Anlageprofis mit ähnlichen Strategien
Vermögensverwalter bevorzugen Anleihen

Geschäftsfrau Annette Böhm aus Krefeld macht sich Sorgen. Demnächst wird ihre Lebensversicherung fällig. Doch sie weiß nicht, wie sie das Geld anlegen soll. „Aktien bleiben riskant, und Wertpapiere bringen kaum Zinsen“, klagt sie. Viele Investoren teilen Böhms Sorgen.

DÜSSELDORF. Und selbst Profis haben in den vergangenen zwölf Monaten überwiegend Verluste erwirtschaftet. Doch Vermögensverwalter, die eine positive Rendite erzielt haben, arbeiteten nicht mit Zaubertricks. Ihre Devise lautet schlicht: „Bleiben Sie konservativ“. Wie würden die besten der Branche heute 100 000 Euro anlegen?

Die PSM Vermögensverwaltung Langen v.d. Goltz & Partner in München hält in ihren beiden Vermögensfonds „PSM-Rendite“ und „PSM-Global“ nur 5 % Aktien, obwohl sie nach Fonds-Vorgabe beim einen bis zu 50 %, beim anderen bis zu 100 % in Aktien investieren kann. Firmenpartner Eckart Langen von der Goltz rät bei einer Anlagesumme von 100000 Euro: nicht mehr als 15-20 % in Aktien, 60 % in Staatsanleihen, den Rest in Geldmarktfonds - zur Sicherung des Bestands und um liquide zu sein, wenn die Zinsen wieder steigen. „Es ist noch keine dauerhafte Erholung der Weltwirtschaft in Sicht“, warnt Langen von der Goltz, dessen Vermögensverwaltung in den vergangenen zwölf Monaten nach Erhebung der Informationsdienstes Firstfive eine Rendite von 9,3 % erzielt hat.

Ähnlich vorsichtig ist auch Hans-Dieter Lauer, Manager des Rent S Mischfonds von BWK. Er würde nicht mehr als 10 % in Aktien investieren, 45 % würde er in kurzlaufende Rententitel stecken und 40 % in mittelfristige mit Laufzeiten von bis zu 10 Jahren. „Das Pflänzchen Konjunktur ist noch sehr schwach“, sagt er, „sobald die Konjunktur wieder anzieht, steigen die Zinsen“. Damit würden die Kurse, die sich entgegengesetzt zu den Zinsen bewegen, fallen. Wer Langläufer besitzt, riskiere, dass er sich dann nur mit Kursverlusten davon trennen kann. Sein Rent S Fonds liegt mit einer Rendite von 4,83 % in der Ranking-Liste von Morningstar auf einem der vordersten Plätze.

Bei Bonds spielen Staatsanleihen die Hauptrolle

Die Grob-Einteilung nimmt auch Dirk Rüttgers von Weberbank Privatbankiers kaum anders als seine Kollegen vor. Nicht mehr als 15 % Aktien, sagt er, der Rest geht in Festverzinsliche. Auch er hat es geschafft, mit seinen konservativen Vermögensverwaltungs- Depots in der Gewinn-Zone zu bleiben.

Weiterer gemeinsamer Nenner der Top-Verwalter: Bei Bonds spielen Staatsanleihen die Hauptrolle. Langen von der Goltz warnt vor Industrie-Anleihen, auch wenn sie etwas höhere Renditen bringen. „Viele Firmen sind hier wie in den USA zum großen Teil überschuldet“, sagt er. Selbst große Namen wie Ford und General Motors böten keine Sicherheit, weil die Firmen auf Grund ihrer hohen Pensionsverpflichtungen immer mehr Kredite aufnehmen müssten. Kollege Rüttgers lehnt die riskanteren Unternehmensanleihen dagegen nicht vollständig ab. Festverzinsliche würde er zwar zu 85 % in Form von Staatspapieren kaufen, aber er rät, auf jeden Fall 15 % so genannte „Satelliten“ beizumischen. Darunter versteht er Risikopapiere aus Schwellenländern wie Brasilien und Venezuela, aber auch hochverzinsliche Unternehmenspapiere. „Damit sichern Sie das Portfolio gegen Zinserhöhungen ab“, sagt Rüttgers. Wenn die Zinsen generell wieder steigen, erlitten Hochzins-Papiere in der Regel nämlich kaum Kursverluste. Weil Laien das Risiko einer Hochzins-Anleihe nur schwer einschätzen könnten, sei es jedoch empfehlenswert, das Management den Profis zu überlassen und einen High-Yield-Fonds zu kaufen.

Bei den Staatspapieren rät er auch zu Werten aus Griechenland oder Frankreich, weil sie etwas höhere Zinsen bringen als deutsche Papiere und als Eurozonen-Anleihen praktisch genauso sicher sind.

Größere Turbulenzen befürchtet

Unterschiedlich sind die Meinungen, wo die 10 000 bis 15 000 für Aktien vorbehaltenen Euro am besten investiert sind. Langen von der Goltz befürchtet größere Turbulenzen, bevor es zu einer nachhaltigen Konjunktur-Erholung kommt. Sein Tipp: Gold- und Silberproduzenten wie Coeur D’Alene und Gold Fields. Ansonsten hält er die meisten Aktien für zu teuer: „Wir prüfen mehr als 7000 Firmen, davon halten wir allenfalls 20 für unterbewertet“.

Hans-Dieter Lauer von BWK würde sich dagegen nach Banken-, Versicherungs- und Automobilwerten umsehen, um damit an einem Konjunkturaufschwung teilzuhaben. „Warten Sie noch ein paar Wochen damit“, rät er jedoch, „bis die Anzeichen für eine Erholung deutlicher sind.“ Dirk Rüttgers von der Weberbank empfiehlt eine breite internationale Streuung, am besten mit Hilfe entsprechender Fonds. Dabei sei es empfehlenswert, auf Absicherungen gegen Kursverluste des Dollar zu achten.

Alle drei raten, das Portfolio immer wieder zu überprüfen. Spätestens wenn sich die Konjunktur dauerhaft erholt, gilt es umzuschichten.

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