von Dresdner Kleinwort Wasserstein, die Entwicklung in den Banken.

„Wir spüren das sehr deutlich“, sagt Alexandra Klemme von der Pfleiderer AG. Um das Interesse der Investoren an dem S-Dax notierten Holzspezialisten zu binden, wende sie sich jetzt persönlich an die großen Anteilseigner.

Wenn Unternehmen aus dem Blick der Öffentlichkeit geraten, ist das auch für Anleger schlecht. „Diejenigen, die in dem Wert investiert sind, müssen sich um die Liquidität der Aktie im Handel sorgen; potenzielle Investoren erfahren erst gar nichts von interessanten Anlagemöglichkeiten“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Damit kleine Unternehmen, Analysten und Anleger besser zueinander finden, will die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) ihre Internetplattform „Research-Markt“ anbieten. Bis September hofft die DVFA, einen genügend großen Anbieterpool akquiriert zu haben. „Auf Nachfragerseite wenden wir uns in erster Linie an ausländische Banken sowie an spezialisierte Investoren“, erläutert Projektleiter Ralf Frank das DVFA-Konzept. Aber auch Firmen mit geringem Börsenwert und damit geringem öffentlichen Interesse könnten von der Marktplattform profitieren, indem sie sich professionell und unabhängig bewerten ließen und die Ergebnisse publizierten, sagt Frank. Die Analysen haben allerdings ihren Preis. Die DVFA hält sich zwar aus der Preisgestaltung heraus, gibt aber Empfehlungen ab. Danach müssen die Auftraggeber mit 30 000 bis 50 000 Euro für eine Basisstudie mit drei Quartalsaktualisierungen rechnen.

Die Initiative der DVFA stößt auf geteiltes Echo. Grundsätzlich wird der Ansatz begrüßt. Allerdings glaubt kaum jemand, dass Analysten unabhängig urteilen können, wenn sie dafür bezahlt werden. Klaus Schlote von der Solventis Research GmbH, die unabhängige Aktienanalysen anbietet, hält dagegen: „Bei der Bewertung von Anleihen durch die Rating- Agenturen Moody’s oder S&P beschwert sich niemand, dass die Analysen von den Emittenten bezahlt werden. Bei Aktien riecht das gleich nach Gefälligkeitsgutachten. Das kann sich kein Analyst leisten.“

Davon ist auch DVFA-Projektleiter Frank überzeugt. Er betont, bei der Auswahl der Analysten lege die DVFA sehr viel Wert auf Seriosität und Qualifikation. „Die Analysten, die wir in unser Verzeichnis aufnehmen, haben einen Namen zu verlieren. Das riskiert keiner.“

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