Anlagestrategie
Der große China-Bluff

Jahrelang wurde deutschen Kleinanlegern eingebläut, ihr Geld in China-Produkte zu investieren. Der Drache versprach hohe Renditen. Doch in vielen Fällen ist das Ergebnis ernüchternd, wenn nicht gar eine Frechheit.
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Frankfurt/DüsseldorfDie Versprechen klingen nach großem Geld. Anleger, die künftig hohe Renditen verdienen wollen mit ihrem Ersparten, müssten sich fernab Deutschlands umschauen, in Asien, vor allem in China. Die Volksrepublik sei zur "Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft geworden", Investoren, auch die Kleinen, könnten daran kräftig verdienen. Seit Jahren predigen das Fondsmanager und sonstige Finanzexperten der Banken. Egal ob deutsche, britische oder amerikanische Gesellschaften.

Mark Mobius ist so ein Prediger. Der weltbekannte Fondsmanager, der für Templeton das Geschäft in den Schwellenländern managt, sagte erst kürzlich in einem Interview, dass China nicht landen, sondern weiter fliegen werde. Gemeint waren die Wachstumszahlen, die zuletzt deutlich bescheidener ausgefallen waren als in früheren Jahren. Über diese Einschätzung können Volkswirte stundenlang diskutieren.

Viele Anleger dürfte das aber nur am Rande interessieren. Sie fragen sich vielmehr, ob China überhaupt jemals geflogen ist. Denn die Bilanz vieler Produkte, die Banken und Fondsgesellschaften ihren Kunden in den vergangenen Jahren angedient hatten, ist vergleichsweise bescheiden. Und das ist vorsichtig ausgedrückt. Der China Fonds der DWS etwa kostete vor fünf Jahren noch mehr als 320 Euro je Fondsanteil; heute sind es gerade einmal rund 220 Euro. Etwas besser, aber noch lange nicht gut, lief es in den vergangenen Monaten für den MFS Meridian Funds. Ende 2009 kam das Produkt für 10 Euro je Anteil auf den Markt, heute kostet es 10,28 Euro. Wenn man bedenkt, dass Anleger Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr bezahlen müssen, ist für sie zuletzt nicht allzu viel herumgekommen bei der Rendite.

Tatsächlich hat sich der Aktienmarkt in China in den vergangenen Jahren nicht so entwickelt, wie sich das viele Experten vorgestellt und gewünscht hatten. Der Shanghai Composite, der chinesische Leitindex, notierte vor fünf Jahren noch bei mehr als 5000 Punkten; heute sind es gerade einmal 2100 Zähler. Eine miserable Bilanz. Das große Versprechen, die großen Renditen, wurde bislang nicht eingelöst. Der Traum vom schnellen Geld ist lange ausgeträumt. Nicht nur bei den chinesischen Aktien, die in China gehandelt wurden, sondern auch bei den chinesischen Aktien, die in Deutschland an die Börse gebracht wurden.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Der große China-Bluff"

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  • Ich war vorgestern auf der HV von asian bamboo.
    Geschäftsführung und Aufsichtsrat wurden nicht entlastet!!!
    Das ganze war eine Farce höchsten Grades.
    Trotz Absturz der Aktie von über 90 %, gravierenden Managementfehlern ( Verfaulen der Ernte wegen angeblich zu wenig Arbeitskräften etc. ) wurde ein riesiges Aktienoptionsprogramm für Vorstand von 600.000 aktien zu 9euro aufgelegt bei einem Umsatz von 40 mio!!!
    der Aufsichtsrat bekommt auch eine dicke Prämie von 180000 . Dieser aufsichtsratsvorsitzende war voher bei Zhongde waste. Auch da gibt es dasselbe aktienrückkaufprogramm mit fast denselben Formulieren im Text..
    Der vorsitzende Lin ( Jahresgehalt 521000 euro ohne Optionen ) kauft die Aktien nicht, weil er dem Unternehmen eine gute Perspektive zutraut.
    Mit ein wenig Phantasie weiss man, was da geplant ist.
    Und wer sich die Geschäftsberichte genau ansieht , erkennt viele Widersprüche, die nicht ausgeräumt wurden, da der Finanzchef die Bilanz nicht erklären konnte, sondern immer nur davon sprach, das alles viel zu kompliziert ist, um es zu erklären. Na bravo

  • Cogito

    Kein Wunder, dass Deutsche Anleger Aktien als sehr riskant und "gefährlich" ansehen, wenn selbst im Handelblatt solch pauschalen und einsietigen Betrachtungen erscheinen.

    Es stimmt zwar, dass man mit Fonds und einigen speziellen "Empfehlungen" von sog. Finanzexperten grandiosen Schiffbruch erleiden kann, aber das gilt für jeden Markt. Der mündige Privatanleger weiß worauf er achten muss und selektiert die geeigneten Papiere.

    Beispiele wurden hier schon gegeben. Hier noch weitere seit 2009: Petrochina, Sands China LTD, CNOOC, Tencent Holdings. China Mobile wurde schon genannt. Auf "Aktionärsschützer", Anlageberater und Fondangebote sollte man sich besser nicht verlassen.

  • "Mit Aktien spekulieren, ist wie im Trüben fischen. Und in trüben Zeiten wie Diesen, machen Manche das Wasser noch trüber, um besser fischen zu können" - André Kostolany

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