Angst vor Risiko nimmt zu

Deutsche wollen Geld vor allem in Immobilien anlegen

Höheres Risiko für höhere Rendite? Die meisten Deutschen würden dieses Angebot ablehnen. 2016 soll sich diese ohnehin schon hohe Risikoaversion noch verstärken, schätzt die GfK. Wer Geld hat, will damit in Immobilien.
Derzeit liegen die Zinsen niedrig. Das animiert zum Hauskauf. Quelle: gms
Nullzins macht Immobilien attraktiv

Derzeit liegen die Zinsen niedrig. Das animiert zum Hauskauf.

(Foto: gms)

BerlinWenn die Deutschen im nächsten Jahr eine größere Geldsumme übrig haben, wollen sie diese am liebsten in Immobilien anlegen. In einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens GfK für den Bankenverband nannten 37 Prozent die derzeit vergleichsweise zinsgünstige Immobilie als Wunschanlage für 2016, wie der Verband am Dienstag in Berlin mitteilte. Auf Platz zwei stehen mit jeweils 28 Prozent Fest- und Tagesgeld, erst auf dem dritten Rang liegt mit 25 Prozent das Sparkonto beziehungsweise der Sparplan. 2014 und 2015 hatten jeweils die meisten Befragten nach eigenen Angaben ihr Geld bevorzugt aufs Sparkonto gelegt.

Nach wie vor sind die Bürger bei der Geldanlage risikoscheu. 72 Prozent gaben in der Umfrage an, sie könnten sich „gar nicht“ vorstellen, für eine mögliche höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. 19 Prozent können sich dies „eher nicht“ vorstellen. „Gut“ (sieben Prozent) oder „sehr gut“ (zwei Prozent) kann sich nicht einmal jeder Zehnte ein höheres Risiko vorstellen.

„Der Anteil der Anleger, die jegliches Risiko bei der Geldanlage ablehnen, hat im Vergleich zum Vorjahr noch zugenommen“, erläuterte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands, Michael Kemmer. Allerdings reiche für den langfristigen Vermögensaufbau eine Rendite nahe Null nicht aus, warnte er. „Die strikte Risikoaversion ist daher fatal.“

Die Bürger selbst sind in diesem Jahr allerdings mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlagen zufrieden. Unter denen, die Geld angelegt hatten, bezeichneten sich 53 Prozent als zufrieden mit der Entwicklung, 47 Prozent waren unzufrieden. Im Vorjahr hatten sich hingegen 66 Prozent unzufrieden und nur 33 Prozent zufrieden geäußert.

Für die Erhebung befragten die GfK-Marktforscher Anfang Dezember 1004 Menschen ab 18 Jahren. Die Umfrage ist den Angaben zufolge repräsentativ für die in Deutschland wohnende Bevölkerung.

Mythen und Irrtümer der Immobilienfinanzierung
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Nur auf die Höhe der Rate kommt es an

Schön wär's. Die niedrigen Bauzinsen verlocken zwar zum Hauskauf, mancherorts sind die Kreditraten damit kaum höher als die monatliche Miete. Aber es kommt auch auf das Verhältnis von Zins und Tilgung an. Wer nur eine niedrige Tilgungsrate – zum Beispiel ein Prozent – vereinbart, zahlt den Kredit langsamer zurück als bei einem hohen Zinssatz und gleicher Tilgungsrate. Das ist eine Konstruktionseigenschaft der hierzulande üblichen Annuitätendarlehen. Die niedrigen Zinsen sollten unbedingt dazu genutzt werden, eine höhere Tilgungsrate zu vereinbaren, damit die Immobilie deutlich zügiger abgezahlt ist. Dafür ist dann aber die Rate höher. Zudem sichert eine lange Zinsbindung von 15 oder sogar 20 Jahren das niedrige Zinsniveau bis zur Anschlussfinanzierung.

 

Quelle: Baufi24, Interhyp, eigene Recherche

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Immobilienpreis plus zirka zehn Prozent genügen

Die Faustformel ist tückisch. Nur wer für seine Immobilienfinanzierung realistisch rechnet, vermeidet spätere Geldnot. Das heißt, dass neben den reinen Baukosten bzw. dem Immobilienkaufpreis auch noch eine erhebliche finanzielle Belastung durch Maklerprovision, Grunderwerbssteuer, Doppelbelastung durch Miete und Kreditraten, Notar- und Gerichtsgebühren sowie die Ausgaben für Einrichtung sowie laufende Instandhaltung und Pflege einkalkuliert werden muss. Schon durch die gestiegene Grunderwerbssteuer sollten wenigstens 15 Prozent für diese Nebenkosten eingeplant werden. Diese Ausgaben lassen sich teilweise mitfinanzieren, teils sind sie aus dem Eigenkapital zu bestreiten. Wer das übersieht, rutscht leicht in die roten Zahlen und riskiert, dass der Traum vom Eigenheim platzt.

