Anlageexpertin zur US-Wahl
„Trump könnte relativ positiv für die Märkte sein“

Ein Wahlsieg von Donald Trump könnte für einige Turbulenzen an den Märkten sorgen, glaubt Sandra Crowl. Doch langfristig könnte seine Politik den Märkten sogar helfen, beruhigt die Anlagestrategin von Carmignac.

ParisHistorische Gebäude, sich in den Himmel aufschwingende Vögel, strahlende Sonne – der Blick aus dem Fenster des Konferenzraumes könnte kaum schöner sein. Sandra Crowl blickt auf den Place Vendôme in Paris. So friedlich wie dort ging es an den Finanzmärkten in diesem Jahr kaum zu. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass in den kommenden Wochen noch einmal dunklere Wolken aufziehen. Die Anlageexpertin des Vermögensverwalters Carmignac spricht über die möglichen Folgen der US-Präsidentschaftswahlen und die Geldpolitik der Notenbanken.

Frau Crowl, wie bedeutend ist die US-Präsidentschaftswahl für die Märkte?
Sie ist natürlich wichtig, allein schon, weil die USA die größte Wirtschaftsmacht der Welt sind und normalerweise den Wirtschaftszyklus anführen. Und die USA spielen natürlich eine große Rolle in dieser Ära, die von der Suche nach nachhaltigem Wachstum geprägt ist. Auch hier sollten die USA führend für die Industrieländer sein. Beide Kandidaten, die Demokratin Hillary Clinton wie der Republikaner Donald Trump, haben steuerpolitische Anreize durch massive Infrastrukturausgaben auf ihrer Agenda.  

Ist die Wirtschafts- und Fiskalpolitik einer neuen Regierung vielleicht sogar entscheidender für das Wachstum als die Geldpolitik?

Die weiterhin lockere Notenbankpolitik zeigt mittlerweile immer weniger Ergebnisse. Die Wirtschafts- und Fiskalpolitik des neuen Präsidenten dürfte dennoch zum neuen Wachstumstreiber in den USA werden, aber eben nicht zum größten. Die Konsumenten werden immer der größte Wachstumstreiber bleiben. Aber die Möglichkeit, dass auch die Regierung aktiv wird, könnte in den kommenden Jahren durchaus zu mehr Wachstum führen.

Hillary Clinton führt zwar in den meisten Umfragen, sicher ist ihr Sieg noch nicht. Wie würden die Märkte reagieren, wenn Trump doch noch gewinnt?

In den ersten Wochen würden wir auf jeden Fall eine hohe Volatilität erleben. Er hatte niemals ein politisches Amt inne, er war niemals in der Regierung. Wir wissen nicht, wen er in seine Regierung beruft. Und wir wissen auch nicht, ob er genügend Unterstützung seiner Partei und der Verwaltung haben wird. Diese Unsicherheit wird in den ersten Tagen für Kursschwankungen sorgen.

Und längerfristig?

Wenn er die Unterstützung seiner Partei zurück gewinnt und er seine Versprechen wie beispielsweise eine geringere Unternehmensbesteuerung einhält, dann könnte das relativ positiv für die Märkte sein. Seine protektionistische Anti-Einwanderungspolitik wäre allerdings nicht nur deshalb negativ, weil sie vor Investitionen in den USA abschreckt, sondern hätte auch Auswirkungen auf amerikanische Unternehmen, die im Ausland tätig sind, insbesondere in Ländern wie Mexiko.

Wie würden die Märkte auf eine Präsidentin Clinton reagieren?

Ein Sieg von Hillary Clinton ist ein überschaubares Risiko für die Märkte. Sie steht für Kontinuität, für eine Fortsetzung der demokratischen Regierung. Auch wenn sie natürlich einen anderen Regierungsstil haben wird als Barack Obama. Es könnte sein, dass die Republikaner ein wenig Unterstützung im Senat und im Repräsentantenhaus verlieren, aber Clinton dürfte es immer noch mit einer Mehrheit der Republikaner zu tun haben. Die Frage ist, wie stark sie im Vergleich zu Obamas Regierung sein kann, wie gut sie mit einem republikanischen Repräsentantenhaus arbeiten kann. Wie überzeugend kann sie den Kongress dazu bringen, ihre Gesetze zu verabschieden? Oder gibt es doch eine weitere „Lame Duck“-Präsidentschaft?

Die Märkte schauen aber vor allem auf die US-Notenbank. Glauben Sie, die Fed wird die Zinsen weiter anheben?

Wir sehen eine Menge Gründe dafür, dass die Fed die Zinsen erhöhen könnte. Die Inflation steigt, beim Ölpreis sehen wir eine Trendwende und die Miet- und Gesundheitskosten steigen. Wenn die Wirtschaft weiter so wächst wie zuletzt, hat die Notenbank absolut keine Argumente, um die Zinsen so niedrig zu halten.

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