Anlageobjekt Wein
Investment für Kenner

Dass Wein eine gute Anlage ist, hat sich langsam aber sicher herumgesprochen. Kaum eine Geldanlage bringt einen so schönen Image-Gewinn, ganz zu schweigen von dem Renditepotenzial eines Weinklassikers. Das lockt die Investoren – und Fälscher.

FRANKFURT. Jan-Eric Paulson weiß, wie ein echter Weinklassiker aussieht, riecht und schmeckt. Und er weiß, dass man gutes Geld damit verdienen kann. Deswegen wundert ihn auch die Meldung wenig, die am gestrigen Dienstag aus den USA kam. Dort hat die Staatsanwaltschaft in New York etliche Auktionäre von Weinraritäten vorgeladen. Der Verdacht: Es soll sich bei etlichen der versteigerten Tropfen um Fälschungen handeln. Das angesehene „Wine Spectator Magazine“ mutmaßte vor kurzem, fünf Prozent aller bei Auktionen oder im Handel erstandenen Weine, oft für 1 000 Dollar aufwärts, seien Fälschungen.

„Man muss unterscheiden: Grundsätzlich ist die Gefahr, auf Fälschungen hereinzufallen, gering. Bei großen und bekannten Weinen sind sie jedoch inzwischen ein echtes Problem“, sagt Paulson, der als einer der profundesten Kenner teurer alter Weine gilt. Der 57 Jahre alte Schwede handelt damit, hält Seminare ab und bietet seit einigen Jahren als Manager zweier Weinfonds sogar Privatanlegern die Möglichkeit der Geldanlage. Um nicht auf Fälschungen hereinzufallen, kontrolliert er jede Flasche vor dem Kauf penibel; er prüft Rechungen, um zu einem lückenlosen Herkunftnachweis zu kommen; er hält die Taschenlampe an die Flasche, um den Inhalt in Augenschein zu nehmen – eine Sache für Kenner.

Dass Wein eine gute Anlage ist, hat Paulson mit seinen Fonds Rare Wine Pool I und II bewiesen. Deutsche Bildungsbürger zählen zu seinen Kunden, ebenso wie chinesische Neureiche oder russische Oligarchen. Denn die versprochene Rendite ist mit 12,5 Prozent pro Jahr äußerst attraktiv. Und kaum eine Geldanlage bringt zudem noch einen so schönen Image-Gewinn. Lässt doch wunderbar darüber fachsimpeln, so dass vielleicht auch ein bisschen vom Ruhm des großen Tropfens auf dessen Besitzer übergeht. Zumal die Wein-Anlage bei Jan-Eric Paulson direkt in seinem Lager in Waldkirchen im Bayerischen Wald besichtigt werden kann.

Die Fonds, als Kommanditgesellschaft organisiert, funktionieren nach einem denkbar einfachen Modell: Mit dem eingesammelten Geld, bei ersten Fonds waren es eine Millionen Euro, beim zweiten 700 000 Euro, kauft Paulson alte Weine mit Wertsteigerungspotenzial. Nach fünf Jahren verkauft er diese wieder und schüttet die Rendite aus.

Weil sich immer neue Schichten weltweit für Wein interessieren, sind die Preise der ganz großen, der so genannten 100-Punkte-Weine, in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Beim Auktionshaus Sotheby’s wurde kürzlich ein 1961er Mouton Rothschild für 2 600 Euro versteigert – pro Flasche versteht sich. Vor wenigen Jahren lag der Preis noch im dreistelligen Bereich.

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