Anlagestil des Milliardärs Warren Buffett findet verstärkten Zulauf
Deutsche Investoren wagen mit Substanzaktien großen Wurf

Kein Anlagestil hat eine ähnlich lange Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Vor über 70 Jahren entwickelten die US-Finanzwissenschaftler Benjamin Graham und David Dodd die Theorie von den lukrativen Aktien mit Substanz (Value).

DÜSSELDORF. Grahams Schüler Warren Buffett (74) setzte diese Theorie in die Praxis um und wurde damit einer der reichsten Männer der Welt. Jetzt kommen auch deutsche Anleger auf den Geschmack. Denn Fonds, die nach der Methode des „Value Investing“ nach deutlich unterbewerteten Aktien suchen, haben in den letzten Jahren die Märkte und auch ihre Konkurrenz regelmäßig geschlagen. Neben einer Zahl kleinerer Vermögensverwalter entdecken inzwischen auch die großen Fondsgesellschaften und institutionelle Anleger Substanzwerte.

Graham und Dodd gingen davon aus, dass der Kapitalmarkt ineffizient arbeitet, und entwickelten eine Aktienanalysemethode, die deutlich unterbewertete Titel aufspürt. „Hässliche“ Aktien, die von den meisten Anlegern links liegen gelassen werden und deshalb besonders günstig zu haben sind, zählen zu den Favoriten der Wertinvestoren. Glamouröse Titel, die gerade in Mode sind, lassen sie links liegen. Es sei nur eine Frage der Zeit, so die Theorie, bis der wahre Wert der Aktien entdeckt werde und der Kurs entsprechend steige. Tatsächlich belegen Untersuchungen, dass Wertinvestoren über viele Jahre gerechnet im Schnitt eine um etwa drei Prozent bessere Kursentwicklung jährlich vorweisen als der allgemeine Markt.

In den USA firmieren etwa 20 Prozent aller Fonds als Value-Fonds . In Europa folgen bis jetzt weniger als fünf Prozent dem System. Doch der Stil findet neue Anhänger. So hat die Bayerische Landesbank damit begonnen, ihr gesamtes Angebot, vom Research bis zur Portfoliozusammenstellung auf reines Value-Investing auszurichten. Zur Einstimmung ihrer institutionellen Kunden hatte sie den angesehenen Experten Bruce Greenwald von der Columbia-Universität in New York gebeten (siehe „Nachgefragt“). „Das Echo ist bisher enorm“, sagt der Vertriebsleiter der Abteilung Aktien, Stefan Rehder.

Nachdem Einzelkämpfer wie der Düsseldorfer Portfoliomanager Frank Lingohr oder Hendrik Leber von Acatis mit ihren Fonds regelmäßig ganz oben auf den Ergebnislisten der Fonds-Ratingagenturen auftauchen, ist Value-Investing auch für die großen Fondsgesellschaften ein Thema. Die DWS etwa bietet einen reinen Value-Fonds, den DWS Global Value an. Die Fondsgesellschaft Dit sagt, Value-Fonds führe sie schon länger, doch die Kunden fragten jetzt vermehrt nach.

Dass Anleger gerade jetzt auf die uralten Weisheiten stoßen, liegt vor allem an der Marktlage. Wenn der Markt über einen langen Zeitraum stagniert – wie in den USA zu beobachten–, haben Perlensucher den größten Erfolg. In einer ausgesprochenen Boomphase dagegen werden Value-Investoren regelmäßig von den Wachstumsanlegern (Growth) überholt.

So erklärt sich auch, dass Value-Investing trotz der Erfolge ein Nischenprodukt geblieben ist. Wertinvestoren müssen einen Zeithorizont von mindestens fünf Jahren haben. Für viele ist das zu lange. „Ich kann mal ein Jahr lang schlechter abschneiden als der Rest, nicht aber fünf Jahre“, sagt Fondsmanager Thomas Schüßler, dessen DWS Global Value-Fonds über drei Jahre seinen Wert um 45 Prozent gesteigert hat. Die Leute in Deutschland kauften einen Fonds wegen seiner Wertentwicklung, nicht weil „Value“ draufstehe, sagt Schüßler. Auch Lingohr, der sich mit seinem BB-Invest seit mehreren Jahren auf den weltweiten Toplisten wiederfindet, hat schon härtere Zeiten erlebt: „Das vierte Quartal 1999 und das erste Quartal 2000 waren Zeiten, die waren nicht gerade lustig“, sagt Lingohr. Damals ließen die Wachstumstitel die Substanzwerte weit hinter sich.

Die eher langweiligen Aktien sind aber die langfristigen Ertragsbringer, so die Value-Philosophie. Lingohr etwa hat zuletzt Altana zugekauft und auch den französischen Stahlhersteller Arcor im Portfolio. Schüßler hält als größere Positionen Royal Dutch Shell und Astra Zeneca. Die Aktie, mit der Buffett reich geworden ist, interessiert Wertinvestoren allerdings nicht mehr: Coca-Cola. Dieses Papier gilt mittlerweile als viel zu teuer. Buffett hat schon öffentlich geklagt, dass er sie nicht längst verkauft habe.

Schön hässlich

Gute Werte: Value-Investoren lieben alles, was eine solide Aktie unattraktiv macht: Firmenskandale, ein schlechtes Quartal oder ein Aufsehen erregender Prozess drücken den Kurs und verheißen Kaufgelegenheiten. Besonders geschätzt sind kleinere, von Analysten unbeachteteTitel.

Gute Fonds: In den USA gehören Gabelli, Tweedy Browne, Fidelity und Brandes zu den bekanntesten Namen. In Deutschland sind Lingohr und Acatis konsequente Verfechter der Value-Theorie.

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