Andere Bewertungsmethoden
Was die KGV-Betrachtung noch wert ist

Preisgünstig oder nicht? Immer mehr Investoren ziehen inzwischen neben dem berühmtesten Maß der Aktienbewertung, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, andere Bewertungsindikatoren heran, um diese Frage zu klären. Darin erscheint die Mehrzahl der Aktien nicht mehr so günstig, wie dies immer wieder propagiert wird.

FRANKFURT. Hintergrund ist, dass Aktien bei alleiniger KGV-Betrachtung seit rund fünf Jahren äußerst günstig erscheinen. Da der Aktienkurs hierbei in Relation zum Gewinn je Aktie gesetzt wird und die Unternehmensgewinne seit Jahren kontinuierlich steigen, sind die jeweiligen KGVs seither so niedrig wie selten in der Historie. Langfristig lag der Mittelwert für Aktien des Deutschen Aktienindex (Dax) bei 16, seit 2003 pendelt er zwischen elf und 14, wenn auch zuletzt mit ansteigender Tendenz. Diese Konstellation lässt inzwischen immer mehr Analysten nachdenklich werden, ob der reine KGV-Ansatz noch der Richtige ist oder ob er um andere Bewertungsansätze ergänzt werden muss.

Am deutlichsten wird der Unterschied beim Vergleich des durchschnittlichen KGV im Deutschen Aktienindex (Dax) mit dem Kurs-Cash-Flow-Verhältnis (KCV). Dies hat Markus Reinwand, Aktienmarktstratege bei der Helaba, errechnet. Während das KGV mit rund 13 noch immer auf dem durchschnittlichen Niveau der letzten vier Jahre liegt, zog das KCV in den letzten beiden Jahren massiv an. Mit einem Wert von etwa 22 liegt es nur noch knapp unter dem Allzeithoch von 25 aus den Boomjahren 1999 und 2000. „Aktien sind damit keine Schnäppchen mehr“, resümiert Reinwand.

Der Grund: Während das KGV rein auf das Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn eingeht, setzt das KCV die Liquidität einer Gesellschaft in Relation zum Kurs. Dieser für die Ertragskraft eines Unternehmens wesentliche Faktor ist in den letzten Jahren aber bei weitem nicht so gestiegen wie die Kurse.

Ein weiteres Argument für das KCV nennen Analysten eher hinter vorgehaltener Hand: „Im Vergleich zum KGV ist es wesentlich unanfälliger gegenüber Bilanzmanipulationen“, heißt es aus einer großen Bank. Speziell seit den großen Betrugsfällen um Enron und Worldcom ist dieses Argument ins Bewusstsein gerückt.

Auf der Gegenseite dürfte nach Ansicht von Experten das KGV der 30 Dax-Werte auch nicht dauerhaft so günstig bleiben: „Die Gewinnerwartungen für 2007 wurden seit Ende letzten Jahres um vier Prozent nach unten revidiert“, sagt Martin Gilles, Leiter der Aktienstrategie bei der WestLB. Steigende KGVs sind deshalb seiner Ansicht nach programmiert.

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