Anlagestrategie
Aktien-Pessimisten schwenken um

Mehr als 1 000 Punkte hat der Deutsche Aktienindex seit Anfang März gewonnen. Das nährt Hoffnungen, dass das Schlimmste an den Börsen vorbei ist. Die steigenden Kurse lassen jetzt sogar die "Bären" von ihren schlimmsten Szenarien abrücken. Eine Trendwende sehen die Skeptiker aber noch nicht.

FRANKFURT. Die starke Erholung an den internationalen Aktienmärkten in den vergangenen neun Wochen lässt jetzt selbst die bislang größten Pessimisten die Zukunft weitaus zuversichtlicher einschätzen als bisher. Grund dafür sind vor allem die zuletzt deutlich gestiegenen konjunkturellen Frühindikatoren. Und selbst die einstigen „Sorgenkinder“ wie die Kapazitätsauslastung der Unternehmen oder der Hauspreisindex in den USA fallen inzwischen weitaus langsamer als noch vor wenigen Wochen, so dass auch von dieser Seite – wenn auch nur verhaltene Unterstützung – kommt.

„Statt von 3 600 Punkten zum Jahresende gehen wir nun davon aus, dass der deutsche Leitindex im Dezember bei etwa 4 400 Punkten liegen wird. Wobei in den kommenden Wochen sogar die Marke von 5 000 Punkten überwunden werden dürfte“, sagt Carsten Klude vom Hamburger Bankhaus M.M. Warburg. Die Privatbank war bislang unter allen Instituten das mit der niedrigsten Dax-Prognose und hatte in der schlimmsten Marktphase Anfang März sogar ein Absacken bis auf etwa 3 300 Punkte prognostiziert. Lange Zeit lagen Klude und seine Kollegen damit richtig, jetzt aber stellen auch sie sich den veränderten Gegebenheiten. „Insofern rechnen wir damit, dass sich die positiven Überraschungen von ökonomischer Seite, die eine wichtige Rolle bei dem derzeitigen Börsenaufschwung spielen, noch eine Weile fortsetzen werden“, sagt Carsten Klude.

Von einer generellen Trendwende wollen die bisherigen Skeptiker allerdings noch nichts wissen. Sie führen vieles, was sich derzeit an den Märkten abspielt, auf psychologische Aspekte und weniger auf einen nachhaltigen Aufwärtstrend zurück. „Bereits leichte Verbesserungen einzelner Stimmungs-Indikatoren werden von den Marktteilnehmern geradezu euphorisch aufgenommen“, kritisiert Jens Herdack von der Berliner Weberbank. Die „Bärenmarktrally“, wie er den aktuellen Aufschwung nennt, sieht er in den letzten Zügen.

Es ist der Spagat zwischen der jüngsten Markterholung und der eigenen – durchaus begründbaren – Skepsis, der mit jedem weiteren Tag im Plus schwieriger zu erklären ist. Deswegen kommt es oft zumindest zum Überdenken der eigenen Position. „Es ist noch zu früh, um die Rückkehr des Konjunkturoptimismus auszurufen, doch signalisieren die Geschäftsklimadaten aus den USA, dem Euro-Raum und China eindeutig, dass sich die Stimmung im Unternehmenssektor nach dem Pessimismus Ende letzten Jahres eindeutig bessert“, sagt Joost van Leenders von der niederländischen Fortis.

Sein Haus zählte in der Vergangenheit ebenfalls zu den zurückhaltenden Vertretern der Zunft und gewichtet Aktien weiter unter. Der Unterschied zur Phase vor wenigen Wochen ist dagegen der, dass der Aktienmarkt überhaupt wieder ins Blickfeld gerät und so bis dato beinahe undenkbare Varianten wieder plausibel erscheinen. So sehen die Fortis-Experten bei Aktien generell zwar nur wenige Chancen, setzen dabei aber ausgerechnet auf die lang extrem vernachlässigten Nebenwerte.

Die expansive Geldpolitik mit all den Konjunkturpakten weltweit spricht dabei ebenso für sie wie deren extrem niedrige Bewertung und die allgemein höhere Risikobereitschaft am Aktienmarkt. Man könnte Nebenwerte damit auch als Risikoinvestment auch für diejenigen bezeichnen, die grundsätzlich noch immer auf der Bremse stehen. Ob die Pessimisten mit ihrer generellen Einstellung recht behalten oder sich immer mehr dem Aufwärtstrend annähern müssen, werden die nächsten Wochen zeigen.

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