Angemessenere Risikobewertung
Lehren aus der US-Hypothekenkrise

Die Subprime-Krise in den USA, die durch die Vergabe von Hypotheken an Kreditnehmer mit schlechter Bonität ausgelöst wurde, hat sich als Katalysator für eine Neubewertung von Risiken an den Finanz- und Anleihenmärkten erwiesen.

HB MÜNCHEN. Diese Krise ist ein klassisches Beispiel für einen Dominoeffekt, der aufgrund der zunehmenden Integration der weltweiten Finanzmärkte seine Auswirkungen auch in Europa und damit in Deutschland spürbar machte. Zu einer solchen Entwicklung muss es aber nicht zwangsläufig kommen. Im gegebenen Fall waren die Bedingungen in Form von äußerst geringen Spreads für Unternehmens- und sonstigen Anleihen und systemischem Leverage aufgrund der günstigen Zinssituation und Verfügbarkeit von Fremdkapital gegeben.

Die Verschlechterung im Hinblick auf die Vergabe von Subprime-Immobilienkrediten hat sich insbesondere auf Collateralized Debt Obligations (CDO) ausgewirkt, da Subprime-Kredite auch über diese strukturierten Anlageformen im Kapitalmarkt refinanziert wurden. Bei CDOs handelt es sich um forderungsbesicherte Schuldscheine, die sich unter anderem auf Anleihen, Kredite oder Derivate beziehen können. Die Verschlechterung im Hinblick auf forderungsbesicherte Wertpapiere (ABS) wirkte sich rasch auf andere Bereiche aus, da Marktteilnehmer gezwungen waren, fremdfinanzierte Positionen in diesen und anderen Wertpapieren, die als Schuldensicherheit dienten, zu liquidieren. Da die Märkte sich festfuhren und sich für diese Positionen keine Käufer fanden, verlagerten sich die Zwangsverkäufe auf liquidere und qualitativ hochwertigere Wertpapiere, so dass auch diese letztendlich betroffen waren.

Mit den sich verstärkenden Turbulenzen auf den Finanzmärkten wurde das Risiko einer weitreichenden Kreditverknappung zu einer echten Gefahr für die Weltwirtschaft. Das wachsende Risiko veranlasste die Zentralbanken weltweit auf diese Situation zu reagieren und den Märkten mehr Liquidität zur Verfügung zu stellen. Als das Subprime-Problem schließlich auch den Aktienmarkt erfasste, sah sich die US-amerikanische Notenbank gezwungen, den Diskontsatz zu senken, was wiederum zu einer erhöhten Nachfrage nach Aktien führte.

Trotz der bereits bekannten und wenig erfreulichen Auswirkungen hat diese Krise auch positive Seiten, denn es wurde ein kollektiver Lernprozess in Gang gesetzt: Anleger werden in Zukunft verstärkt darauf achten, für ihre Risiken adäquat vergütet zu werden. Mittlerweile haben auch die Renditen für Preferred Securities (nachrangige Anleihen erstklassiger Emittenten) und High Yield-Anleihen wieder ein Niveau erreicht, welches sie unter dem Gesichtspunkt Risiko-Rendite-Verhältnis interessant machen.

Die Einstellung gegenüber kreditfinanzierten Investitionen wird sich zumindest in den nächsten Jahren grundsätzlich verändern und auch Banken werden in der Vergabe von entsprechenden Mitteln vorsichtiger sein.

Anleger werden in Zukunft kritischer gegenüber Ratings sein, die im Zusammenhang mit strukturierten Anlageformen vergeben werden. Hier gilt es sich grundsätzlich nicht mehr ausschließlich auf Ratings zu fokussieren, sondern in den Entscheidungs- und Auswahlprozess unterschiedliche Parameter einfließen zu lassen.

Heiko Schuleit ist Geschäftsführer deutschsprachiges Europa bei Principal Global Investors (Europe).

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