André Kostolany
Meine Ideen sind nicht tot!

André Kostolany galt als Spekulant alter Schule, seine Ideen halten heute viele Anleger für veraltet. Würde er noch leben, bestritte er das mit Verve. Und zu Spanien hätte er gewiss eine Meinung. Ein fiktives Gespräch.
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Handelsblatt Online: Herr Kostolany, die Euro-Krise wütet. Viele Investoren fürchten, es könnte plötzlich zu Staatspleiten in der Euro-Zone kommen. Selbst Spanien scheint in Gefahr. Was würden Sie sagen?
André Kostolany: Diese Frage wurde mir früher hunderte Male gestellt, nur eben zu anderen Ländern, und meine Antwort bleibt immer dieselbe. Erstens: Nichts würde geschehen. Und zweitens: Das Wort 'plötzlich' ist, gelinde gesagt, leicht unpassend. Viele Länder sind praktisch seit Jahren zahlungsunfähig. Drittens: sie werden ihre Zahlungen aus dem einfachen Grunde nicht einstellen, weil die Gläubigerländer immer neue Kredite gewähren, damit sie die Zinsen bezahlen.

Aber ob sie das Kapital jemals zurück zahlen werden?
Das können wir sowieso vergessen. Die Schuldner-Gläubiger-Kette kann kurz oder lang sein, die letzten Gläubiger sind noch immer die Notenbanken. Die Europäische Zentralbank (EZB) für die Euro-Länder, die Federal Reserve (Fed) für die USA und die Bank of England für Großbritannien. Und diese sind niemandem etwas schuldig, außer ihrem Gewissen. Sie haben die Notenpresse und haben stets soviel Geld zur Verfügung, wie sie es für nötig halten, um alle Zahlungsverpflichtungen zu sichern.  Wozu soll man auch puritanisch Bilanz machen, wenn es auch ohne geht?

Aber ein solches Schuldengebilde muss doch irgendwann zusammenfallen wie ein Kartenhaus.
Mit etwas Zynismus würde ich behaupten, dass das ganze kapitalistische System eine Illusion, vielleicht sogar ein Schwindel ist, aber eben ein gut gemachter. Gott soll geben, dass er noch lange besteht.


Nicht wenige Anleger rechnen mit dem großen Crash an den europäischen Börsen, langfristig möglicherweise sogar mit einer Währungsreform. Ist ihre Furcht berechtigt?
Eine Antwort fällt mir - zugegeben - schwer. Denn dies sind nur Worte, Worte, Worte, deren Bedeutung ich nicht voll und ganz begreife. Ich würde zum Beispiel gerne wissen, was man unter einen Crash versteht oder einer Währungsreform versteht. Das sind nicht zwei, sondern zehndeutige Worte. Letztlich ist alles eine Frage des Vertrauens. Wenn es gelingt, das Vertrauen in Europa, die Institutionen, die Finanzmärkte zu erhalten, kann nichts passieren. Ist das Vertrauen kaputt, geht alles kaputt.  Übrigens völlig unabhängig davon, wie hoch der Schuldenstand ist.


Vor allem die Deutschen fürchten, dass das viele Geld der Notenbanken irgendwann zu Inflation führen wird.
Die Gefahr besteht. Denn der gefährlichste Faktor für die Inflation ist die Inflationserwartung. Da entwickelt sich wieder eine psychologisch motivierte Kettenreaktion. Die Preise fangen an zu steigen  aus den genannten fundamentalen Gründen, die Bevölkerung wird nervös, besonders in den Ländern, in denen sie verheerende Inflationen schon erlebt hat; die Spekulation greift ein, weil sie weitere Inflation erwartet und mit ihrer Spekulation auf weitere Inflation treibt sie die Preise noch weiter und untergräbt damit auch das Vertrauen der Sparer.

Kommentare zu " André Kostolany: Meine Ideen sind nicht tot!"

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  • Kostolany hat nicht pauschal gesagt, man solle kaufen und sich schlafen legen. Er sagte Anfang 90er, man solle sich ein paar Standardtitel kaufen und dann ein paar Jahre schlafen. Standardtitel waren gewiss nicht im NEMAX, sondern im DAX, z. B. BASF, Deutsche Bank etc. Und Kostolany hatte recht. Und vor dem Neuen Markt hatte er rechtzeitig gewarnt: "Betrug mit gezinkten Karten". Kann man alles bei Youtube sehen.

  • Vielleicht dachte Hayek dabei an die alte Redensart „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

  • Andrè Kostolany, hat meiner Meinung damals (2000) soviele Kleinanleger mit seiner Aussage "kaufen und schlafen legen" die Sicht auf Ihren möglichen Verlust vernebelt.
    Und dadurch zu dem eigentlichen Crash in der Öffentlichkeit beigetragen, nämlich das in Deutschland die Kleinanleger keine Lust mehr auf Aktien hatten.

    Mich würde mal interessieren wieviel denn Kostolany wirklich an der Börse mit Eigenem Geld wie z.B. Jesse Livermore oder Bernard M. Baruch oder auch Nicolas Darvas verdient hatte. Auch Gerald M. Loeb
    Sprich wie war seine G/V Bilanz am Ende seines Lebens.

    Mich würde es nicht wundern wenn diese negativ wäre.

    Was mich zudem an dem Artikel stört ist die große Überschrift als ob das die Ideen von Kostolany wären, andere oben genannte Spekulanten (Andrè Kostolany probagierte doch nur das Nachdenken über Investments) haben doch Ihre Ideen nur weitaus handfester zu Papier gebracht (Einige der Bücher von Kostolany durfte ich um 2000 herum lesen, rückblickend im Vergleich zu den anderen Autoren nur leere Worhülsen)

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