Angst vor Inflation
Die Enteignung der Sparer beginnt

Sparsame Normalbürger zahlen die Zeche für die ausufernde Schuldenpolitik. Die Jagd auf das Geld der Deutschen hat begonnen. Es drohen niedrige Zinsen, fallende Aktienkurse und steigende Steuern.
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Edgar Stilp, Geschäftsführer von Koch Immobilien in Düsseldorf, macht glänzende Geschäfte. Er hat etwas, was bei den Anlegern jetzt ganz besonders gefragt ist: Sachwerte, Vermögensanlage zum Anfassen. „Wir merken schon, dass die Angst vor Inflation vor allem bei Privatleuten erheblich ist“, sagt er.

Neulich hat eine Familie aus seinem Kundenkreis ein Unternehmen verkauft. Dann hieß es: „Jetzt noch schnell rein in Sachwerte, bevor die Inflation das auffrisst“, erzählt er. Sicherheit steht an erster Stelle. Auch die Rendite spielt eine Rolle: „Wenn ich Festgeld anlege und die Inflation abziehe, bleibt ja nix mehr über, deswegen denken die Kunden über Alternativen nach“, sagt er im rheinischen Tonfall.

Für Stilp sind die Sorgen der Kunden ein gutes Geschäft. Zurzeit machen sich viele Deutsche Sorgen. Sie fragen sich angesichts der ausufernden Euro-Krise: „Geht das alles gut? Bleibt der Euro erhalten?“ berichtet Jürgen Simon, Direktor des Private Banking der Kreissparkasse Köln. Viele fürchten, dass die Krise sie bald auch persönlich trifft – als Sparer und als Steuerzahler.

Die Angst vor Inflation hat sich tief in die kollektive Seele der Deutschen eingebrannt. Kein Wunder: Zwei Währungsreformen im 20. Jahrhundert, verbunden mit der Erinnerung an verlorene Kriege, werfen lange Schatten. Zur Erinnerung: Am 20. November des Jahres 1923, am Ende der großen Inflation, bekam man für 4,2 Billionen Mark gerade noch einen Dollar.

Nach dem Ersten Weltkrieg war eine gewaltige Verschuldung entstanden, weil der Staat den Krieg finanzieren wollte und das Geld dafür niemandem so einfach wegnehmen konnte – stattdessen verkaufte er im großen Stil Kriegsanleihen. Historiker Heinrich August Winkler schreibt im Rückblick: „Die Sparer und Zeichner von Kriegsanleihen waren damit die eigentlichen Opfer der Inflation.“ Verlierer waren auch die Arbeiter, weil deren Löhne hinter der Preissteigerung zurückblieben. Insgesamt lässt sich also festhalten: Der fleißige und sparsame Normalbürger hat den Krieg nachträglich bezahlt.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Dieses Schema erkennen wir heute wieder. Der Staat will zwar keinen Krieg mehr finanzieren, dafür aber Sozialleistungen, Bildung und jetzt auch noch die Rettung des Euros. Eigentlich müsste er die Bürger dafür sofort zur Kasse bitten. Doch politisch einfacher ist es, das möglichst weit hinauszuschieben. Leider scheitert diese Strategie am Ende dramatisch – jetzt schon in schwachen Ländern, bald auch bei uns.

In den USA lief diese Verschuldungsspirale zunächst vor allem über die privaten Haushalte. Damit jeder etwas Wohlstand spürte, wurden mit staatlicher Unterstützung Kredite an Privatleute sehr erleichtert. Zugleich sorgte eine lockere Geldpolitik für steigende Immobilienpreise und damit für gefühlten Reichtum.

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  • Wer mehr über über Enteignung der Sparer (im Nachstehenden erfasst werden "financel assets") lesen will:

    http://www.bcg.de/documents/file87307.pdf

    und dazu über geplante Massnahmen:

    http://ftd.de/karriere-management/management/:abgeworbener-finanzfachmann-schaeuble-hievt-top-berater-auf-schluesselposten/60136385.html

    oder im Handelsblatt vom 22.12.2011 Artikel von Daniel Stelter zu lesen:
    "Wir kommen um einen klaren Schnitt nicht herum"

    Unverhohlen wird darüber nicht nur spekuliert, sondern auch die wahrscheinliche Durchführung dargestellt.

  • Wer mehr über über Enteignung der Sparer (im Nachstehenden erfasst werden "financel assets") lesen will:

    http://www.bcg.de/documents/file87307.pdf

    und dazu über geplante Massnahmen:

    http://ftd.de/karriere-management/management/:abgeworbener-finanzfachmann-schaeuble-hievt-top-berater-auf-schluesselposten/60136385.html

    oder im Handelsblatt vom 22.12.2011 Artikel von Daniel Stelter zu lesen:
    "Wir kommen um einen klaren Schnitt nicht herum"

    Unverhohlen wird darüber nicht nur spekuliert, sondern auch die wahrscheinliche Durchführung dargestellt.

  • Das Handelsblatt hat schon früh einen Sinn für Realitäten entwickelt: Am 24.09.2011 meinte es zum offiziellen und inoffiziellen Schuldenstand der Nation (also 2 Bio. Euro oder 85% BIP gegen 6,8 Bio. Euro oder 285% BIP): Die größte Lüge Deutschlands. Das erwarte ich auch von einer Wirtschaftszeitung besonders in so dramatischen Situationen wie der Derzeitigen. Und hier geht es weiter so mit dem Zitat von Georges Soros: "Die derzeitigen Maßnahmen sind nicht ausreichend, kommen zu spät und lösen weltweit Verwerfungen auf den Finanzmärkten aus“. Soros sagt frank und frei: Ich bin Spekulant und wenn man den Fianzmärkten freie Hand lässt, dann nutze ich das aus: Also: nicht die Spekulanten sind schuld an der Finanzkrise, sondern der sogenannte "Freie Kapitalismus", der dann schnell in diese Regelungslücke springt. In USA ist das so, hier hat sogar eine Allianz aus Vermögensbesitztern, Politik und Harvard Expertise mit eingekauften Gutachteragenturen (Eine Interdependenz der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ordnung nach Friedrich August von Hayek?) dafür gesorgt, daß Finanzmärkte auch ungeregelt bleiben.
    In unserem Lande hat die Politik den frühen Ruf von Walter Eucken: "Wir müssen nicht die Auswüchse wirtschaftlicher Macht, sondern wirtschaftliche Macht selbst bekämpfen": Zum Beispiel Gerhard Schröder, der in der Westentasche des Herrn Piech die große Welt zu sehen bekam, um den Preis, daß er die Interdependenz von wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Ordnung begreift: Der Staat ist die Lobby der Wirtschaft.

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