Anlageprodukte Die Rückkehr des Risikos

Nach der Finanzkrise versprachen die Banken eine Rückbesinnung auf einfache, transparente Produkten. Doch die Realität sieht anders aus. Mit immer komplizierteren Anlagen gehen die Institute weiter auf Kundenfang.
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Banken kehren wieder zu ihren Geschäftsmodellen vor der Krise zurück - "als wäre nichts geschehen", so Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner. Quelle: Reuters

Banken kehren wieder zu ihren Geschäftsmodellen vor der Krise zurück - "als wäre nichts geschehen", so Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Bundespräsident war gereizt. Die Banken, schimpfte Christian Wulff, hätten nichts aus der Finanzkrise gelernt. Erkennen lasse sich das unter anderem an den Produkten, die Finanzkonzerne ihren Kunden verkauften, sagte Wulff auf dem Bankentag in Berlin. Kompliziert seien die, für Anleger kaum zu verstehen - noch immer nicht. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) haut in die gleiche Kerbe: "Man wird den Eindruck nicht los, als würden einige Akteure auf dem Finanzmarkt nach der Schockstarre der Bankenkrise jetzt wieder munter zu alten Verhaltensweisen zurückkehren - als wäre nichts geschehen", sagte sie dem Handelsblatt.

Dabei hatte die Finanzbranche Besserung gelobt, nachdem Tausende Anleger während der Finanzkrise ihr Geld mit Lehman-Zertifikaten verloren hatten; viele Kunden wussten damals nicht, was ihnen die Bankberater da verkauft hatten - und wie risikoreich diese Papiere tatsächlich waren. Als Lehre aus der Krise versprachen die Banken, künftig nur noch leicht verständliche Produkte unter das Kundenvolk zu bringen. In Zukunft sollte alles ein bisschen so sein wie zu Großvaters Zeiten, als den Anlegern noch Schatzbriefe und solide Aktien empfohlen wurden statt Korridor-Optionsscheine oder Exchange Traded Commodities.

Die neue, alte Komplexität herrscht noch immer vor

Doch die Realität sieht anders aus: "Der Markt ist nur wenig transparenter geworden. Dafür ist die Krise zu schnell abgehakt worden", sagt Andreas Köchling, Experte für den Derivatemarkt beim Analysehaus Feri Euro Rating. Die neue, alte Komplexität findet sich bei fast allen Anlageprodukten. Bei Zertifikaten, Fonds, selbst bei der Deutschen liebstem Kind: der Lebensversicherung (siehe Kästen).

Beispiele gibt es viele, etwa die Synthia-Anleihen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) - gedacht für Privatanleger. In dem Zertifikat sind Kreditrisiken mehrerer Staaten verpackt, darunter Griechenland, Spanien, Irland. Auf den Markt kamen die Produkte Anfang 2010; in den Medien wurde damals bereits lang und breit über das Schuldenproblem der Griechen berichtet.

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11 Kommentare zu "Anlageprodukte: Die Rückkehr des Risikos"

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  • Da muss ich Frau Aigner zustimmen. Wer heute noch Produkte kauft, die er nicht versteht, weil er meint damit dem Markt ein Schnäppchen zu schlagen, ist selbst schuld, wenn es in die Hose geht. Der Markt regelt dann das Angebot, zumal die Beratungspflichten ja verschärft wurden. Andererseits sollte man den Leuten nicht vorschreiben wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. Das in den sog. sicheren Lebensversicherungen auch entsprechende, z.T. höhere Margen als in den so verpöhnten Finanzderivaten versteckt sind, bemängelt merkwürdigerweise keiner..
    Absicht oder Zufall?!

  • Geigerzähler kaufen!! Dann gibt es sehr wenig Risiko!!
    Sonst: kein Strahlen, - danach!

  • Geigerzähler kaufen!! Dann gibt es sehr wenig Risiko!!
    Sonst: kein Strahlen, - danach!

  • Es scheint mir nicht die Aufgabe eines Ministers / eines Ministeriums die Sinnhaftigkeit eines Produktes zu hinterfragen. Grundsätzlich setzen sich nur sinnvolle Produkte durch, denn nur diese finden bekanntlich auch Käufer. Die Produktvielfalt ist Ausdruck der unzähmbaren Gier der Finanzmarktakteure - nicht mehr und nicht weniger. Wenn die Anleger nicht so gierig wären, gäbe es doch die in den Medien immer wieder gerne zerfleischten strukturierten Produkte doch gar nicht. Ich fürchte mich bereits schon heute vor der Berichterstattung im Sommerloch...

