André Kostolany

Meine Ideen sind nicht tot!

André Kostolany galt als Spekulant alter Schule, seine Ideen halten heute viele Anleger für veraltet. Würde er noch leben, bestritte er das mit Verve. Und zu Spanien hätte er gewiss eine Meinung. Ein fiktives Gespräch.
17 Kommentare
André Kostolany: Streitbarer Geist und Spekulant aus Leidenschaft. Quelle: action press

André Kostolany: Streitbarer Geist und Spekulant aus Leidenschaft.

(Foto: action press)

Handelsblatt Online: Herr Kostolany, die Euro-Krise wütet. Viele Investoren fürchten, es könnte plötzlich zu Staatspleiten in der Euro-Zone kommen. Selbst Spanien scheint in Gefahr. Was würden Sie sagen?
André Kostolany: Diese Frage wurde mir früher hunderte Male gestellt, nur eben zu anderen Ländern, und meine Antwort bleibt immer dieselbe. Erstens: Nichts würde geschehen. Und zweitens: Das Wort 'plötzlich' ist, gelinde gesagt, leicht unpassend. Viele Länder sind praktisch seit Jahren zahlungsunfähig. Drittens: sie werden ihre Zahlungen aus dem einfachen Grunde nicht einstellen, weil die Gläubigerländer immer neue Kredite gewähren, damit sie die Zinsen bezahlen.

Aber ob sie das Kapital jemals zurück zahlen werden?
Das können wir sowieso vergessen. Die Schuldner-Gläubiger-Kette kann kurz oder lang sein, die letzten Gläubiger sind noch immer die Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) für die Euro-Länder, die Federal Reserve (Fed) für die USA und die Bank of England für Großbritannien. Und diese sind niemandem etwas schuldig, außer ihrem Gewissen. Sie haben die Notenpresse und haben stets soviel Geld zur Verfügung, wie sie es für nötig halten, um alle Zahlungsverpflichtungen zu sichern.  Wozu soll man auch puritanisch Bilanz machen, wenn es auch ohne geht?

Aber ein solches Schuldengebilde muss doch irgendwann zusammenfallen wie ein Kartenhaus.
Mit etwas Zynismus würde ich behaupten, dass das ganze kapitalistische System eine Illusion, vielleicht sogar ein Schwindel ist, aber eben ein gut gemachter. Gott soll geben, dass er noch lange besteht.


Nicht wenige Anleger rechnen mit dem großen Crash an den europäischen Börsen, langfristig möglicherweise sogar mit einer Währungsreform. Ist ihre Furcht berechtigt?
Eine Antwort fällt mir - zugegeben - schwer. Denn dies sind nur Worte, Worte, Worte, deren Bedeutung ich nicht voll und ganz begreife. Ich würde zum Beispiel gerne wissen, was man unter einen Crash versteht oder einer Währungsreform versteht. Das sind nicht zwei, sondern zehndeutige Worte. Letztlich ist alles eine Frage des Vertrauens. Wenn es gelingt, das Vertrauen in Europa, die Institutionen, die Finanzmärkte zu erhalten, kann nichts passieren. Ist das Vertrauen kaputt, geht alles kaputt.  Übrigens völlig unabhängig davon, wie hoch der Schuldenstand ist.


Vor allem die Deutschen fürchten, dass das viele Geld der Notenbanken irgendwann zu Inflation führen wird.
Die Gefahr besteht. Denn der gefährlichste Faktor für die Inflation ist die Inflationserwartung. Da entwickelt sich wieder eine psychologisch motivierte Kettenreaktion. Die Preise fangen an zu steigen  aus den genannten fundamentalen Gründen, die Bevölkerung wird nervös, besonders in den Ländern, in denen sie verheerende Inflationen schon erlebt hat; die Spekulation greift ein, weil sie weitere Inflation erwartet und mit ihrer Spekulation auf weitere Inflation treibt sie die Preise noch weiter und untergräbt damit auch das Vertrauen der Sparer.

Der Goldstandard ist Unsinn
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17 Kommentare zu "André Kostolany: Meine Ideen sind nicht tot!"

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  • Kostolany hat nicht pauschal gesagt, man solle kaufen und sich schlafen legen. Er sagte Anfang 90er, man solle sich ein paar Standardtitel kaufen und dann ein paar Jahre schlafen. Standardtitel waren gewiss nicht im NEMAX, sondern im DAX, z. B. BASF, Deutsche Bank etc. Und Kostolany hatte recht. Und vor dem Neuen Markt hatte er rechtzeitig gewarnt: "Betrug mit gezinkten Karten". Kann man alles bei Youtube sehen.

