Anlageempfehlung Auf diese Staaten sollten Anleger schauen

Die BRIC-Länder bekommen Gesellschaft. Neue Staaten drängen sich in die Liga der dynamischen Aufsteiger. Deutsche Bank-Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan sagt, welche Saaten man auf dem Zettel haben muss.
5 Kommentare
Südkorea gilt zu den wichtigsten Aufsteigern. Quelle: dapd

Südkorea gilt zu den wichtigsten Aufsteigern.

(Foto: dapd)

Die Aktienmärkte der BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China haben die Märkte der Industrienationen in ihrer Kursentwicklung über einen Zeitraum von zehn Jahren deutlich geschlagen. Auch künftig sollten die großen Vier im Fokus der Anleger bleiben, doch mit ihrer gestiegenen Wirtschaftsmacht ändert sich der Charakter einer BRIC-Investition: Die BRICs sind aus dem Jugendalter heraus, ihre Abhängigkeit von der Weltkonjunktur wächst, und andere Märkte drängen in die Rolle der dynamischen Aufsteiger. Zu den wichtigsten zählen Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei.

Diese Märkte zeigen eine Kombination aus Wachstumsdynamik und wirtschaftlicher Stabilität, die Anleger aufhorchen lassen sollte: Ihre öffentliche Verschuldung liegt bei 25 bis 40 Prozent, und auch bei der Neuverschuldung erfüllen sie das Maastricht-Kriterium. Die Inflation ist - mit Ausnahme der Türkei - moderat und liegt zwischen 2,9 Prozent in Südkorea und 4,5 Prozent in Indonesien. Zugleich verfügen diese Staaten über eine große Marktbreite und -tiefe und eine solide finanzielle Infrastruktur. Politische Risiken sind zwar vorhanden, aber insgesamt nicht höher zu bewerten als in anderen Schwellenländern.

Wo die Bric-Staaten schwächeln
Hoch ueber Rio de Janeiro
1 von 10

Brasilien: Die Industrie des Landes hat ihre Kraft verloren
Die sechstgrößte Volkswirtschaft leidet unter der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen. Wachstumsraten von sieben Prozent – das war einmal.
Gleich zwei schlechte Nachrichten schockten die zuletzt erfolgsverwöhnte brasilianische Wirtschaft. Wie die nationale Statistikbehörde jetzt mitteilte, wuchs die sechstgrößte Volkswirtschaft im vergangenen Jahr nur noch magere 2,7 Prozent, nach 7,5 Prozent im Jahr 2010. Und im Januar ist die Industrie des Landes um 2,1 Prozent geschrumpft gegenüber Dezember – das schlechteste Ergebnis seit der Krise 2008.

Die Industrie ist inzwischen der Bremsklotz der brasilianischen Konjunktur. Denn mit dem katastrophalen Jahresstart stagniert sie nun schon seit mehr als zwei Jahren. Hält die Schwäche an – und die Chance für eine kurzfristige Erholung im verbleiben Rest des ersten Vierteljahrs ist eher gering –, dann könnte Brasiliens Industrie erstmals vier Quartale in Folge schrumpfen, befürchtet das Finanzinstitut Banco Itaú. Die Regierung versucht schon seit längerem, mit Steuerbefreiungen für einzelne Branchen (Konsumgüter) und erhöhte Importsteuern (etwa für Pkw) gegenzusteuern.

Biodiesel Produktion im nordosten Brasiliens
2 von 10

„Sollte das Wachstum jetzt geringer ausfallen, wird die Regierung alle Instrumente nutzen, um eine Konjunkturabkühlung zu verhindern“, erwartet José Carlos de Faria, Chefökonom der Deutschen Bank in São Paulo. Unterstützung erhält die Konjunktur dadurch, dass derzeit staatliche und private Infrastrukturprojekte für umgerechnet rund 180 Milliarden Euro bis 2014 umgesetzt werden. Und Brasilien verfügt über Spielraum für weitere Stimulierungen. Die Devisenreserven sind hoch, ausländisches Kapital strömt weiter ins Land, und auch die Notenbank kann die Zinsen noch senken. Doch Wachstumsraten von über sieben Prozent wie 2010 sind außer Sichtweite: Nach einer Umfrage der Zentralbank rechnen die führenden Investmentbanken damit, dass Brasilien 2013 rund vier Prozent wachsen wird. Alexander Busch

VIP-Taxis in Moskau
3 von 10

Russland: Abhängigkeit vom Öl hemmt die Entwicklung
Der größte Flächenstaat hat die Finanzkrise gut überstanden. Doch das schlechte Geschäftsklima und die Rechtsunsicherheit bremsen die Wirtschaft des Landes.

