Anlageexperte Michael Harms
„Der Dax wird weiter stark schwanken“

Seit Wochen schon befinden sich die Börsen im Aufschwung. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Michael Harms, Leiter der Anlagestrategie bei der Bethmann Bank über die Gründe und die Perspektiven an den Märkten.
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Handelsblatt: Überrascht Sie der Aufschwung an den Börsen?

Michael Harms: Der überrascht uns nicht. Der Kursanstieg zeigt, was passieren kann, wenn es keine globale Rezession und nur eine milde Rezession in Europa gibt, was unserem Basisszenario entspricht.

Ist das der einzige Grund?

Sicher nicht. Zum einen waren die Wirtschaftsdaten aus Deutschland, den USA und China besser als von den Volkswirten geschätzt. Zum anderen, und das ist besonders wichtig, tritt bei der Beschäftigung mit der Staatsschuldenkrise ein Gewöhnungseffekt ein. Wenn Anleger jeden Tag lesen, dass Abendland gehe unter, weil Griechenland 350 Milliarden Euro Schulden hat, dann gewöhnen sie sich daran.

Zu dieser Einsicht hätte man früher kommen können.

Das hätte man. Aber im Herbst hatten die USA gerade die Zahlungsunfähigkeit abgewendet, ohne allerdings das Defizitproblem zu lösen. Zudem stellte man sich auf das große Schießen der Hedge-Fonds gegen Spanien und Italien ein. Und es kam noch die Furcht hinzu, die Chinesen bremsten zu stark. Wenn das alles zusammengekommen wäre, dann hätte es für die Unternehmen ein böses Erwachen gegeben.

Und was ist jetzt besser als vor wenigen Wochen?

Die Stimmung. Wenn man – wie erst in dieser Woche geschehen – Griechenland bereits vor acht Wochen ein Ultimatum gestellt hätte, dann wäre der Dax an dem Tag vier bis fünf Prozent zurückgegangen.

Und jetzt rennt die Meute in die andere Richtung.

Viele Fondsmanager und Vermögensverwalter waren bis vor kurzem extrem untergewichtet bei Aktien, manche sogar nahe null Prozent. Wenn jetzt die Kurse wieder steigen und man ist nicht dabei, dann läuft man Gefahr, das ganze Jahr hinterherzurennen. Schließlich könnten auch Mandate entzogen werden, weil die Kunden unzufrieden sind.

Warum bekommen die hochgelobten Schwellenländer nichts vom Börsen-Boom ab?

Wenn Länder permanent hohes Wachstum ausweisen, dann werden sie kritischer wahrgenommen, sobald die Dynamik nachlässt. Aber die wirklich großen Investoren mit einem Volumen von 500 Millionen Euro aufwärts kommen an den Schwellenländern nicht vorbei.

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„Der Markt stürzt nicht ins Bodenlose“

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  • Das Interview zeigt, dass auch Analysten, die anscheinend nur Schlagzeilen lesen, die richtige Schlussfolgerung ziehen können:

    1. Die Wirtschaftsdaten aus den USA waren gar nicht gut, sie wurden nur gut dargestellt; im Übrigen ist es vielen US-Aktien in gewissem Rahmen egal, wie hoch die Arbeitslosenquote in den USA ist.

    2. Die USA standen nicht vor der Zahlungsunfähigkeit und haben diese daher auch nicht abgewendet; die USA standen vor der ZahlungsunWILLIGKEIT und haben sich auf deren Beendigung geeinigt (was völlig außer Zweifel stand). Kein ernst zu nehmender professioneller Investor hat auf einen Zahlungsausfall der USA gewettet.

    Dennoch:

    a) Natürlich werden Aktien nicht ins Bodenlose fallen.

    b) Genau, die Märkte in den entwickelten Nationen werden mit hoher Volatilität überwiegend seitwärts tendieren.

  • Neben der Stimmung hat sich die Geldmenge verändert....

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