  • Vielleicht dachte Hayek dabei an die alte Redensart „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

  • Andrè Kostolany, hat meiner Meinung damals (2000) soviele Kleinanleger mit seiner Aussage "kaufen und schlafen legen" die Sicht auf Ihren möglichen Verlust vernebelt.
    Und dadurch zu dem eigentlichen Crash in der Öffentlichkeit beigetragen, nämlich das in Deutschland die Kleinanleger keine Lust mehr auf Aktien hatten.

    Mich würde mal interessieren wieviel denn Kostolany wirklich an der Börse mit Eigenem Geld wie z.B. Jesse Livermore oder Bernard M. Baruch oder auch Nicolas Darvas verdient hatte. Auch Gerald M. Loeb
    Sprich wie war seine G/V Bilanz am Ende seines Lebens.

    Mich würde es nicht wundern wenn diese negativ wäre.

    Was mich zudem an dem Artikel stört ist die große Überschrift als ob das die Ideen von Kostolany wären, andere oben genannte Spekulanten (Andrè Kostolany probagierte doch nur das Nachdenken über Investments) haben doch Ihre Ideen nur weitaus handfester zu Papier gebracht (Einige der Bücher von Kostolany durfte ich um 2000 herum lesen, rückblickend im Vergleich zu den anderen Autoren nur leere Worhülsen)

  • Da ich es angesprochen habe, ich kaufe nur ganz bestimmte ausgewählte Aktien. Die Dividenden werden reinvestiert. Verkaufen tue ich nicht und werde ich auch nicht. Damit bin ich bisher bestens gefahren.

  • Solarwind - Garantierte Preise und Abnahmegarantien von allem was produziert wird, welche Wirtschaftsform war das nochmal?

  • guter Beitrag, man kann vieles übernehmen aber bloss nicht "kaufen und halten" von "soliden Unternehmen" - das ist Selbstmord weil wir uns in einer langjährigen politisch- und zentralbankgeleiteten Börsenbaisse befinden, zumnindestens was den DAX angeht. Schaut mal den DAX und seine Bestandteile im historischen Verlauf seit 2000 an. Hoffnungslos.

  • Danke für die nette Mittags-Lektüre!

  • Merkel betet da lieber die Formel von A.Hayek nach
    (auch schon 30 Jahre tot) den sie in der Financial Times lobte.
    Seiner Idee einer „marktkonformen Demokratie“,hängt sie
    gläubig an.
    Demokratie solle gefälligst sich nach den Märkten richten.

    Wie aber hielt es von Hayek, der zu Merkels Freiheits- und Demokratielehrern zählt, mit der Demokratie? Sie war für den neoliberalen Meisterdenker „ein durch das Erpressungs- und Korruptionssystem der Politik hervorgebrachtes System,nichts als ein Ärgernis.

    „Es kann vernünftigerweise argumentiert werden, dass den Idealen der Demokratie besser gedient wäre, wenn alle Staatsangestellten oder alle Empfänger von öffentlichen Unterstützungen vom Wahlrecht ausgeschlossen wären.“so
    von Hayek.
    Sagte Röttgen nicht auch schon,das leider die Wähler
    entscheiden..(wer weiß wie lange noch)

    Kein Wahlrecht für Beamte, Hartz-IV-Bedürftige und Rentner: Wer hat, der soll auch das Sagen haben,das ist war Hayeks Demokratie-Utopie.
    Die Bundeskanzlerin pries in ihrer Eloge auf den Demokratieverächter auch dessen Aktualität: „In der Globalisierungsdebatte sind seine Ideen hochaktuell.“


  • was kostolany schon von sich gegeben hat, hat nach wie vor gültigkeit. allerdings ist auch mit zeitabstand die börse verändert. hier nun einiges was sicht nicht ändert:

    die ganze börse häng nur davon ab,
    ob es mehr aktien gibt als idioten
    oder mehr idioten als aktien.

    desweiteren soll man nicht vergessen, dass selbst das erfolgreichste unternehmen den bach herunter geht
    wenn es von einem idioten gelenkt wird.

    es gibt genügend beispiele dafür: westLB, karstadt, oppenheim-bank, general-motors, northern-rock, AIG, enron

    nicht nur kostolany auch warren buffet halten von bestimmten "finanzprodukten" die nichts weiter sind als hohles papier, garnichts. siehe derivate und auch staatsanleihen

  • Schade das Kostolany nicht mehr unter uns ist! Die Dauerkrise wäre um einiges leichter auszuhalten gewesen und es wäre um einiges unterhaltsamer gewesen Kostolany zuzuhören als den sogennaten und selbsternannten Analysten, Experten, Börsengurus usw. Ich kann dem Artikel nicht voll zustimmen aber er gefällt mir. Erinnert mich an meine ersten Schritte an der Börse. Bitte mehr solcher Artikel. Evtl. einen fiktiven Artikel mit Gordon Gekko.

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