Anlage
Dividende schlägt Zins

Die Verunsicherung über den Zustand der Weltkonjunktur und der damit verbundene Ansturm auf vermeintlich sichere Anlageklassen lässt den Abstand zwischen Dividendenrenditen und Anleiherenditen wachsen. Experten erwarten, dass dieser Trend noch längere Zeit anhält.
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FRANKFURT. Es gibt sie nicht oft, diese Phasen, in denen die Dividendenrenditen von Aktien weit über denen der Unternehmensbonds liegen. Die 30er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts gehörten dazu, als die Gewinne der Unternehmen in Folge der Weltwirtschaftskrise völlig zusammenbrachen. Und auch in den von Inflation geprägten 70er-Jahren war das Phänomen zu beobachten.

Mancher Börsianer fühlt sich nun an diese Zeiten erinnert: In den vergangenen Wochen hat sich die Lage speziell bei den Papieren der Finanzunternehmen, der Versorger und der Telekom-Gesellschaften wieder ähnlich wie damals entwickelt. Eine Anleihe des Versorgers Eon mit Laufzeit bis 2016 und einem Kupon von 6,375 Prozent wirft im Moment beispielsweise nur noch eine Rendite von 2,7 Prozent ab. Steigt die Nachfrage, steigt auch der Kurs und die Rendite fällt. Die Eon-Aktie erzielt aktuell hingegen einen Dividendenrendite von 6,7 Prozent. Ähnliche Beispiele finden sich weltweit genügend.

Suche nach Sicherheit lässt die Bondrenditen fallen

Diese ungewöhnliche Konstellation kam in den vergangenen beiden Monaten durch die neue Verunsicherung über den Zustand der Weltkonjunktur und den damit verbundenen Ansturm auf vermeintlich sichere Anlageklassen zustande. Im Juni erwirtschaftete beispielsweise eine Allianz-Anleihe mit einer Laufzeit bis ins Jahr 2019 und einem Kupon von 4,75 Prozent noch eine Rendite von 4,1 Prozent. In den vergangenen Wochen hat der Kurs deutlich angezogen, so dass die Rendite jetzt bei 2,9 Prozent liegt. Die Allianz-Aktie wirft hingegen noch immer eine Rendite von 5,5 Prozent ab.

Eine Ende dieser Ungleichentwicklung ist vorerst nicht in Sicht. Das Hauptargument derer, die verstärkt auf Anleihen setzen, lautet Deflation. Im Moment sind viele Anlageentscheidungen der Großinvestoren von der Angst geprägt, dass die Preisniveaus nachhaltig zurückgehen - als neue Folge der Weltwirtschaftskrise und der immens gestiegenen Staatsverschuldung zur Ankurbelung der Konjunktur.

Es werde wohl noch einige Monate dauern, glaubt Eric Chaney, Chefvolkswirt bei Axa Investment Managers, bis der weitere konjunkturelle Verlauf für die Märkte nachvollziehbar ist. "Bis dahin lohnt sich der Einstieg in die Bond-Rally", sagt er. Erst wenn die Deflationssorgen wieder der Inflationsangst weichen, sollte man aussteigen. Das gilt aber nicht für alle Bonds. "Vor allem die Unsicherheit bei Finanzaktien dürfte die Tür für ein anhaltendes Interesse an deren Bonds weiter öffnen" sagt Ciaran O? Hagan von der Société Générale.

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