Anlagestrategie
Anleger sollten ihr Depot defensiv ausrichten

Noch ist es zu früh, wieder massiv in Aktien zu investieren und damit auf das Ende der Krise zu wetten. Darin sind sich vom Handelsblatt befragte Bankstrategen einig. Sie raten privaten Anlegern, ihr Depot noch nicht offensiv auszurichten.

FRANKFURT. Helmut Kaiser, Chef-Anlagestratege für private Kunden bei der Deutschen Bank, erwartet zunächst eine Seitwärtsbewegung am Aktienmarkt. "Anleger sollten stärkere Kursschwankungen am Aktienmarkt aber nicht zwangsläufig für Zukäufe nutzen", rät er. Denn die Deflationsdebatte und schwache Konjunkturdaten könnten die Märkte nochmals in Mitleidenschaft ziehen. Nach Ansicht von Hans-Jürgen Delp, Chef-Anlagestratege für Privatkunden bei der Commerzbank, könnte der Dax zwischenzeitlich um zehn bis 15 Prozent abrutschen. "Die Probleme der Finanzkrise und die Rezession sind noch nicht ausgestanden", sagt er. Wenn keine enttäuschenden Nachrichten mehr aufkämen, könnten die Börsen im Jahresverlauf ein moderates Wirtschaftswachstum vorwegnehmen - eine Erholungsphase beginnen. "Der Erfahrung nach beginnen Aktienkurse bereits im Tiefpunkt einer Rezession wieder zu steigen", sagt Delp. "Die Frage ist, ob das schwache Wachstum im ersten Quartal den Tiefpunkt markiert."

Dass 2009 das Jahr der Wende wird, hofft auch Frank Naab, Chef-Anlagestratege für Privatkunden beim Bankhaus Metzler. Die jüngste Erholung der Börsen "ist gesünder als das, was vorher war", begründet er seinen Optimismus. Die wieder in normalen Bandbreiten schwankenden Aktienkurse und die gesunkenen Renditeaufschläge für Firmenanleihen guter Bonität gegenüber Staatsanleihen zeigen für ihn, dass die Panik der Anleger nachgelassen hat. Viele solide Unternehmen seien zudem zum halben Buchwert und damit zu Unrecht auf Konkursniveau bewertet. Wermutstropfen bleiben aber die Firmengewinne: Sie hätten im Gegensatz zu den Aktienkursen ihre Tiefs noch nicht gesehen. "Wenn sich die Gewinnseite verbessert, bekommt der Aktienmarkt wieder Luft nach oben", sagt Naab.

Fundamental hat sich nichts geändert

Daher raten die Experten zu einer vorsichtigen Strategie. "Weil sich fundamental vorerst noch nichts gebessert hat", gewichtet Delp den Aktienanteil in den Musterportfolios um zehn Prozent niedriger als in "normalen" Zeiten und fährt die Liquidität mit 15 Prozent höher. Auch Kaiser von der Deutschen Bank rät abzuwarten. Naab von Metzler hat den Aktienanteil im Musterportfolio dagegen wieder leicht erhöht.

Je nach Risikoneigung empfiehlt die Commerzbank Anlegern einen Aktienanteil zwischen zehn und sechzig Prozent. Wer keinen Buchverlust im Depot ertragen kann, sollte aktuell nicht mehr als ein Zehntel des Kapitals auf Dividendentitel setzen. Risikofreudigen rät Delp, sich wegen der Rückschlagsgefahr für Aktien mit sechzig Prozent zu begnügen.

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