Das große Ziel rückt in die Ferne. Sieben Prozent sollte die russische Wirtschaft nach dem Willen Wladimir Putins in den kommenden Jahren wachsen. Doch der Traum des neuen russischen Präsidenten wird sich nicht erfüllen. In diesem Jahr wird sich die Konjunktur merklich abkühlen. Das reale Wachstum wird unter dem Niveau von 2011 liegen, in dem das Plus 4,3 Prozent betrug. Die offizielle Prognose des Wirtschaftsministeriums liegt bei 3,7 Prozent. Der Internationale Währungsfonds rechnet nur noch mit 3,3 Prozent. Verantwortlich dafür ist die schwache Weltkonjunktur; die Schuldenkrise in Europa spürt Russland hingegen wenig.

Gazprom
4 von 10

Zwar hat die russische Wirtschaft die Finanzkrise des Jahres 2008 gut überwunden. Die Erholung sei jedoch nur auf den hohen Ölpreis zurückzuführen, der Wirtschaft mangele es an dauerhafter Kraft, sagt Odd Per Brekk, Leiter des Moskauer IWF-Büros. Um konstant hohe Zuwächse zu erzielen, muss das Land die Wirtschaft modernisieren und diversifizieren. Gleichzeitig muss sich das Geschäftsklima verbessern. Vor allem die Schaffung eines unabhängigen Justizsystems und weniger Interventionen des Staates in die Wirtschaft sind notwendig. Eine weitere wichtige Aufgabe ist der Stopp des Kapitalabflusses. Fast 85 Milliarden Dollar schafften die Russen 2011 außer Landes. Der IWF warnt: Ändert Russland seine Wirtschaftsstrategie nicht, wird das Wachstum auf mittlere Sicht zwischen 3,5 bis vier Prozent liegen. Reformiert die Regierung das Land, könne das jährliche Plus sechs Prozent betragen. Nötig seien dafür Haushaltskürzungen, eine Kontrolle über die Inflation sowie ein besser entwickeltes Finanzsystem, heißt es. Experten hoffen außerdem auf einen weiteren Wachstumsschub mit dem WTO-Beitritt, der für diesen Sommer geplant ist. Damit käme Russland wieder näher an das von Putin ausgegebene Ziel heran. Oliver Bilger

PAC CONSTABLE
5 von 10

Indien: Die Wirtschaft braucht dringend neue Impulse
Mit 6,1 Prozent ist die Wirtschaft des Landes im Schlussquartal 2011 so langsam gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren nicht. Die Regierung will gegensteuern.

Das Besorgniserregende an den jüngsten Konjunkturdaten ist, dass sich ausgerechnet drei für das Land überaus wichtige Sektoren als Wachstumsbremsen erwiesen: Das produzierende Gewerbe schaffte nur ein Plus von 0,4 Prozent, nach 7,8 Prozent im Vorjahr. In der für Indien immens wichtigen Landwirtschaft sank das Wachstum von elf auf magere 2,7 Prozent, und die Produktion der Minen schrumpfte gar um 3,1 Prozent.

Hinzu kommt die hohe Inflation von zuletzt acht bis zehn Prozent, die der Binnenwirtschaft schadet. Die Notenbank RBI hat mit einer Erhöhung des Leitzinses auf inzwischen 8,5 Prozent gegengesteuert, damit aber die wirtschaftliche Dynamik gebremst. Ökonomen erwarten deshalb, dass die RBI bei ihrer nächsten Sitzung am 15. März den Leitzins zum ersten Mal seit März 2010 wieder senken könnte.

Kokosnüsse gegen den Durst
6 von 10

Mit anderen Stimuli tut sich die Regierung schwer. Sowohl die weitere Liberalisierung der Wirtschaft als auch höhere Subventionen erscheinen politisch kaum durchsetzbar. So zog Premier Manmohan Singh den Plan, größere Investitionen ausländischer Einzelhändler zu erlauben, nach landesweiten Streiks binnen weniger Tage wieder zurück. Auch bei den Subventionen steht die Regierung unter Druck. Eine schwache Rupie, hohe Ölpreise und die ausufernde Agrarförderung dürften das Defizit im aktuellen Haushalt von geplanten 4,6 Prozent der Wirtschaftsleistung auf 5,5 Prozent treiben.

