Anlageprofis zu Griechenland und Grexit
„Mit Spieltheorie ist keinem Anleger geholfen“

Die Börsen wackeln, Risikoaufschläge steigen, Griechen horten Bargeld: Wie gefährlich ist die Lage für Anleger? Asoka Wöhrmann, Ulrich Kater und andere Experten zu Grexit, Ansteckungsgefahr und Rettung in letzter Minute.
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FrankfurtEr ist da – der Tag, der das weitere Schicksal Griechenlands besiegeln könnte. In Luxemburg treffen sich heute ein letztes Mal die Euro-Finanzminister und beraten darüber, wie sich die drohende Pleite des Krisenstaats noch abwenden ließe. Das Treffen müsste heute die Weichen dafür stellen, dass Griechenland am Ende das Monats die letzte Tranche aus dem aktuellen Hilfspaket, 7,2 Milliarden Euro, bekommt.

Doch die EU bindet die Auszahlung an Bedingungen. Athen solle endlich Sparmaßnahmen vorlegen, die die europäischen Partner auch akzeptieren könnten. Die geforderte Kürzung von Renten und Gehältern lehnt Athen bislang kategorisch ab. Umgekehrt genügt es der EU nicht, würde Griechenland bestimmte Sondersteuern, etwa die Luxussteuern, erhöhen.

Bekommt Griechenland die Tranche nicht, ist das Land faktisch Pleite. Es hätte keinerlei Mittel mehr, um einen Kredit von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzuzahlen – von Gehältern an Staatsdiener und Renten ganz zu schweigen. Die erste Rate des IWF-Kredits in Höhe von 300 Millionen Euro wäre bereits am 5. Juni fällig gewesen, doch Athen erhielt Zahlungsaufschub bis Ende des Monats.

Bislang zeigte sich der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis als ausgemachter Zocker. Fast schien es, als nähere sich der Ökonom dem Problem als Spieltheoretiker, ganz nach dem Motto: Wenn zwei Autos aufeinander zurasen, gewinnt der, der bis zum Ende das Gaspedal durchgedrückt hält und sich sicher ist, dass der andere rechtzeitig ausweicht.

Doch die Situation spitzt sich zu, wie es bislang zuvor nie der Fall war. So war es ein schierer Notruf, ein letzter Appell an die Vernunft der Verhandlungspartner, als die Athener Notenbank verkündete, ein Scheitern der Rettungsgespräche würde zunächst zur Staatspleite, dann zum Austritt aus der Euro-Zone und wahrscheinlich zum Austritt aus der EU führen.

Wie nervös die Märkte mittlerweile sind, lässt sich an gleich mehreren Indikatoren festmachen, etwa einer immensen Volatilität der Aktienmärkte, steigenden Risikoprämien bei europäischen Staatsanleihen, Zinsaufschlägen bei den Bundesanleihen, Ausverkauf von Risikopapieren und dem anhaltenden Bargeldrun auf griechische Banken.

Zuletzt sackten auch die Aktienkurse an der Athener Börse weiter ab: Der Leitindex fiel am Donnerstag um 4,3 Prozent auf 651 Punkte. Das war der niedrigste Stand seit September 2012, als ebenfalls die Schuldenkrise die Anleger verunsichert hatte. Zehnjährige griechische Staatsanleihen brachen um bis zu 58 Ticks ein, was die Rendite von knapp 13 auf rund 13,2 Prozent trieb.

Vor dem Hintergrund hat sich das Handelsblatt aktuell unter Deutschlands führenden Anlageprofis und Volkswirten umgehört und gefragt, wie hoch sie die Wahrscheinlichkeit eines Grexits und die Ansteckungsgefahr auf den europäischen Aktien- und Anleihemärkten einschätzen – und was sie vom heutigen Finanzministertreffen erwarten.

Lesen Sie auf den nächsten Seiten, was Ulrich Kater (Chefvolkswirt Dekabank), Asoka Wöhrmann (Chef-Anlagestratege Deutsche AWM), Eugene Philalithis (Portfolio Manager bei Fidelity Worldwide Investment), Martin Stürner (Vorstand beim Vermögensverwalter PEH Wertpapier), Alan Wilde (Leiter des Anleihegeschäfts beim britischen Fondsanbieter Barings), Azad Zangana (Volkswirt bei Schroders) und Ewen Cameron Watt (Chef-Investmentstratege des BlackRock Investment Institute) glauben.

Kommentare zu " Anlageprofis zu Griechenland und Grexit: „Mit Spieltheorie ist keinem Anleger geholfen“"

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  • „Mit Spieltheorie ist keinem Anleger geholfen“
    Das trifft nur auf die einfache Spieltheorie zu. Die Higgs-erweiterte Spieltheorie hingegen eröffnet hier ganz neue Möglichkeiten: www.siomec.de/downloads/34

  • Sehr geehrte Redaktion das ist ziemlich lächerlich was sie hier treiben, wenn ich in Betracht ziehe was für Äußerungen hier zuweilen als zulässig erachtet werden.
    Dann muss ich an ihrer Objektivität zweifeln, Hass Tiraden dürfen frei formuliert werden. Es sei denn diese sind im Interesse der Meinungsbildung ihres Blattes !
    Das ist keine Meinungsfreiheit und auch kein guter Journalismus.

    Vielen Dank

  • @Jantschik
    ja, ja, der Euro und die Globalisierung, ein Segen für Europa.
    Der Euro ist in erster Linie dafür verantwortlich, dass die Südstaaten nicht
    mehr wettbewerbsfähig sind. Und durch die Globalisierung kam ein weiterer
    Hammer hinzu.
    Zur Solidarität in der Eurozone sei noch zu erwähnen, daß in einer Wirtschafts-
    und Währungsgemeinschaft von dieser Diemension, die Arbeitsplatzbeschafftung
    in Europa erste Priorität genießt. Was machen unsere Konzerne? Die Investitionen
    gehen nach Asien, Südostasien usw. Zölle wurden abgeschafft, so dass jeder
    "Dreck" zollfrei importiert werden kann und die einschlägig bekannten Konzerne
    sich goldene Nasen verdienen können. Hätte jedes Land seine eigene Währung,
    wäre die Wettbewerbsfähigkeit der Südländer mit Sicherheit besser. Natürlich
    müßten dann die Deutschen Konzerne kämpfen und hätten es nicht mehr so
    leicht, aber das ist allemal besser als der jetzige Zustand, wo wir auf Kreditbasis
    exportieren, dafür auch noch haften und am Schluss -siehe Griechenland- umsonst gearbeitet haben. Der Bürger zahlts ja mit seinen Steuergeldern.
    Die Bankgster und die Industriekaste lacht sich einen Ast.
    Der Euro ist nicht tragbar und nicht finanzierbar, als weg!

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