Anlagestratege im Interview: „Viele Anleger unterschätzen die Risiken“

Anlagestratege im Interview
„Viele Anleger unterschätzen die Risiken“

Der Dax nähert sich der Marke von 7000 Punkten. Gustav Holtkemper, Bereichsvorstand des Wealth Managements der Commerzbank, warnt vor den Gefahren für Investoren. Und er meint damit nicht Griechenland.
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Herr Holtkemper, die Aktienkurse sind zuletzt kräftig gestiegen – sollten Anleger trotzdem noch einsteigen?

Das kann man pauschal nicht sagen. Langfristig gehören dividendenstarke Qualitätsaktien mit Sicherheit in jedes Depot. Allein schon wegen der Inflationsaussichten und des niedrigen Zinsniveaus; als Sachwerte sind Aktien verzinslichen Wertpapieren in diesem Umfeld überlegen. Aber es gibt derzeit mehrere Risiken, die den Dax noch mal kräftig drücken könnten.

Welche meinen Sie?

Die Schuldenkrise in Europa ist noch lange nicht ausgestanden, auch wenn mancher vielleicht diese Hoffnung hegen mag. Dazu kommen gleich mehrere geopolitische Risiken. Die angespannte Situation im Iran etwa, die sich weiter zu verschärfen scheint. Viele Investoren blenden das derzeit noch aus. Oder die Lage in Nordafrika. Der Weg zu Stabilität ist dort noch weit. Auch Russland sollten wir nicht vergessen. Die Demonstrationen der vergangenen Wochen hat es in der Form noch nicht gegeben. All das hätte Auswirkungen auf die Weltkonjunktur und damit die Aktienmärkte. 

Wo steht der Dax am Ende des Jahres?

Ich bin kein Hellseher und deshalb generell zurückhaltend, was derlei Prognosen betrifft.

So leicht kommen Sie nicht davon: Höher oder niedriger als derzeit? 

Bleibt alles ruhig, und Deutschland fällt nicht in eine Rezession, sondern bekommt nur ein paar Dellen ab, dann könnte sich der Aktienmarkt durchaus positiv entwickeln. Aber wie gesagt: Ich verfüge über keine Glaskugel. Die Zukunft vorherzusagen, ist mir also verwehrt. Was ich Ihnen mit Sicherheit sagen kann ist, dass die Volatilität hoch bleiben wird. Auch 2012 wird ein sehr anspruchsvolles Jahr für Investoren.  
So wie 2011?

Vergleichbar, ja. Im vergangenen Jahr gab es im Schnitt drei Tage in jedem Monat, an denen der Dax um mindestens fünf Prozent gestiegen oder gefallen ist. Selbst wenn sich die Situation in Griechenland beruhigt, dürfte es diese kräftigen Schwankungen auch in Zukunft geben.

Griechenland ist doch einer der Gründe für die hohe Volatilität.

Aber eben nicht nur. Man muss die Entwicklung an den Märkten in einem größeren Zusammenhang sehen und über einen längeren Zeitraum. Heute sind Markteilnehmer aktiv, die es früher nicht gegeben hat. Nehmen sie die vielen elektronischen Handelsprogramme, die mithilfe von Algorithmen Wertpapiere handeln. Oder Hedge-Fonds. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen. Außerdem hat der Einfluss nichtkommerzieller Marktteilnehmer wie den Notenbanken zugenommen. Die Märkte sind politischer und damit unberechenbarer geworden; das müssen Anleger, das müssen auch wir akzeptieren. 
 

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Gold gehört in jedes Depot

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  • Frage zu folgender Aussage: "Ich glaube aber, dass die Bereitschaft der anderen Euroländer, den Griechen weiter zu helfen, größer ist, als das manchmal den Anschein hat. Die Insolvenz von Lehman Brothers 2008 hat viele dafür sensibilisiert, was passiert, wenn man einen Markteilnehmer fallen lässt und die Dinge außer Kontrolle geraten. Das will niemand ohne Not ein weiteres Mal riskieren." - Hier die Frage: Aus welcher Galaxis spricht dieser Mann?? Die Griechen, welche die "Deutschen" pauschal verurteilen, die ihnen soviel Geld in einen offenen Nationalrachen werfen, dafür sogar auf die Straße gehen...das soll eine/r wollen? Noch mehr? Lehmann Brothers ängstigt? Eher, eher ängstigen China durch sein intransparentes Vorgehen, Einkaufen in Europa sowie die gewissen Top-Ten oder wie immer genannt, welche seit sechzig und mehr Jahren die Zügel still und im Hintergrund in der Hand halten! Dazu gehört die Verdummungswäsche der Zentralbankenpolitik usw. usw. usw.

  • Die Commerzbank hat eine Abteilung " Wealth Management " ?

    Ist das nicht ein Widerspruch in sich ?

  • @Bietchekekoopen
    nominell alte Höchststände, mit entwertetem Geld? Viel Spass. Die Kurve wird doppelt gegen Sie arbeiten. Ich bin Komponist und halte es mit Franz Lehar, Gold und Silber, seit 2007 unschlagbar. Kaufe dann später Aktien, nach dem Orkan der gerade aufzieht.

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