Anlage-Grundregeln
Was Sie von Warren Buffett lernen können

Verständlich und kostengünstig sollen Geldanlagen sein - und natürlich ausgewogen. Aber wie viele Depots sind wirklich gut aufgeteilt? Experten raten, das Portfolio mindestens zweimal im Jahr zu überprüfen. Dabei gibt es eine Reihe von Grundregeln, die Anleger beachten sollten.
  • 6

FRANKFURT. Es klingt simpel: "Kaufe nie, was du nicht verstehst", lautet ein bekannter Leitsatz des amerikanischen Großinvestors Warren Buffett. In diesen sorgenvollen Zeiten zwischen Finanz- und Schuldenkrise macht es vielleicht Sinn, sich auf die Worte des weisen Investors zu besinnen. Denn die Angst vor Staatsbankrotten, dem Zerbrechen der Euro-Zone und rasanter Geldentwertung ruft viele Experten auf den Plan. "Jetzt kann man vermeintlichen Expertenrat wieder teuer verschachern und lukrative Produkte unters Volk bringen", warnt denn auch Verbraucherschützer Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Langfristig Erfolg versprechend sind denn auch selten heiß klingende Tipps, sondern das mitunter langweilig anmutende Aufteilen des Finanzvermögens über verschiedene Anlageklassen mittels möglichst kostengünstiger Produkte. Darauf weisen vor allem konzernunabhängige Finanzberater immer wieder hin. Wer regelmäßig in eine gute Auswahl von Kapitalmarktanlagen zu günstigen Konditionen investiere, sichere sich langfristig relativ stabile Erträge, sagt etwa Tom Friess, unabhängiger Honorarberater und Geschäftsführer des VZ Vermögenszentrums in München. Selbst im vergangenen Krisenjahrzehnt waren, trotz der extrem schwachen Aktienjahre 2002 und 2008, für gemischte Anlageformen Jahresrenditen von vier bis acht Prozent möglich, ist seine Erfahrung.

Friess rät dazu, das eigene Depot ein bis zweimal im Jahr zu überprüfen. Um die Qualität der eigenen Anlagen besser beurteilen und deren Wertentwicklung leichter verstehen zu können, sollten Depotbesitzer folgende Fragen beantworten: Sind die Kosten angemessen? Stimmen müssen der Kaufpreis, einmalige wie auch laufende Gebühren. Bei Investmentfonds und Zertifikaten nagen Kaufkosten von fünf Prozent und mehr massiv an der Rendite. Die einmaligen Kosten einer Geldanlage sollten Experten zufolge nicht mehr als fünf Prozent betragen. Laufende Gebühren von mehr als zwei Prozent pro Jahr von der angelegten Summe gelten nur bei besonders aufwändigen Investments als akzeptabel.

Experten empfehlen Daumenregeln für den Depotcheck:



  • Andere Fragen sind: Sind die Kosten transparent? Wer verdient wie viel an einem Produkt? Es sollte eindeutig zu erkennen sein, welche Gebühren der oder die Produktanbieter sowie Vermittler einstreichen.


  • Wie sieht die Produktstruktur aus? Wer genau steht hinter einem Produkt? Wer gewährt eine Garantie oder gestaltet ein Produkt mit? Hier sind Erfahrung und gute Bonität des Anbieters wichtig.


  • Wie transparent ist eine Anlage? Wie entwickelt sich der Wert etwa eines Fonds oder Zertifikats, wenn die Börsen oder ein Teil der Anlage Verluste machen? Wird das nicht deutlich, gibt es nur einen Rat: Finger weg!


  • Wie schnell kommt der Anleger an sein Geld? Kann man das Produkt leicht verkaufen? Schlechte Handelbarkeit verstärkt oftmals das Risiko von Kursverlusten.


  • Wer ist der Anbieter? Wie hat er sich bislang geschlagen? Welche Erfahrung mit der Anlage weist er vor? Kurzfristige Erfolge verflüchtigen sich schnell.



Zufrieden mit seinem Depot kann letztlich allerdings nur sein, wer seine persönlichen Anlageziele kennt, seinen Zeithorizont im Blick hat und keine überzogenen Renditevorstellungen hat.

Kommentare zu " Anlage-Grundregeln: Was Sie von Warren Buffett lernen können"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sleber denken macht reich!
    Das ist zwar mit Mühe verbunden, aber lohnend. Andere nehmen einem das nur ab, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Das ist nur normal.
    Wer den ganzen Tag arbeitet, um Geld zu verdienen, der sollte sich auch etwas Zeit nehmen und sich damit beschäftigen, was mit seinem hart verdienten Geld passiert.
    Wer das nicht möchte, sollte lieber strunz konservativ anlegen( Festgeld, etwas Gold, Langweilige Sparbriefe etc). Dann verliert man wenigstens inflationsbereinigt kein Geld. Und das ist schließlich auch etwas heutzutage.

  • Selbst ist der Mann. ich habe nie verstanden, warum sich die bekanntlich finanziell besonders unbedarften Deutschen auf Fonds und berater verlassen, wenn sie mit wenig Mühe ihre eigenen Recherchen anstellen könnten. Man lässt sich doch nicht ausgerechnet vom Pferdehändler beraten, wenn man ein Pferd kauft.

  • Da kann ich dem Kommentar von Micha nur zustimmen, warum müssen sich immer alle Leute Experten nennen?

    ich bin nun auch Handelsblatt-Experte und mein experten Wissen sagt mir, das es hier schon genug Artikel gab, wo groß angekündigt wurde, dass Warren buffett mal wieder was zu sagen hat...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%