Andreas Utermann
„Die zweite Welle wird kommen"

Andreas Utermann ist Chief Investment Officer, Allianz Global Investors. Im Interview spricht er über den Börsenaufschwung in Tokio und die Zukunftsaussichten des japanischen Aktienmarktes.

Handelsblatt: Sie sagen, der Nikkei 225 könnte Ende des Jahres bei 20 000 Punkten stehen, und raten, Japan überzugewichten. Was macht Sie so optimistisch?

Andreas Utermann: Neben den makroökonomischen Gründen – wir glauben Japan hat die Deflation überwunden – schauen wir auf Nachfrage und Angebot. Niemand ist bisher in japanischen Aktien übergewichtet, weder die japanischen noch die ausländischen Investoren.

Das sehen einige ausländische Anlagemanager aber anders und denken an Verkauf . . .

Viele sind nahezu neutral, aber da die Aktien in Japan so schnell gestiegen sind, steigt auch der Anteil der japanischen Aktien bei neutraler Gewichtung. So denken viele, sie seien übergewichtet, obwohl sie es noch nicht sind. Japanische Anleger wiederum sind größtenteils in Sparanlagen investiert. Ich sehe aber nicht, wie jemand mit Zinssätzen von zwei oder drei Prozent seine Rente finanzieren will. Bei den niedrigen Zinsen sind Aktien eine natürliche Alternative. Meiner Meinung nach wird das für eine zweite Kaufwelle sorgen.

Was könnte denn die Japaner an den heimischen Markt bringen?

Was dafür Auslöser sein wird, weiß ich nicht. Inflation könnte der Auslöser sein. In deflationärer Umgebung war das Sparbuch vielleicht noch eine rationale Entscheidung, jetzt nicht mehr. Der Yen könnte der Auslöser sein. Wenn er steigt, drückt dies auf den Wert der Auslandsanlagen. Je näher Privatinvestoren ans Rentenalter kommen, desto weniger wollen sie das Währungsrisiko tragen – und Hedging kostet Geld. Ich denke deshalb, dass weniger japanisches Geld das Land verlassen wird.

Und die Auslandsanleger, die bisher den Markt getragen haben?

Im Moment sind sie eher in Gewinnmitnahmestimmung. Der Markt hat aber mittelfristig das Potenzial, noch ziemlich substanziell hoch zu gehen. Es ist nur der Anfang einer Erholung. Ich gehe davon aus, dass die ausländischen Investoren den großen Anstieg verpassen werden, der durch inländische Anleger entsteht. Der könnte den Nikkei-Index auf 25 000 Punkte heben, bevor ausländische Investoren wieder reinkommen.

In welcher Zeitspanne?

Jederzeit in den kommenden zwei Jahren. Wer vor einem Jahr den Nikkei bei 14 000 Punkten sah, galt als bullish. Die Dinge überholen einen hier dauernd. Eine so langfristige Erholung wie derzeit in Japan sieht man nicht oft in den Märkten. Wenn ein langfristiger Abwärtstrend aber gebrochen wird, beurteilen die Leute die Entwicklung oft aufgrund der Erfahrung der letzten zwei Jahrzehnte. Deshalb nehmen sie Gewinne zu früh mit und kaufen sich dann zu hoch wieder ein. Wir sind weit von irgendeiner Übertreibung im Markt entfernt.

Was sind die größten Risiken in Ihrem Szenario?

Dass wir mit unserer Annahme falsch liegen, dass Japan die Deflation überwunden hat und die ersten Zinserhöhungen die Wirtschaft vom Kurs abbringen. Aber das ist nicht unser Hauptszenario.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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