  • Was will der Herr Wulff eigentlich?!
    Die Mallorca-Villa seines Freundes Maschmeyer wurde auch mit dem Geld von getäuschten Anlegern gebaut. Damit hat er doch auch kein Problem.

    "Die Banken, schimpfte Christian Wulff, hätten nichts aus der Finanzkrise gelernt. Erkennen lasse sich das unter anderem an den Produkten, die Finanzkonzerne ihren Kunden verkauften, sagte Wulff auf dem Bankentag in Berlin. Kompliziert seien die, für Anleger kaum zu verstehen - noch immer nicht."

  • 1.) Die LBBW ist ein sehr schönes Beispiel! Da schimpfen die Politiker so ganz allgemein über die Banken, vergessen aber, dass die exemplarisch genannte Bank überwiegend im Staatsbesitz ist. Tipp: Einfach mal zählen, wieviele Politiker im Aufsichtsrat der LBBW sitzen!

    2.) Ist der gute alte Schatzbrief wirklich so risikolos? Siehe Arktikel "Staatsverschuldung: Die Schuldenbremse reicht nicht"

  • Nochmal Rumboogie: Sorry, dieser Kommentar war für einen anderen Artikel bestimmt.

  • Es kann nicht sein, dass die Deutschen für alle die Zeche zahlen sollen. Für eine viel zu inflexible und kostenträchtige Verwaltung und regierung in D; für EU Länder zunächst in Form von Subventionen, dann für deren Masslosigkeit im Wirtschaften mit der Konsequenz des des Staatsbankrotts einzelner EU-Staaten.
    Das zu regeln kann nur die freie Marktwirtschaft bewältigen, ohne große Umverteilung, ohne massive Anzahl kosntenintensiver Kontrollgremien, Abbau Subventionen etc. pp.
    Also, sofortiger Abbau von Subventionen, insbesondere der parallelen Mehrfachsubventionen von Regierung und EU; Abbau der Fehlleitung von Geldern in Marktwirtschaftren zur Anpassung der Lebensumstände, Reduktion von Verwaltung und Kontrollgremien in D und EU, die nichts anderes machen, als Umverteilungs-Töpfe zu verwalten und deren Kontrolleure, die wiederum die Topfverwalter kontrollieren. Massiver Abbau von exorbitanten Regierungskosten in D und der EU mit Selbstbedienungscharakter: Fuhrparks, Reisen, private Altersvorsorge, etc. p.p..
    Und für die EU die Einführung von glasklaren Regelungen üfr EU-Staaten:. z.B. Einmalhilfe ja, aber mit klaren Kursvorgaben. Danach keine Hilfe mehr. Oder, wer bei EU beitritt seine Finanzlage geschönt hat, fliegt raus, wenn es zum Eklat kommt. Warum sollen wir die Zeche für die Griechen und Portugiesen zahlen. Warum sollen wir zwei Mal für Irland zahlen, zunächst exorbitante Subventionen mit wirtschaftlichem Sogeffekt und nun ein zweites Mal für die Staatspleite.
    Sorry, Deutschland muss aufwachen, klare Position beziehen und dem Markt seine Freiheit zurückgeben.

  • Das ding ist gegessen das wissen die institute. Der Finanzgau ist da, nur wird bis zum eintreffen weiter gesündigt,frischgedrucktes noch paar über den Tisch ziehen in Rohstoffe gehen sich ruhig zurücjlegen denn nun kommt die perfekte Welle. Da ist kein Risiko dabei Lebensverlängernde Massnahmen für Zombis. Billionen schulden Billionen Guthaben und frisch drucken sind geeignet dazu alles zu verlieren. So ist der Mensch nur freundlichkeit sollte schon sein.

  • Ich denke, an diesen Finanzprodukten gibt es zwei Methoden zur Kundenabzocke, die man getrennt betrachten und auch bearbeiten muss, im Artikel aber etwas vermischt werden:
    1. Versteckte Kosten. Hier kann man wie im Verbraucherschutz üblich, z.B. bei Billigfluglinien, klare Richtlinien zur Kostentransparenz vorgeben. So dass der Kunde wirklich weiss, wie viel Geld er allein der Bürokratie der Bank in den Rachen wirft.
    2. Risiken. Sind die Risiken hoch, sollte man eine Investition in ein solches Papier einfach wie Glücksspiel behandeln. Entweder man hält am Glücksspielmonopol des Staates fest und verbietet dann konsequent solche Papiere, oder man lässt die Leute zocken, wie sie wollen. Ich bin eher für Letzteres, vielleicht garniert mit einer Pflichtkennzeichnung "Diese Investition ist in etwa so gut wie Lottospielen"

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