Andy Kastner im Interview
„Nur wer mutig ist, schlägt die Masse“

An der Börse geht es seit Monaten aufwärts. Die Kurse liegen fast schon wieder so hoch wie vor dem Einbruch im vergangenen Herbst. Droht jetzt ein Rückschlag? Nein, sagt Andy Kastner, Aktienexperte von Julius Bär. Im Interview erklärt der Schweizer, wo es noch Schnäppchen gibt und warum man etwas Mut braucht.

Handelsblatt: An den Aktienmärkten steigen die Kurse seit einem halben Jahr fast ununterbrochen. Geht das so weiter oder droht ein Rückschlag?

Kastner: Eine Verschnaufpause wäre gesund, aber es droht kein heftiger Rückschlag. Das liegt daran, dass viele große Investoren wie Versicherungen und Pensionskassen bisher kaum investiert haben. Deren Aktienquoten befinden sich beinahe auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Und mit jedem Tag tut das mehr weh. Weil auf dem Geldmarkt oder mit Staatsanleihen nicht viel zu holen ist, müssen sie nach und nach auf den Aktienmarkt zurückkehren, was wiederum die Kurse stützen wird.

Sind Aktien nach der Rally nicht schon zu teuer?

Nein. Jetzt ist erst wieder das Niveau erreicht, auf dem wir vor dem Lehman-Schock waren. Die Verluste an den Börsen waren wie eine Art Risikoprämie für den Fall, dass das gesamte Finanzsystem zusammenbrechen könnte. Diese Gefahr besteht nun nicht mehr. Bei der darauffolgenden Erholung haben anfangs vor allem die Aktien gewonnen, die vorher deutlich eingebrochen waren. Die Rally hing von wenigen Branchen wie den Banken oder Zyklikern ab. Inzwischen hat die Erholung aber an Breite gewonnen. Das ist ein gutes Zeichen.

Sollten Anleger jetzt einsteigen?

Die Bewertungen sind nach wie vor attraktiv. Viele Unternehmen werden an der Börse immer noch zu ihrem Buchwert gehandelt. Wenn man nicht davon ausgeht, dass diese Unternehmen auf Jahre hin Verluste schreiben, kann man mit den Aktien eigentlich nicht viel falsch machen. Außerdem sind die Dividendenrenditen hoch.

Wo steht der Dax am Ende des Jahres?

Vom aktuellen Niveau ausgehend dürfte der Dax bis Jahresende noch zehn Prozent zulegen. Für unsere Strategie spielt das aber kaum eine Rolle. Wir schauen weniger, wohin es mit dem Markt geht. Auch die Frage, ob man besser zyklische oder defensive Aktien kaufen sollte, ist nicht wichtig. Wir schauen nicht von oben herab, sondern fangen unten an. Wir analysieren jedes Unternehmen einzeln: Wie ist das Geschäftsmodell, wie entwickeln sich Gewinne und Kapitalrendite, ist die Aktie unterbewertet.

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