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Die besten Konditionen gibt es von der Hausbank vor Ort

Besteht ein langjähriges Vertrauensverhältnis zur Hausbank, ist es sinnvoll, auch dort die Finanzierungskonditionen für den Immobilienkauf zu erfragen. Ist man bereits als zuverlässiger Kreditnehmer bekannt, verzichtet die Hausbank gern auf den einen oder anderen kleinen Zinsaufschlag. Sich nur auf das Angebot der Hausbank zu stützen, ist jedoch fatal. Nur ein möglichst breiter, konkreter Vergleich mit den Konditionen anderer Finanzierer anhand identischer Eckdaten wahrt die Chance auf eine möglichst günstige Finanzierung – und verbessert im Zweifel die Verhandlungsposition gegenüber der Hausbank. Oft sind die Konditionen der Online-Anbieter dennoch günstiger.

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Jeder Euro muss ins Haus gesteckt werden

Diesen Druck verspüren viele Bauherren, aber empfehlenswert ist das nicht. Unvorhergesehene Mehrausgaben – etwa für Nachbesserungen, Reparaturen, Bauverzögerungen oder unvorhersehbare Ereignisse – können gerade in der Frühphase einer Baufinanzierung leicht zur Zerreißprobe werden, wenn dafür keine Rücklage vorhanden ist. „Für unvorhersehbare Ereignisse solle immer eine ausreichend große finanzielle Reserve eingeplant werden“, empfiehlt Stefan Scharfenroth, Geschäftsführer des Baufinanzierungsportals Baufi24.de. Bewahren Sie sich also Ihre Spielräume.

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Ohne Muskelhypothek wird es zu teuer

Die Kreditsumme wollen viele Bauherren durch Eigenleistungen drücken, zumal sie von den Banken in der Regel als eingebrachtes Eigenkapital anerkannt werden und so aus Sicht des Kreditgebers das Ausfallrisiko senken. Bei der Planung von Eigenleistungen kommt es jedoch häufig zur Selbstüberschätzung. Erhöhter Zeitaufwand, mangelnde Fachkenntnis oder Krankheit können die ehrgeizigen Pläne zur Eigenleistung zunichte machen. Muss dann doch ein Handwerker beauftragt und womöglich der Finanzierungsrahmen erhöht werden, drohen erhebliche Mehrausgaben. Zielführend ist eine eher zurückhaltende Planung der Eigenleistung.

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Hausbesitzer müssen den Gürtel enger schnallen

Durchschnittlich dauert es 20 bis 30 Jahre, bis ein Immobilienkredit abbezahlt ist. Das hängt unter anderem von der gewählten Tilgungsrate ab. „Niemand sollte aber 20 oder 30 Jahre lang den Gürtel enger schnallen müssen“, sagt Michiel Goris, Vorstandschef  der Baufinanzierungsplattform Interhyp. Vielmehr sollten auch nach dem Hauskauf noch Restaurantbesuche, Urlaubsreisen oder Hobbies möglich sein. Im Zweifelsfall sollten die Immobilienkäufer nach einer günstigeren Immobilie Ausschau halten, deren Finanzierung noch genügend Spielräume lässt. Ein detaillierter Bedarfsplan und ein ehrlicher Kassensturz sind in jedem Fall unerlässlich. In die Finanzplanung gehört dann auch ein Posten für Vergnügen.

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Kaufen ist nicht teurer als mieten

Das stimmt nur im Einzelfall. Zwar liegen die Zinssätze für eine Baufinanzierung mit zehn Jahren Laufzeit derzeit sogar unter zwei Prozent und sorgen so für niedrige Kreditrate, die im Bereich der bisherigen Mietausgaben liegen. Aber im Gegenzug sind vielerorts die Immobilienpreise kräftig gestiegen, vor allem in den Großstädten. In Metropolen wie München macht der Zinsvorteil den Preisanstieg bei weitem nicht wett. Doch selbst, wenn abseits der Großstädte die Kreditrate in der Nähe der monatlichen Miete liegt, dürfen die Nebenkosten nicht vergessen werden. Wer aus einer Mietwohnung in ein Einfamilienhaus zieht, muss zum Beispiel mit höheren Ausgaben für Energie, Wasser, Wohngebäude- und Hausratversicherung rechnen.

  • afp
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