André Kostolanys Börsenweisheit
„Die Börse benimmt sich wie oft ein Alkoholiker“

  • 2

Die Börse ist ein Abbild des Lebens

Auch Fondsmanager Christoph Bruns kennt die Launen von Mr. Market nur zu gut. „Die Börse ist ein Abbild des Lebens und als solche weiß Gott nicht frei von Widersprüchen“, sagt der Mitinhaber der Fondsgesellschaft Loys. „Zuweilen erscheint das Börsenverhalten sogar extrem unlogisch. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Börsenkurse und -entwicklungen letztlich das gebündelte Ergebnis menschlichen Handelns sind. In dem Maße, wie der Mensch unlogisch und irrational sein kann, ist es die Börse auch.“ 

Benjamin Graham riet Anlegern einst, nicht am närrischen Treiben der Börse teilzunehmen, sondern davon zu profitieren. „Entscheidend für die Börsianer ist, dass in Situationen ausgeprägter Irrationalität mitunter große Fehler gemacht werden“, beobachtet auch Bruns immer wieder. Antizyklische Anleger erkennen solche Situationen und handeln – auch wenn es psychologisch nicht immer leicht ist, sich scheinbar gegen die breite Marktmeinung zu stellen. „Dabei muss man sich daran erinnern, dass langfristig an der Börse nicht abgestimmt wird, ob etwas wertvoll oder weniger wertvoll ist“, so Bruns. „Sondern im Laufe der Zeit wird anhand von Daten und Fakten gewogen und gemessen, wie es um die Werthaltigkeit steht.“ Es ist keineswegs ein Zufall, dass die profitabelsten Unternehmen der Welt in der Regel auch die wertvollsten Aktien haben. 

Frank Lingohr bringt es auf den Punkt: „Unlogische Reaktionen des Marktes können durch logisches Verhalten gewinnbringend ausgenutzt werden.“ Wer als Anleger nüchtern handelt, kann in Zeiten alkoholisierter Börsen gute Geschäfte machen. Im Klartext heißt das, Nachrichten darauf zu überprüfen, ob sie einen Einfluss auf den Wert eines Unternehmens haben oder nicht. „Nur Informationen, die den Unternehmenswert beeinflussen, sollten bei Investmententscheidungen eine Rolle spielen“, sagt der Vermögensverwalter. „Wenn die Kurse trotz Nachrichten, die den Unternehmenswert eigentlich positiv beeinflussen, dann aber irrationalerweise sinken – umso besser. Dann bietet sich für Anleger eine gute Möglichkeit, niedrig bewertete Titel zu finden.“

Und was den Dax angeht: Die Hoffnung auf neue EZB-Hilfen und mehr billiges Geld der US-Nottenbank sorgt für gut Laune und stabilisiert die Märkte. Es wird sich zeigen, wie lange diese Gemengelage Mr. Market jubeln lässt.

Die Börsenweisheiten gibt es jetzt auch als Buch „Sell in May and go away?“ im Kaufhaus der Weltwirtschaft.

Der Autorin auf Twitter folgen:

Jessica Schwarzer
Jessica Schwarzer
Handelsblatt / Chefkorrespondentin Börse

Kommentare zu " André Kostolanys Börsenweisheit : „Die Börse benimmt sich wie oft ein Alkoholiker“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Eine schöne Zusammenstellung der Thematik.

    Die Frage ist wie man Mr. Market heilen kann?
    Letztlich nur in dem man ihm die Handlungsoptionen nimmt:
    Börse nur noch einmal die Woche öffnen?
    In der aktuellen Trading-Szene und Minutenhandel (leider) unmöglich!
    Andererseits eröffnen sich durch Preissprünge Chancen billig Aktien einzusammeln.

  • Die Börsianer ebenso.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%