Anlagestratege im Interview
„Die Krise löst sich bald in Luft auf“

Die Aktienkurse steigen kräftig. Und wenn es nach Burkhard Varnholt von der Bank Sarasin geht, dürfte es weiter nach oben gehen an der Börse. Zu dieser Überzeugung sei er in Davos gekommen, sagt er.
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Herr Varnholt, die Eurokrise ist noch lange nicht gelöst, trotzdem steigen die Aktienkurse kräftig. Sind die Investoren nicht zu optimistisch?
Ich denke, der Markt hat ein sehr gutes Gespür für die Situation. Die Lage ist besser, als mancher kritische Beobachter vielleicht denken mag. Das spiegelt die Kursentwicklung derzeit wider.

Woran machen Sie das fest?
Die Geschäftszahlen, die viele Unternehmen zuletzt vermeldet haben, konnten sich durchaus sehen lassen. Die Konjunkturdaten in den USA, aber auch in einigen Euroländern, waren besser, als man das vielleicht vermuten konnte.

Dennoch, viele Investoren sind nach wie vor verunsichert.
Ein – zugegeben – eigenwilliger Indikator dafür, dass die tatsächliche Lage besser ist als die gefühlte, war aus meiner Sicht übrigens das Weltwirtschaftsforum in Davos: Wenn dort geklagt und der Weltuntergang herauf beschworen wird, ist das meist ein gutes Zeichen, dass die Realität sehr viel freundlicher ausschaut. In diesem Jahr wurde dort sehr ausgiebig geklagt.

Dann wird sich die Eurokrise vermutlich irgendwann in Luft aufgelöst haben.
So ist es, ja. Allerdings steht den verschuldeten Staaten ein schmerzhafter Anpassungsprozess bevor, der vielerorts noch Jahre in Anspruch nehmen wird. Und das führt dazu, dass die Aktienkurse mitunter sehr kräftig schwanken werden. Untergehen wird der Euro aber nicht.

Sie glauben, die Politik hat die richtigen Werkzeuge, um die Probleme zu lösen?
Ich glaube, die Europäische Zentralbank hat sie. EZB-Chef Mario Draghi hat das sehr geschickt gemacht, indem er die Banken in den kommenden Jahren mehr oder weniger unbegrenzt mit günstigen Krediten versorgt. So finanziert er auf Umwegen auch die angeschlagenen Staaten. Aus meiner Sicht ein Kunstgriff.

Griechenland wird er nicht helfen mit diesem Kniff. Kein Bankchef wird ohne Androhung körperlicher Gewalt Geld in Bonds aus Athen stecken.
Die Situation in Griechenland ist zweifellos kritisch, das stimmt.

Wie lässt sich die Situation verbessern – sollten die Griechen ihre Drachme wieder einführen, um über eine Abwertung wettbewerbsfähiger zu werden?
Nein, das wäre die größtmögliche wirtschaftliche, vor allem aber politische Katastrophe. Es gibt keinen Plan B. Weder für Deutschland, noch für Griechenland, noch für irgendein anderes Land der Eurozone. Gegenfrage: Was wäre denn so schlimm an einer Insolvenz Griechenlands?

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Kommentare zu " Anlagestratege im Interview: „Die Krise löst sich bald in Luft auf“"

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  • Gerettet wird ausschließlich mit neuen Schulden...
    Nur dumm, dass es sich nicht um eine "Kriese" handelt wie Herr Varnholt meint,sondern vielmehr um eine "systemrelevante Bankenkriese" - also einer SYSTEMKRISE!
    Bisher wurden ausschließlich Banken unter dem Vorwand der Staatenrettung "gerettet"! Wenn dann der Versuch der "Rettung" von Staaten folgt, gibt es eine vollkommen neue Qualität der Schuldenexpansion! Wer rettet dann die "Retter" vor dem Bankrott???

    "Eine Währung (EURO) welche gerettet werden muß ist bereits tot"!

  • Ach, jetzt, wo ich das Interview mit dem Bank-Fachmann gelesen habe, bin ich aber froh, dass sich alles in Luft auflöst. Der Mann muss es schließlich wissen, weil er ja ein Banker ist. Und ich Dummerchen hatte schon Angst, die Krise münde in einer Katastrophe.

    Da ich aus berufenem Mund gehört habe, dass alles gut wird, gehe ich beruhigt zu meinem Flachbildfernseher und gucke "Bauer sucht Frau".

  • Zitat:"Die Krise löst sich bald in Luft auf."
    Ja, und mit ihr der EURO und die ganze EURO-Zone und auch den anderen Schuldenwährungen, die auf Kreditschulden basieren, wird es nicht anders ergehen! Und zwar spätestens dann, wenn das Vertrauen der breiten Menschenmasse darin endgültig verloren geht.
    Für wie blöd halten uns Bürger eigentlich die Bankster?
    Aber als ein solcher muss dieser Mann ja so etwas von sich geben, damit seine und die anderen Banken weiter eigennützige Geschäfte und Profit machen können.

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