Um die Wirtschaft zu stimulieren, will die Regierung nun die großen Staatsbetriebe bewegen, Teile ihrer Cash-Reserven aufzulösen und im Land zu investieren. Rund 35 Millionen US-Dollar sollen so zusammenkommen. Auf mittlere Sicht dürften Regierung und Zentralbank zudem versuchen, die Rupie aufzuwerten, damit Unternehmen im Ausland billiger Energie und Maschinen einkaufen können. Stefan Mauer

Vorbereitungen für den chinesischen Nationalfeiertag
7 von 10

China: Mehr qualitatives Wachstum wäre besser
Das Turbo-Wachstum der vergangenen Jahre hat zu verheerenden Umweltschäden geführt. Weniger Wachstum ist deshalb das Gebot der Stunde.

Chinas Kommunistische Partei plant gern von langer Hand. Schon in den 1990er-Jahren hatte die Partei die Devise ausgegeben, im neuen Jahrtausend die Wachstumsraten zu senken, damit Qualität Vorrang vor Quantität habe. Das gelang zwar in den Jahren 2006 bis 2011 nicht, statt der erstrebten 7,5 Prozent gab es ein Plus von zehn Prozent. Doch derzeit scheint das Wachstum wie geplant zu sinken.

Der aktuelle Wachstums-Zielwert für die Zeit bis 2015 beträgt sieben Prozent, 2012 sollen es 7,5 Prozent sein. „Wir passen derzeit unsere Wirtschaftsstruktur an“, gab Regierungschef Wen Jiabao jüngst zu Protokoll. Tatsächlich zeigen aktuelle Daten, dass Chinas Exporte zurückgehen und gleichzeitig die Importe stark steigen.

Meiner Einschätzung nach ist Südkorea unter den vier genannten Märkten der am weitesten entwickelte: Eine Volkswirtschaft, die in vielerlei Hinsicht schon zu den Industrienationen zählt und in der Automobil- und Elektronikbranche mit globalen Marken vertreten ist. Südkorea wird auch als "Werkbank der USA" bezeichnet. Das Land profitiert damit von der zurzeit relativ robusten US-Konjunktur. Das Gleiche gilt für Mexiko, dessen verarbeitende Industrie in großem Umfang Vorprodukte über die nördliche Grenze liefert. Mit einem prognostizierten Gewinnwachstum 2013 von 19,1 Prozent besitzen mexikanische Unternehmen ausgezeichnete Gewinnaussichten.

Attraktive Portfolio-Ergänzung

Eine niedrige Verschuldung, günstige Bevölkerungsentwicklung, Aussichten auf wachsenden Binnenkonsum und reiche Rohstoffvorkommen sprechen für Indonesien. Für 2013 erwarte ich hier ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 6,5 Prozent und einen Anstieg der Industrieproduktion von acht Prozent. Der demografische Faktor steht auch bei der Türkei auf der Habenseite, ebenso wie seine strategische Lage an der Schwelle zwischen Europa und Asien. Allerdings leidet das Land derzeit unter der schwachen europäischen Konjunktur. Insgesamt könnten Aktien aus diesen Ländern eine attraktive Ergänzung des Schwellenländer-Portfolios sein. Ein diversifiziertes Investment ermöglichen zum Beispiel Fonds mit Aktien der Next-11-Länder, einer etwas größeren, wenn auch heterogenen Schwellenländergruppe, in der Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei nach Wirtschaftskraft und Marktkapitalisierung einen deutlichen Schwerpunkt bilden.

Die Empfehlung gibt die Einschätzung des Autors wieder.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

5 Kommentare zu "Anlageempfehlung: Auf diese Staaten sollten Anleger schauen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ich moechte weder Fonds, noch ETF’s noch sonstige Papiere kaufen, da ich Banken oder Fondsverwaltungen immer weniger Vetrauen entgegen bringen kann. Ich kaufe nur Aktien und zwar nur solche, die auch in Deutschland gehandelt werden koennen – meinetwegen ausserboerslich. Eines der fuer mich wichtigsten Argumente wird meist ausser acht gelassen: Rechtssicherheit. Und da glaube ich, sieht es bei vielen der genannten Laender sehr schlecht aus. Zeifelhafte Manger (wie wir sie auch in Deutschland kennen), haben es in diesen Laendern viel leichter, Aktionaere um ihr Vermoegen zu bringen.


