Andreas Utermann im Interview
„Es gibt noch viele günstige Aktien“

Anleger kommen um Aktien nicht herum - weil sichere Anlagen in Staatsanleihen oder Geldmarktfonds kaum Rendite bringen. Das sagt Andreas Utermann, Anlagestratege von Allianz Global Investors. Im Interview erklärt er, worauf es bei der Aktienauswahl ankommt und warum Anleger mehr in Schwellenländern investieren sollten. Ob und wann die Börsenrally ein Ende findet, entscheide sich im nächsten Jahr.

Handelsblatt: Was bedeutet der Ausgang der Bundestagswahl für die Märkte?

Andreas Utermann: Der Wahlausgang wird von den Märkten honoriert, denn er bringt positive Impulse für die deutsche Wirtschaft. Dabei stehen insbesondere Reformen der Einkommenssteuer und Unternehmenssteuer im Blickpunkt, die sich als förderlich für das Wachstum erweisen dürften. Die Rückkehr auf den Wachstumspfad sollte zunächst höhere Priorität haben als die Rückkehr zu fiskalischer Konsolidierung. Die Mehrausgaben in Deutschland könnten zudem helfen, die globalen Ungleichgewichte zu verringern und somit eine der Hauptursachen der Krise zu entschärfen.

An den Aktienmärkten geht es seit einem halben Jahr fast ununterbrochen aufwärts. Sind die Kurse zu schnell, zu stark gestiegen?

Nicht unbedingt, wir haben jetzt erst wieder den Stand von vor einem Jahr erreicht. Damals waren wir in einer außergewöhnlichen Situation. Zwischen September 2008 und März 2009 war nicht klar, ob das Finanzsystem überlebt. Wir waren mehrmals kurz vor dem Kollaps. Das erklärt die massiven Einbrüche an den Börsen. Jetzt kehren wir erst zur Normalität zurück. Es ist immer noch viel Liquidität vorhanden, die in die Märkte fließen wird. Darüber hinaus sind niedrige Zinsen und die Hoffnung auf eine Konjunkturerholung im Jahr 2010 eingepreist.

Wie geht es weiter?

In den nächsten zwölf Monaten dürfte der Markt seitwärts laufen, mit leichter Tendenz nach oben. Die Volatilität wird gleichzeitig hoch bleiben, insbesondere bei einzelnen Branchen oder Aktien wird es große Ausschläge von plus, minus 20 Prozent geben. Das ist auch gut so. Dadurch ergeben sich Chancen für aktives Management, also die gezielte Auswahl von Einzeltiteln. Aktien sind weiterhin interessant, weil sichere Anlagen in Staatsanleihen oder Geldmarktfonds kaum Rendite bringen.

Das Problem ist, Aktien zu finden, die noch günstig sind.

An der Börse findet sich eine Reihe von Aktien, die besser sind, als der Kurs vermuten lässt. Für uns sind Aktien interessant, die noch nicht so stark gestiegen sind und gleichzeitig solide Bilanzen, eine starke Marktposition und eine hohe Dividendenrendite aufweisen. Das gilt für fast alle Branchen. Das Gegenbeispiel sind Bankaktien. Die sind bereits kräftig gestiegen, obwohl die Probleme der Branche noch längst nicht gelöst sind.

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