Anlagestrategie
Anleger in Not: Wohin mit dem Geld?

Die Europäische Zentralbank hat erneut die Zinsen gesenkt. Anleger spüren die Konsequenzen schmerzlich - bei Termin- oder Festgeld ist kaum noch etwas zu holen. Doch wer mehr Rendite will, sollte die wirtschaftlichen Perspektiven nicht vergessen.

FRANKFURT. Die Namensliste derer, die sich in den vergangenen Tagen zu den Finanzmärkten geäußert haben, könnte kaum brillanter besetzt sein. Multimilliardär Warren Buffett, genannt „das Orakel von Omaha“, ist darunter, ebenso der Fed-Chef Ben Bernanke und Yale-Professor Robert Shiller. Der warnte schon vor zehn Jahren vor der Dotcom-Blase und 2006 vor hemmungslos überbewerteten Immobilien. Gemeinsam haben die hochrangigen Experten mit Millionen von Privatanlegern weltweit vor allem eines: Sie beschäftigen sich mit der Frage, wie es mit der Konjunktur und den Märkten weitergeht, nachdem es zuletzt einige Lichtblicke gegeben hat. Für Privatanleger gelten solche Aussagen stets als Indiz, was künftig die besten Renditen abwerfen könnte.

Besonders weit vorgewagt hat sich dabei Yale-Professor Robert Shiller. Die Anleger sollten sich dem Risiko des „wirtschaftlichen Chaos“ stellen und ihrem Portfolio Aktien und Immobilien beimischen, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. Den aktuellen Zustand, den Shiller „wirtschaftliches Chaos“ nennt, bezeichnet Buffett als „finanziellen Orkan“ und Bernanke als „Kurs zwischen Deflation und Inflation“. Für Investoren bedeuten all diese Worte nichts anderes, als dass in der aktuellen Gemengelage eine Vielzahl an Chancen und Risiken liegt, es folglich im Moment auch sehr viel Geld zu verdienen – wie zu verlieren – gibt. Viele Anleger haben deshalb ihre extrem defensive Position, die sie noch vor einigen Wochen hatten, aufgegeben.

Jüngsten Umfragen unter europäischen wie amerikanischen Privatanlegern zufolge hält sich die Zahl der „Bären“, die nach dem jüngsten Aufschwung erneut fallende Kurse erwarten, und die der „Bullen“, die auf weiteren Aufschwung setzen, fast schon wieder die Waage. Noch vor Wochen gab es weit mehr „Bären“ als in der schlimmsten Phase des vergangenen Kurseinbruchs im Jahr 2003.

Bert Jansen, Aktienstratege bei BNP Paribas, sieht hier weiteres Aufwärtspotenzial zugunsten der „Bullen“. „Offensichtlich sind immer mehr Anleger der Meinung, dass das Schlimmste an den Börsen überstanden ist“, sagt auch Peter Schirmbeck von der DZ Bank. Die monatliche Umfrage des genossenschaftlichen Dachinstituts unter Privatanlegern zeigt aber auch den Zwiespalt, in dem sie stecken. Einerseits sind Anleger bereit, wieder mehr Risiko auf sich zu nehmen, andererseits zeigen sie nach wie vor ein übermäßig hohes Sicherheitsstreben. Dabei wirken sie wie Getriebene des Marktes, der ihnen dafür kaum noch Rendite zahlt, der andererseits aber Aktienbörsen zeigt, die sich allen Unkenrufen zum Trotz seit zwei Monaten kräftig erholt präsentieren. Und ein Ende des Aufwärtstrends ist vorerst nicht zu erkennen.

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