  • ..Zu den wichtigsten zählen Mexiko, Indonesien, Südkorea und die Türkei...."

    Die Inflation in der Türkei ist bei weitem höher als das Wachstum. Im Übrigen werden die Türken wie die Amis vor Suprime mit Kreditkarten geflutet, man konnte schon in viversen Artikeln diverser Zeitungen lesen, dass sich hier die nächste Blase auftut. In Mexiko regieren die Drogenkartelle, was soll am Wachstum in diesem Land nachhaltig sein, wer will hier angesichts dieser katastrophalen Strukturen investieren ?



  • In sehr naher Zukunft werden einige "Schwarze Schwäne" fliegen.....
    Wer sein Geld irgendwo anderst als in physischem Silber und Gold investiert hat, wird wohl nahezu alles verlieren....
    Wer den Politikern, den Medienhuren und sogenannten "Fachleuten" noch etwas glaubt ist selber Schuld...

  • Peru, Ecuador und Kolumbien sind auf dem Weg ihre nationalen sozial-politischen Spannungen zu vermindern - und sie sind Nachbarn am Pazifik - von China, Korea, Japan - sogar Russland ! Gleichzeitig besteht in ganz Suedamerika ein stillschweigendes Einverstaendnis: Nicht wieder auf "Guten Rat" von New York Finanzexperten hoeren, und Europa nur als Wirtschaftspartner-Zone No. 3. Die Richtung ist zu einer sozialen Martkwirtschaft und geopolitische Unabhaengigkeit vom "Norden" - trotz Unterschiede in der ideologischen Schattierung zwischen den 9 Nationen - welche uebrigens auch die "Gemeinschaft der Nationen Suedamerikas - UNASUR - zu einem geopolitisch unabhaengigen "Pol" entwickeln... (Die New York Times "real estate" Seite paukt schon seit Jahren fuer Inmobilien in Ecuador und Kolumbien...fuer "ex-pat retirees").

  • Es ist unfassbar, wie selbst deutsche hochbezahlte Banker die Werbetexte von Goldman Sachs kritiklos nachplappern: "Meiner Einschätzung nach ist Südkorea unter den vier genannten Märkten der am weitesten entwickelte ..." heisst es da. Nach allen verfuegbaren Daten und Fakten gehoert Suedkorea seit langem und 2012 sowieso zu den hoechst entwickelten Industrielaendern der Welt. Ein Blick auf OECD Statistiken und soziodemographische Analysen zeigt: Das Entwicklungsprofil entspricht dem von Japan oder Finnland. Die BRIC Staaten befinden sich in einem Stadium wie Suedkorea vor 30 oder 40 Jahren, von Indien oder dem nun zu der "MIST"-Vierergruppe gemischten Entwicklungsland Indonesien ganz zu schweigen. Auch die Rede von der "Werkbank der USA" ist absurd. Diese Bezeichnung habe ich seit 2003, seit ich im Land ein und ausghehe, noch nie gehoert. Die koreanische Industrie ist bis auf wenige Ausnahmen keines anderen Landes Werkbank, da die Produktionskosten bis Anfang 2008 (vor dem grossen Wechselkursabsturz) auf Westeuropaeischem Niveau lagen, und auch jetzt noch zu den hoechsten in Asien zaehlen. Die wenigen auslaendischen Firmen, die dort Produktion haben, dann vor allem japanische oder europaeische. Umgekehrt produzieren die koreanischen Konzerne vor allem im Ausland, z.B. in den USA, in den BRIC- und MI_T Staaten. Die Behauptung, das Land profitiere von der US-Konjunktur, ist nur die halbe Wahrheit: Die Exporte nach sowie die Transplants in Greater China und EU sind viel groesser als die in die USA. Auch die erwaehnte Ziffer 2,9% passt nicht zur aktuellen Infaltionsrate des Landes (die ist 1,2%), sondern zum erwarteten Wirtschaftwachstum der naechsten Jahre. Also alles in allem genau das Gegenteil von dem, was "dynamische Aufsteiger" wie die BRIC oder die MI_T Staaten ausmacht. Proklamieren wir doch einfach eine neue Anlage-Gruppe: "The future three: Laos - Libyen - Luxemburg" (C.Haertl)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%