Anlageprodukte
Die Rückkehr des Risikos

Nach der Finanzkrise versprachen die Banken eine Rückbesinnung auf einfache, transparente Produkten. Doch die Realität sieht anders aus. Mit immer komplizierteren Anlagen gehen die Institute weiter auf Kundenfang.
  • 11

FrankfurtDer Bundespräsident war gereizt. Die Banken, schimpfte Christian Wulff, hätten nichts aus der Finanzkrise gelernt. Erkennen lasse sich das unter anderem an den Produkten, die Finanzkonzerne ihren Kunden verkauften, sagte Wulff auf dem Bankentag in Berlin. Kompliziert seien die, für Anleger kaum zu verstehen - noch immer nicht. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) haut in die gleiche Kerbe: "Man wird den Eindruck nicht los, als würden einige Akteure auf dem Finanzmarkt nach der Schockstarre der Bankenkrise jetzt wieder munter zu alten Verhaltensweisen zurückkehren - als wäre nichts geschehen", sagte sie dem Handelsblatt.

Dabei hatte die Finanzbranche Besserung gelobt, nachdem Tausende Anleger während der Finanzkrise ihr Geld mit Lehman-Zertifikaten verloren hatten; viele Kunden wussten damals nicht, was ihnen die Bankberater da verkauft hatten - und wie risikoreich diese Papiere tatsächlich waren. Als Lehre aus der Krise versprachen die Banken, künftig nur noch leicht verständliche Produkte unter das Kundenvolk zu bringen. In Zukunft sollte alles ein bisschen so sein wie zu Großvaters Zeiten, als den Anlegern noch Schatzbriefe und solide Aktien empfohlen wurden statt Korridor-Optionsscheine oder Exchange Traded Commodities.

Die neue, alte Komplexität herrscht noch immer vor

Doch die Realität sieht anders aus: "Der Markt ist nur wenig transparenter geworden. Dafür ist die Krise zu schnell abgehakt worden", sagt Andreas Köchling, Experte für den Derivatemarkt beim Analysehaus Feri Euro Rating. Die neue, alte Komplexität findet sich bei fast allen Anlageprodukten. Bei Zertifikaten, Fonds, selbst bei der Deutschen liebstem Kind: der Lebensversicherung (siehe Kästen).

Beispiele gibt es viele, etwa die Synthia-Anleihen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) - gedacht für Privatanleger. In dem Zertifikat sind Kreditrisiken mehrerer Staaten verpackt, darunter Griechenland, Spanien, Irland. Auf den Markt kamen die Produkte Anfang 2010; in den Medien wurde damals bereits lang und breit über das Schuldenproblem der Griechen berichtet.

Seite 1:

Die Rückkehr des Risikos

Seite 2:

Kommentare zu " Anlageprodukte: Die Rückkehr des Risikos"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Da muss ich Frau Aigner zustimmen. Wer heute noch Produkte kauft, die er nicht versteht, weil er meint damit dem Markt ein Schnäppchen zu schlagen, ist selbst schuld, wenn es in die Hose geht. Der Markt regelt dann das Angebot, zumal die Beratungspflichten ja verschärft wurden. Andererseits sollte man den Leuten nicht vorschreiben wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. Das in den sog. sicheren Lebensversicherungen auch entsprechende, z.T. höhere Margen als in den so verpöhnten Finanzderivaten versteckt sind, bemängelt merkwürdigerweise keiner..
    Absicht oder Zufall?!

  • Geigerzähler kaufen!! Dann gibt es sehr wenig Risiko!!
    Sonst: kein Strahlen, - danach!

  • Geigerzähler kaufen!! Dann gibt es sehr wenig Risiko!!
    Sonst: kein Strahlen, - danach!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%