Angebot hat stark zugenommen
Devisenhandel lockt private Anleger

Der Devisenmarkt rückt zunehmend in den Fokus privater Anleger. Bisher war der Währungshandel fast ausschließlich großen institutionellen Investoren wie Banken, Hedge-Fonds oder Pensionskassen vorbehalten. Doch mit einem wachsenden Angebot an Produkten wie Zertifikaten wird der Markt auch für Private interessant.

DÜSSELDORF. "Devisen sind das größte und eigentlich auch das älteste Anlagesegment", sagt Christian Pohl, Chefdevisenstratege der FXdirekt Bank. Insgesamt würden täglich rund 1 900 Mrd. Dollar am Devisenmarkt gehandelt. Das sind Umsätze, von denen andere Märkte nicht einmal zu träumen wagen. Für Pohl ist das wachsende Interesse der Investoren am Devisenmarkt eine Folge der Entwicklung an anderen Märkten, zum Beispiel als Alternative zu seitwärts laufenden Börsen. "Es ist eine logische Konsequenz, dass Devisen im privaten Sektor aus dem Schattenbereich heraustreten", sagt der FX-Stratege. Dieser Trend werde sich noch verstärken.

Das wachsende Angebot an Produkten wie Zertifikaten oder Optionsscheinen bestätigt bisher seine Erwartung. Dies hat auch Antje Praefcke von PFC - Praefcke Financial Consulting beobachtet. "Das Angebot hat stark zugenommen."

Einig sind sich die Experten aber darin, dass das Geschäft mit Währungen eng mit dem Begriff Spekulation verbunden ist. Antje Praefcke sieht Devisenengagements daher lediglich als "gute Beimischung", bei der die Vorsicht nicht außer Acht gelassen werden dürfe: "Devisen sind keine Aktie, die man einfach liegen lassen kann", rät sie langfristig orientierten Investoren von einem Engagement ab. Im Gegenteil: Es handele sich um einen Markt mit sehr schnellen Bewegungen, der einige wirtschaftliche Kenntnisse erfordere. Unabdingbar sei etwa eine tägliche Beobachtung der Kursbewegungen, und zwar über das jeweilige Währungspaar hinaus. So wird der Wechselkurs des Euros zum Dollar auch durch die so genannten "cross rates", also die Wechselwirkungen mit anderen Währungspaaren wie Euro/Yen oder Dollar/Yen, beeinflusst. Damit werde ein direktes Engagement am Devisenmarkt für private Anleger schnell zum "Roulettespiel", sagt Praefcke. In der Regel fehlten ihnen die nötigen Informationen.

FX-Stratege Pohl drückt es anders aus: "Die Assetklasse eignet sich hervorragend zu spekulativen Anlagezwecken", sagt er. Er lobt vor allem die hohe Liquidität des Devisenmarkts, wodurch der Einfluss einzelner Marktteilnehmer begrenzt sei. Zudem sei der Handel hier rund um die Uhr möglich.

Laut Pohl haben Investoren den "schnellsten und einfachsten Zugang" über Zertifikate und Handelsplattformen, von denen es inzwischen einige gibt. Im Fokus stehen zurzeit vor allem Zertifikate. "Bei Hebelprodukten sind Turbo-Zertifikate auf den Euro/Dollar-Wechselkurs gefragt. Hier ist ein verstärktes Interesse spekulativ orientierter Anleger zu erkennen", sagt Frank Burkhardt, der bei der Société Générale (SG) das weltweite Geschäft mit Zertifikaten und Optionsscheinen verantwortet. Allerdings haben die Hebelprodukte ihre Tücken. Anleger sollten unbedingt Stop-Loss-Kurse setzen, rät Pohl. Die Bewegungen verliefen sehr schnell und würden durch die Hebelwirkung noch verstärkt. Mittel- bis langfristig orientierte Anleger sollten daher auf langfristige Zertifikate mit geringem Hebel setzen.

Eine andere Möglichkeit, von der Währungsentwicklung zu profitieren, sind Devisenkonten, also Konten, die auf eine fremde Währung lauten. Allerdings müssen Anleger hierbei Konto- und Transaktionskosten berücksichtigen, die mögliche Gewinne schmälern und Verluste vergrößern können.

Eine wichtige Rolle spielen Devisen für Anleger schließlich als Absicherung gegen negative Überraschungen bei anderen Anlagen, etwa im Rohstoffbereich. "Besonders währungsgesicherte Zertifikate werden immer wichtiger", sagt SG-Experte Burkhardt. "Anleger brauchen sich bei ihren Rohstoffinvestments keine Sorge mehr um den schwachen Dollar zu machen, wenn sie auf währungsgesicherte Produkte setzen."

Hintergrund

Der Devisenhandel wird bisher klar von institutionellen Investoren dominiert: Notenbanken versuchen, die Kurse durch Interventionen am Devisenmarkt zu beeinflussen. Neben der US-Notenbank (Fed) und der Europäischen Zentralbank (EZB) ist die Bank of Japan (BoJ) von Bedeutung. Sie hat bis Anfang 2004 massiv in den Markt eingegriffen, um eine zu starke Aufwertung des Yens zu verhindern.

Der Interbankenhandel beschreibt den Handel der Geschäftsbanken weltweit untereinander. Neben der Absicherung von Kundengeschäften spielt hier auch der Eigenhandel eine große Rolle. Bei den Devisen werden Kursunterschiede zwischen Währungen durch Arbitrage ausgenutzt.

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